Rebekka Bakken wendet sich dem Vocal-Jazz ganz ab und bringt nach dem besonderen Highlight meiner Vocal-Jazz-Pop Alben "I keep my cool" nun ein durch und durch balladengetränktes Album, das sich in die Kategorie Songwriter-, Folk- und Balladenpop wohl am besten einreihen lässt und noch ein paar Blues- und Countryelemente einfließen lässt. Rebekkas Stimme ist wie eh und je besonders, aber dieses Mal mit weniger Ecken und Kanten und ohne große Abwechslung, Melancholie und Eingängigkeit stehen im Vordergrund, was nicht allen gefallen wird, die Fan von ihr sind bzw. waren. Unter neuem Produzenten (Craig Street, u.a. bekannt als Produzent von Lizz Wright oder Norah Jones) gibt es eben ein bisschen massentauglicheres Album.
Das Album beginnt für mich mit den ersten beiden Titeln eher schwach und gewöhnlich, ja fast austauschbar: "Not a woman" und "Sometimes" sind nette aktustikgitarrenorientierte Popsongs, die auch im Radio ganz gut laufen würden, mich aber wahrlich nicht vom Hocker hauen.
"Ghost in this house" bringt mit etwas Countryeinflüssen etwas Abwechslung und hat einen wunderschönen Refrain. "Room powder collapse" wird den Bluesfans als einziges besonders gut gefallen, ist auch gelungen, aber der einzige "jazzige Bluesausrutscher" des Albums, von denen ich mir noch ein, zwei mehr gewunschen hätte.
"No easy way" ist ein schöner Popsong mit einschmeichelndem Refrain.
Ab "If you don't ask for more" beginnen für mich die besonders herausragenden Seiten des Albums, die ich bisher nur ansatzweise gehört habe. Schöne Pianos, tolle, besondere Refrains wie bei "I can always forget", "Starlight of your heart", "Contents of my heart" oder "October nights" lassen einen förmlich vorm Kamin schwelgen und passen perfekt in die Jahreszeit.
Mein Highlight ist als Bonustrack deklariert und ohne diesem Track würde auch etwas auf dem Album fehlen: "In the early morning hours" ist unwiderstehlich, mit schönem Klaviersolo von Rebekka Bakken und einem tollen Arrangement, besonders und eingängig, es besitzt einen wundervollen Refrain.
Rebekkas Stimme verzaubert mich wie eh und je, ihre Liveperformance ist aber nicht mit dem Album zu vergleichen, denn da versprüht sie noch mehr Gänsehaut und Abwechslung in der Stimme.
Leider beginnt für mich das Album etwas arg gewöhnlich und sehr massentauglich, dass ich schon fast an Kuschelrockniveau denken muss, schlägt aber in meinen Ohren nach den ersten beiden Songs und vor allem ab Track 7 eine tiefergehende, besondere Richtung ein, die es einfach besonders klingen lässt, wie ich es mir von Rebekka Bakken wünsche.
Leider fehlen mir auch besondere Instrumentierungen wie der Einsatz von Streichern (wie beim letzten Album) oder Flöten, Saxophone, weswegen ich insgesamt dieses Mal "nur" vier Sterne vergeben kann. Die Vorgängeralben sind einfach abwechslungsreicher und besonderer.
Trotzdem: Ein schönes, neues Herbstalbum mit ein paar Highlights, vor allem ab der Mitte des Albums.