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Morituri
 
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Morituri [Gebundene Ausgabe]

Yasmina Khadra , Mohammed Moulessehoul
4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 159 Seiten
  • Verlag: Haymon Verlag; Auflage: 2. A. (1999)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3852183073
  • ISBN-13: 978-3852183077
  • Größe und/oder Gewicht: 20,1 x 12,1 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 460.341 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Yasmina Khadra
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Aus der Amazon.de-Redaktion

"Blutüberströmt liegt der Horizont da und bringt durch einen Kaiserschnitt einen Tag zur Welt, für den sich die Mühe letztlich nicht gelohnt haben wird." Nicht gerade optimistisch beginnt eine der merkwürdigsten und interessantesten Krimi-Neuerscheinungen dieses Herbstes. Morituri nennt die algerische Schriftstellerin Yasmina Khadra ihren Roman und todgeweiht sind ihre Helden wirklich, die um ein Mindestmaß an Toleranz und Gerechtigkeit kämpfen.

Bürgerkrieg in Algerien. Die Wahlen, aus denen die Islamische Heilsfront FIS als Sieger hervorgegangen wäre, werden annulliert. Radikale islamische Kämpfer überziehen das Land mit Terroranschlägen gegen liberale Künstler und Intellektuelle und nicht zuletzt gegen eine wehrlose Landbevölkerung. In dieser Atmosphäre von Haß und Gewalt kämpft Kommissar Llob den Kampf eines Don Quichote um die Aufrechterhaltung von Gesetz und Ordnung in Algier. Nicht, daß Llob ein pedantischer Beamter wäre, ein Gerechtigkeitsfanatiker. Er neigt zu einem abgeschwächten Zynismus, hat sein Temperament zumeist in der Gewalt, liebt illusionslos seine Heimatstadt, seine Kollegen, seine Familie. Doch immer wieder muß er Freunde, Kollegen und bewunderte Menschen gewaltsam sterben sehen, ohne helfen oder aufklären zu können. Eines Tages wird Llob von Ghoul Malek, einer mächtigen und gefürchteten "Grauen Eminenz" in Algier, mit der Suche nach dessen verschwundener Tochter beauftragt. Die Nachforschungen führen ihn mitten hinein in einen undurchdringlichen Filz von Politik, Terror und Verbrechen, bei dem jeder seinen persönlichen Reibach machen möchte.

Kommissar Llob ist neu. Ein glaubwürdiger Charakter mit allen Fehlern und Vorzügen, die eine überzeugende Figur braucht, humorvoll und sarkastisch. Ein ungewöhnlicher Held in einem außergewöhnlichen Buch. Yasmina Khadra ist ein hochaktueller und ungewöhnlich fesselnder Polit- und Polizei-Thriller zu den Ereignissen in ihrem Heimatland gelungen. Man kann nur hoffen, bald von dieser kritischen Autorin noch mehr zu hören und zu lesen. Eigentlich brauchte man es nicht eigens zu betonen: Yasmina Khadra schreibt unter Pseudonym. --Ulrich Deurer

Neue Zürcher Zeitung

Leichentuch im Postpaket

Ein algerischer Kriminalroman von Yasmina Khadra

Wie lässt sich über den Schrecken schreiben? Beispielsweise über den unsäglichen algerischen Krieg, der nach dem Abbruch der Wahlen 1992 begann, bei dem es keine Fronten gibt, die Mörder geradeso aus dem Lager der Fundamentalisten wie aus dem der Regierung stammen können und hauptsächlich Unbeteiligte sterben. Ein Krieg, der bisher über hunderttausend Tote gefordert hat und der trotz allen Beteuerungen der neuen politischen Führung – wenn auch mit geringerer Intensität – weitergeht.

Die Algerierin Yasmina Khadra gibt auf diese Frage eine eher banal wirkende Antwort: Sie schreibt Kriminalromane. Inzwischen ist eine Trilogie erschienen, der erste Band daraus, «Morituri» (1997), liegt nun auch auf deutsch vor. Die Gattung des Kriminalromans kommt hier der gesellschaftskritischen Intention insofern entgegen, als verbrecherische Gewalt zu seinen konstituierenden Elementen gehört. Und diese ist in «Morituri» in einem Masse vorhanden, dass die Lektüre mitunter prekär wird. Es gibt indes keine Leiche am Anfang, deren Mörder es im Laufe des Romans zu finden gilt. Daher zählt ihn Beate Burtscher-Bechter in ihrem informativen Nachwort zur Gattung des «roman noir», als dessen Eigenheit sie gerade die Parallelität von Verbrechen und Ermittlung bezeichnet.

Erzählt wird «Morituri» von Kommissar Llob, einem in Algier bekannten Polizisten, der durch seine Unbestechlichkeit beeindruckt und nebenbei auch Romane schreibt. Ihn kennzeichnet überdies eine starke Emotionalität, die ihn angesichts des Schreckens alle kriminalistische Coolness verlieren lässt. Das macht die Lektüre nicht leichter, verunmöglicht einem doch diese Identifikationsfigur jegliche Distanznahme vom Romangeschehen: vom Verschwinden Sabrine Maleks, der Tochter eines ehemaligen Repräsentanten der Nomenklatura, der nach wie vor machthungrig seine Fäden spinnt; vom frivolen Treiben der algerischen Schickeria und ihrer Adlaten im Nachtklub «Limbes Rouges»; von der Fahndung nach Abou Kalybse (die Assonanz ist kein Zufall), einem geheimnisumwitterten Emir der Fundamentalisten; vom brutalen Mord an einem von Llobs Kollegen; von den Todesdrohungen gegen den Kommissar am Telefon oder mittels eines Pakets, das Seife für die Totenwäsche und ein Leichentuch enthält.

Deprimierend wird die Lektüre auch dadurch, dass das Geschehen nicht als die Imagination eines phantasievollen Autors betrachtet werden kann. Wer die Medienberichte über das algerische Martyrium einigermassen verfolgt, stösst immer wieder auf Bekanntes, etwa auf die Ermordung des Schriftstellers Tahar Djaout im Mai 1993. In einem Fax-Interview mit «Le Monde» sagt Khadra: «Alles, was ich sage, ist wahr. Vielleicht etwas literarisiert. Es handelt sich um ein genaues Abbild der algerischen Realität, eine messerscharfen Analyse des Integrismus.» Im gleichen Interview steht zu lesen, dass «Yasmina Khadra» ein aus Gründen der Sicherheit und wegen familiärer Rücksichten angenommenes Pseudonym ist. Dahinter verbirgt sich ein Schriftsteller, der bereits vor zwanzig Jahren zwei Romane veröffentlicht hat. Neuerdings hat er das Genre des Kriminalromans wieder verlassen.

Trotz aller Schwere hat «Morituri» auch etwas Verführerisches: eine aussergewöhnliche Sprache, die unterkühlte Berichterstattung mit Poesie zu vereinen versteht, die von überraschenden Bildern und Vergleichen lebt, die ihren Reichtum von den unteren Rändern des sprachlichen Spektrums nimmt, ohne vulgär zu wirken (eine schwierige Aufgabe für die Übersetzung, die Bernd Ziermann und Regina Keil-Sagawe trefflich gelöst haben). Auch die Perspektive des Ich-Erzählers überzeugt: Obwohl Llob durch seine Funktion selber Teil der staatlichen Macht ist, übernimmt er nicht deren Sichtweise. Er macht nicht einfach Jagd auf fundamentalistische Terroristen. Ohne diese in irgendeiner Weise zu entschuldigen oder gar zu verklären, zeigt er auch das monströse Antlitz der Macht in Algerien: eine Finanz- und Politmafia, die vor nichts zurückschreckt, um ihre aus dem Unabhängigkeitskrieg und dem Staatssozialismus stammenden Privilegien zu verteidigen. So entsteht in «Morituri» ein präzises Bild von der komplexen Gestalt des algerischen Schreckens.

Heinz Hug


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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Eindringliche Worte eines mutigen Autors, 4. November 2002
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Morituri (Taschenbuch)
Der algerische Autor hat mich mit einer so fesselnden Sprache überrascht, daß ich zum Kauf des Buches nur zuraten kann. Außergewöhnlich ist vor allem, wie kritisch, ja fast sarkastisch angesichts der schieren Ausweglosigkeit der durch die korrupten Eliten selbstverschuldeten Lage hier erzählt wird. Dabei sind es vor allem die eindringlichen sprachlichen Vergleiche, die unter die Haut gehen ("Seine Augen gleichen noch immer dem Meer, doch an diesem Abend lädt kein Segler in ihnen zu großer Fahrt ein.").
Auch all jenen, die noch immer glauben, hier würde der böse Westen wieder einmal an allem schuld sein, wird von einem Insider eines Besseren belehrt: Machtgier und Raffsucht, so der Autor, haben in den höchsten Kreisen Algeriens ihre Meister gefunden. Daß der Autor seit einiger Zeit im französischen Exil lebt, sagt einiges über das Meinungsklima in dem nordafrikanischen Land, dessen Hauptstadt so eindrucksvoll umschrieben wird: "Gäbe es da nicht diese greulichen Attentate und die Scharen der Erleuchteten, die wie Motten die Straßen und die Gehirne zerfressen, man würde Algier nicht gegen tausend Märchenstädte eintauschen."
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen gelungener Politkrimi!!!!!!!, 16. August 2003
Rezension bezieht sich auf: Morituri (Taschenbuch)
Wieder einmal eines dieser außergewöhlichen Bücher. Die Handlung spielt in Algier und Kommisar Llob ist die Hauptperson. In dieser von Terroristen und anderen gepeinigten Stadt wird er nun von einer hohen politischen Person beauftragt, seine Tochter zu suchen. Doch Llob kommt einem Terroristen auf die Spur, der von nichts zurück schreckt.
Das Buch ist aber kein reiner Kriminalroman, der Autor beschreibt auch mit teilweise sogar poetischen Worten die Zustände und das Leben in Algerien. Gelungen dargestellt ist auch der Kommisar. Mal sarkastisch und mal ernst oder ängstlich, wirken seine Schritte nachvollziehbar und nicht überzogen. Alles in allem eine gelungene und spannende Darstellung des heutigen Algeriens. Ich werde mir auch die weiteren Bücher mit Kommisar Llob zulegen. Lesen!!!!
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Lob für Llob! Lesen!, 7. Juni 2006
Von 
Rezension bezieht sich auf: Morituri (Taschenbuch)
Ein Krimi mit fesselnder Handlung, ein in allen menschlichen Facetten fein gezeichneter Hauptcharakter - und auch eine fast poetische Liebesgeschichte zu einem Land, in dem nichts mehr ist, wie es sein sollte und doch alles seinen Grund hat.
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