Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
Morituri
 
Größeres Bild
 
Den Verlag informieren!
Ich möchte dieses Buch auf dem Kindle lesen.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Morituri [Gebundene Ausgabe]

Yasmina Khadra , Mohammed Moulessehoul
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)

Erhältlich bei diesen Anbietern.


‹  Zurück zur Artikelübersicht

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

"Blutüberströmt liegt der Horizont da und bringt durch einen Kaiserschnitt einen Tag zur Welt, für den sich die Mühe letztlich nicht gelohnt haben wird." Nicht gerade optimistisch beginnt eine der merkwürdigsten und interessantesten Krimi-Neuerscheinungen dieses Herbstes. Morituri nennt die algerische Schriftstellerin Yasmina Khadra ihren Roman und todgeweiht sind ihre Helden wirklich, die um ein Mindestmaß an Toleranz und Gerechtigkeit kämpfen.

Bürgerkrieg in Algerien. Die Wahlen, aus denen die Islamische Heilsfront FIS als Sieger hervorgegangen wäre, werden annulliert. Radikale islamische Kämpfer überziehen das Land mit Terroranschlägen gegen liberale Künstler und Intellektuelle und nicht zuletzt gegen eine wehrlose Landbevölkerung. In dieser Atmosphäre von Haß und Gewalt kämpft Kommissar Llob den Kampf eines Don Quichote um die Aufrechterhaltung von Gesetz und Ordnung in Algier. Nicht, daß Llob ein pedantischer Beamter wäre, ein Gerechtigkeitsfanatiker. Er neigt zu einem abgeschwächten Zynismus, hat sein Temperament zumeist in der Gewalt, liebt illusionslos seine Heimatstadt, seine Kollegen, seine Familie. Doch immer wieder muß er Freunde, Kollegen und bewunderte Menschen gewaltsam sterben sehen, ohne helfen oder aufklären zu können. Eines Tages wird Llob von Ghoul Malek, einer mächtigen und gefürchteten "Grauen Eminenz" in Algier, mit der Suche nach dessen verschwundener Tochter beauftragt. Die Nachforschungen führen ihn mitten hinein in einen undurchdringlichen Filz von Politik, Terror und Verbrechen, bei dem jeder seinen persönlichen Reibach machen möchte.

Kommissar Llob ist neu. Ein glaubwürdiger Charakter mit allen Fehlern und Vorzügen, die eine überzeugende Figur braucht, humorvoll und sarkastisch. Ein ungewöhnlicher Held in einem außergewöhnlichen Buch. Yasmina Khadra ist ein hochaktueller und ungewöhnlich fesselnder Polit- und Polizei-Thriller zu den Ereignissen in ihrem Heimatland gelungen. Man kann nur hoffen, bald von dieser kritischen Autorin noch mehr zu hören und zu lesen. Eigentlich brauchte man es nicht eigens zu betonen: Yasmina Khadra schreibt unter Pseudonym. --Ulrich Deurer

Neue Zürcher Zeitung

Leichentuch im Postpaket

Ein algerischer Kriminalroman von Yasmina Khadra

Wie lässt sich über den Schrecken schreiben? Beispielsweise über den unsäglichen algerischen Krieg, der nach dem Abbruch der Wahlen 1992 begann, bei dem es keine Fronten gibt, die Mörder geradeso aus dem Lager der Fundamentalisten wie aus dem der Regierung stammen können und hauptsächlich Unbeteiligte sterben. Ein Krieg, der bisher über hunderttausend Tote gefordert hat und der trotz allen Beteuerungen der neuen politischen Führung – wenn auch mit geringerer Intensität – weitergeht.

Die Algerierin Yasmina Khadra gibt auf diese Frage eine eher banal wirkende Antwort: Sie schreibt Kriminalromane. Inzwischen ist eine Trilogie erschienen, der erste Band daraus, «Morituri» (1997), liegt nun auch auf deutsch vor. Die Gattung des Kriminalromans kommt hier der gesellschaftskritischen Intention insofern entgegen, als verbrecherische Gewalt zu seinen konstituierenden Elementen gehört. Und diese ist in «Morituri» in einem Masse vorhanden, dass die Lektüre mitunter prekär wird. Es gibt indes keine Leiche am Anfang, deren Mörder es im Laufe des Romans zu finden gilt. Daher zählt ihn Beate Burtscher-Bechter in ihrem informativen Nachwort zur Gattung des «roman noir», als dessen Eigenheit sie gerade die Parallelität von Verbrechen und Ermittlung bezeichnet.

Erzählt wird «Morituri» von Kommissar Llob, einem in Algier bekannten Polizisten, der durch seine Unbestechlichkeit beeindruckt und nebenbei auch Romane schreibt. Ihn kennzeichnet überdies eine starke Emotionalität, die ihn angesichts des Schreckens alle kriminalistische Coolness verlieren lässt. Das macht die Lektüre nicht leichter, verunmöglicht einem doch diese Identifikationsfigur jegliche Distanznahme vom Romangeschehen: vom Verschwinden Sabrine Maleks, der Tochter eines ehemaligen Repräsentanten der Nomenklatura, der nach wie vor machthungrig seine Fäden spinnt; vom frivolen Treiben der algerischen Schickeria und ihrer Adlaten im Nachtklub «Limbes Rouges»; von der Fahndung nach Abou Kalybse (die Assonanz ist kein Zufall), einem geheimnisumwitterten Emir der Fundamentalisten; vom brutalen Mord an einem von Llobs Kollegen; von den Todesdrohungen gegen den Kommissar am Telefon oder mittels eines Pakets, das Seife für die Totenwäsche und ein Leichentuch enthält.

Deprimierend wird die Lektüre auch dadurch, dass das Geschehen nicht als die Imagination eines phantasievollen Autors betrachtet werden kann. Wer die Medienberichte über das algerische Martyrium einigermassen verfolgt, stösst immer wieder auf Bekanntes, etwa auf die Ermordung des Schriftstellers Tahar Djaout im Mai 1993. In einem Fax-Interview mit «Le Monde» sagt Khadra: «Alles, was ich sage, ist wahr. Vielleicht etwas literarisiert. Es handelt sich um ein genaues Abbild der algerischen Realität, eine messerscharfen Analyse des Integrismus.» Im gleichen Interview steht zu lesen, dass «Yasmina Khadra» ein aus Gründen der Sicherheit und wegen familiärer Rücksichten angenommenes Pseudonym ist. Dahinter verbirgt sich ein Schriftsteller, der bereits vor zwanzig Jahren zwei Romane veröffentlicht hat. Neuerdings hat er das Genre des Kriminalromans wieder verlassen.

Trotz aller Schwere hat «Morituri» auch etwas Verführerisches: eine aussergewöhnliche Sprache, die unterkühlte Berichterstattung mit Poesie zu vereinen versteht, die von überraschenden Bildern und Vergleichen lebt, die ihren Reichtum von den unteren Rändern des sprachlichen Spektrums nimmt, ohne vulgär zu wirken (eine schwierige Aufgabe für die Übersetzung, die Bernd Ziermann und Regina Keil-Sagawe trefflich gelöst haben). Auch die Perspektive des Ich-Erzählers überzeugt: Obwohl Llob durch seine Funktion selber Teil der staatlichen Macht ist, übernimmt er nicht deren Sichtweise. Er macht nicht einfach Jagd auf fundamentalistische Terroristen. Ohne diese in irgendeiner Weise zu entschuldigen oder gar zu verklären, zeigt er auch das monströse Antlitz der Macht in Algerien: eine Finanz- und Politmafia, die vor nichts zurückschreckt, um ihre aus dem Unabhängigkeitskrieg und dem Staatssozialismus stammenden Privilegien zu verteidigen. So entsteht in «Morituri» ein präzises Bild von der komplexen Gestalt des algerischen Schreckens.

Heinz Hug

Pressestimmen

Morituri ist keine leichte Kost, keine oberflächliche Unterhaltung, aber dennoch so faszinierend und berührend, dass man es nicht aus der Hand legen kann. (Dortmunder Agentur, online-Redaktion) "Romane, die einen seltenen Einblick in das vor westlichen Augen abgeschirmte Algier erlauben. ... "Algier ist eine Wanderbühne, auf der nur Tragödien zur Aufführung kommen", heißt es an einer Stelle. Mag sein. Aber Mohammed Moulessehoul ist ihr begabtester Regisseur." (Robert Müller, Berliner Morgenpost) "Und Moulessehoul glänzt nicht nur durch die drastische Schilderung der Zustände in seinem Heimatland Algerien, die mehr als den Hintergrund seiner Geschichte abgeben. Zudem brilliert seine Sprache durch das Alternieren von lakonischen Kommentatoren und verdichteten Bildern: Kommissar Llob zerreißt es schier zwischen Sarkasmus und Hoffnung, zwischen brutaler Wirklichkeit und poetischem Empfinden." (Saski Schulte, www.literaturkritik.de) "Faszinierend, wie genau Khadra die sozialen Konflikte darstellt und seine scharfe Analyse mit einem melancholischen Tonfall kombiniert. Die blumigen Vergleiche sind streckenweise zwar zu exotisch und überzogen, sie machen aber den besonderen Reiz dieses spannenden Krimis aus." (Hamburger Abendblatt) "Seine Romane sind eine Mischung aus Sinclair Lewis und Mickey Spillane, brutal, schnell, traurig, aufklärerisch. Etwas besseres über das Wesen des islamischen Terrors kann man im Moment nicht lesen." (Ultimo) "Eine spannende und beklemmende realistische Geschichte, die den Krimi in den Rang eines zeitkritischen Romans erhebt." (OÖ-Nachrichten)

Kurzbeschreibung

Commissaire Llob, ein integrer Polizeibeamter in Algier, kämpft gegen Verbrecher und ihre Hintermänner. Im Mittelpunkt der Handlung steht eine Serie von Morden an Intellektuellen. Sie ist für die Autorin der Anlass, die Situation ihrer Heimat zwischen Bürgerkrieg, Korruption, Unterdrückung, Angst und Terror zu schildern und - ausgehend von der Gegenwart - die Wurzeln des Übels zur Sprache zu bringen, die in der jüngsten Vergangenheit liegen.
Würde sie nicht unter einem Pseudonym schreiben, gehörte sie wohl selbst zu den Morituri, den Todgeweihten: Yasmina Khadra - bzw. ihr männliches alter ego Commissaire Llob, der ebenfalls Kriminalromane schreibt - zögert nämlich nicht, die Drahtzieher von Verbrechen selbst in höchsten Kreisen zu suchen. Seine Hauptgegner sind jene "Kriegsgewinnler", die in schwer bewachten Luxusvillen rauschende Feste feiern und Macht und Kapital unter sich aufteilen, während in anderen Vierteln Algiers soziale Missstände die Einwohner zu Verbrechern werden lassen. Damit nimmt die Autorin Abstand von jener Schwarz-Weiß-Malerei, die allein islamische Fundamentalisten als Schuldige des Bürgerkriegs ortet.
Khadras Erzählstil ist knapp, der Text manchmal fast eine comicartige Persiflage der Grausamkeiten, an anderen läßt er die kaum vorstellbare Wirklichkeit unbarmherzig hereinbrechen. Die Einbeziehung politisch-historischer Fakten sowie die Schilderungen von Volkscharakter und Landschaft verstärken den Eindruck, dass hier nicht ein fiktiver Krimi vorliegt, sondern ein Zeitzeugnis und Augenzeugenbericht.Yasmina Khadra (Pseudonym) ist Schriftstellerin und lebt in Algier. Sie erfand die Figur des Commissaire Llob, den Helden von fünf Kriminalromanen, deren letzte drei in Frankreich herauskamen und eine Einheit bilden, eine Trilogie zum Thema Bürgerkrieg und seiner Hintergründe. Vorher und nachher veröffentlichte sie weitere Romane. Zur Trilogie, die mit Morituri beginnt, schreibt Yasmina Khadra: "Die Trilogie will eine möglichst getreue Analyse der Tragödie sein, die mein Land erschüttert."

Autorenportrait

Yasmina Khadra (Pseudonym) ist Schriftstellerin und lebt in Algier. Sie erfand die Figur des Commissaire Llob, den Helden von fünf Kriminalromanen, deren letzte drei in Frankreich herauskamen und eine Einheit bilden, eine Trilogie zum Thema Bürgerkrieg und seiner Hintergründe. Vorher und nachher veröffentlichte sie weitere Romane. Zur Trilogie, die mit Morituri beginnt, schreibt Yasmina Khadra: "Die Trilogie will eine möglichst getreue Analyse der Tragödie sein, die mein Land erschüttert."
‹  Zurück zur Artikelübersicht