dieses album wird im doors-katalog oft übersehen oder unterbewertet. der grund: es warf keine hits ab. dafür aber jede menge spätere klassiker. es war das album, mit dem sich die doors nach dem miami-vorfall, der öffentlichen ächtung und nach dem relativen misserfolg der jazzpop-experimente von "the soft parade" selbst am schopf aus dem schlamm zogen.
mehr noch: sie erfanden sich gleich selbst neu. kraftvoll, frisch und aufregend wie auf der ersten platte, aber härter, trockener, weniger gefällig. statt der omnipräsenten orgel gibt es hier oft e-pianos zu hören, die gitarre dominiert und klingt scharf nach rock, die quelle der inspiration ist der blues.
"roadhouse blues" ist ein grandioser openener, aufgebaut auf einem scharfen, beschleunigten bluesriff. "waiting for the sun" schaffte es nicht aufs gleichnamige album, sondern wurde erst jetzt verwertet (so was gibts öfter - "houses of the holy" ist auch nicht auf "houses of the holy" drauf, und "sheer heart attack" nicht auf "sheer heart attack"). warum die nummer liegen blieb, ist unverständlch, sie gehört zum packendsten und gleichzeitig eingängigsten, was die doors je geschrieben haben. die flirrenden, sehnsuchtsvollen strophen schlagen stets auf einem heftigen hardrockriff auf, der ungemein melodiöse refrain wächst sich in den auf moll-harmonien basierenden "waiting, waiting ..."-teil aus und steigert sich zum abschnitt "waiting for you to come along...", wo morrison mit sich selber zweistimmig singt. ganz, ganz großes drama, verdichtet in einen popsong. "you make me real" ist ein fröhlicher, hart pumpender boogie.
"peace frog" steigert die spannung wieder, ein zum funk verschärfter r&b-track, auf einem sensationell coolen gitarrenriff sitzend, in den verschiedene morrison-gedichte hineingebaut wurden - bevor das stück dann in die verkaterte spätnachmittagsidylle von "blue sunday" übergeht. "ship of fools" ist hochdramatischer pop mit einem für die damalige zeit erstaunlichen, sarkastischen öko-text ("the human race was dying out, no one left to scream and shout..."). die metapher von der menschheit als narrenschiff-besatzung ist simpel und naiv, aber sie funktioniert.
"land ho" ist dann herrlich großspurige seefahrer-mystik, von morrison in method-actors-stil genial auf den punkt gebracht. "the spy" ist ein bedrohlich schleichender blues mit einem bedrohlichen text ("i know you deepest secret fear"), der sich dramatisch steigert. in "queen of the highway" setzt morrison seiner freundin pamela wieder einmal ein denkmal (das ganze album ist voll von grüßen an sie). warum die doors selbst bis heute an dieser version herummäkeln, ist nicht ganz klar - der track ist zwar nichts besonderes, aber er ist stimmig und dicht und gefällig.
"indian summer" fällt aufs erste hören ab, hat aber einen hinterhältigen charme und ein seltsames orientalisches feeling, hat man sich einmal in die melodie verbissen, kann man sie kaum wieder loslassen.
"maggie m'gill" baut dann den übergang zu "la woman": harter, trockener moll-blues, von scharfen gitarren angetrieben, morrison singt hier bereits mit der zerfallenden, rauen stimme vom folgenden, letzten album.
der remastere sound ist großartig, sehr scharf und hell, aber niemals unangenehm.
der remix ist auf diesem album besonders deutlich zu hören. gearbeitet wurde vor allem an der atmo - die songs werden nicht neu erfunden, nur neu gerahmt: man hört morrison jetzt bei "the spy" sanft mitklatschen, bei "you make me real" pfeifen oder bei "roadhouse blues" sich selbst leise antworten. dazu kommen diverse ad-libs und "oh yeahs" und zwischenrufe, die auf der originalversion gestrichen wurden. die ride-outs sind oft länger, etwa bei "maggie m'gill", da gibts noch einige gitarrenlicks und morrison-interpretationen mehr zu hören. insgesamt gibts mehr gitarre, der bass ist prominenter im klangbild, ein paar klavierparts kamen dazu.
offenbar war man bemüht, vor allem so viel unbekannten morrison wie möglich zu liefern. so ist jetzt im intro von "roadhouse blues" auch jims etwas dilettantisches mundharmonika-motiv eingeblendet, das damals sofort verworfen wurde, es mischt sich jetzt unter john sebastians scharfe, präzise harp. das ist meiner ansicht nach der einzige eingriff im gesamten doors-remix, der fragwürdig ist, weil er das lied wirklich verändert. aber offenbar konnte man auf diesen gimmick - jim zum einzigen mal bei einer studioaufnahme an der harp hörbar - nicht verzichten.
der gesamtsound der doors wird hier durch den remix etwas rauer und direkter, weniger geputzt, man rückt sozusagen näher an die band heran, sitzt im studio zwischen ihnen. dazu passen auch die bonustracks. neben der sagenumwobenen jazzversion von "queen of the highway" (ja, eh ganz nett) hört man hier 40 minuten lang work in progress. ist alles eh sehr interessant, aber irgendwo zwischen minute 18 und 20, während die doors versuchen, das riff von "roadhouse blues" tot zu reiten und morrison dazu herumgrölt, wird es dann ein wenig sinnlos. ein interessanter einblick in die arbeitsweise der doors, wie ein song modelliert wird, aber musikalisch letztlich total wertlos.
morrison hotel ist eines der stärksten alben der doors. es ist geprägt von einer verzweifelten hoffnung, es ist lebensfroh, wild und stark. es ist vielleicht nicht so präzise und überwältigend wie ihr düsterer schwanengesang "la woman", es hat ein paar längen, aber es ist so kraftvoll inspiriert, dass es sich 5 sterne verdient.