Produktinformation
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Diese Enthüllung wäre eine faszinierende (und rührende) Anmerkung zu Bachs Könnerschaft geblieben, wenn der Barockspezialist und Violinist Christoph Poppen nicht die blendende Idee gehabt hätte, die Entdeckung von Helga Thoene aus dem akademischen Bereich der Musikbibliotheken im Triumphzug in den Konzertsaal zu entführen. Auf dieser Platte wird die Interpretation aller fünf Sätze der gesamten Partita (BWV 1004) unterbrochen von den verschiedenen Chorälen, die innerhalb der Chaconne geheimnisvoll verborgen sind. Diese werden von dem Hilliard Ensemble mit atemberaubender Präzision gesungen. Ein wirklicher Überraschungscoup kommt aber dann am Ende, wenn die Chaconne noch einmal gespielt wird. Dieses Mal bringen die Sänger die "geheimen" Melodien ans Tageslicht.
Poppens Spiel ist hervorragend: Es klingt gefühlvoll und vibriert vor Erregung. Auch die Mitglieder des Hilliard Ensembles haben noch nie besser geklungen, und die Kombination aus diesen beiden erbringt eine beispiellose Wirkung. Es ist so, als ob Maria Barbaras eigentlicher Nachruf erst jetzt verwirklicht wurde und hierbei eine bewegende und wunderbar anregende Aufnahme entstanden sei. --Warwick Thompson
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Nicht genug, dass in den ersten 20 Sätzen der CD abwechselnd ein Kirchenchoral und ein Satz aus der Partita für Violine solo d-moll BWV 1004 (wunderbar gespielt von Christoph Poppen) den Hörer begeistern kann: Der eigentliche Höhepunkt kommt in Nr. 21, und es traf mich wie ein Donner, als ich begriff: Hier werden die soeben vorgestellten Gesänge mit der Ciaccona aus der d-moll-Partita genial verknüpft, als hätte es immer so sein müssen. Nur angedeutet werden die Choralstrophen, sie treten still zur Ciaccona, die Menschen-Stimmen zur Violine, um bescheiden, fast schüchtern wieder in den Hintergrund zu treten, einem anderen gesungenen Gedanken Raum gebend. Mir wurde fast schwindelig, als die Viertelstunde dieses feinen komplexen Gewebes vorüber war.
Die CD klingt lakonisch aus mit der mehrfach zitierten knappen Beobachtung „den Tod niemand zwingen kunnt", ein Fragment aus der Kantate BWV 4 „Christ lag in Todesbanden" zu Worten eines Osterliedes Martin Luthers. „Den Tod niemand zwingen kunnt" - diese Worte klingen wie ein roter Faden durch die ganze Einspielung immer neu an (Nr. 2, 6, 10, 12, 20 und 22). Eine bedrückende Botschaft? Wohl eher eine realitätsgerechte Voraussetzung der anderen Seite dieser Lyrik: Gottvertrauen, Osterglaube: („der ist wieder erstanden / und hat uns bracht das Leben. / Des wir sollen fröhlich sein ...). Dies dürfte von den Künstlern implizit mitgemeint sein, und der Kehrvers „Den Tod niemand zwingen kunnt" drängt auf seine Ergänzung „außer dem lebenschaffenden Gott".
Das umfangreiche Textheft überrascht durch musiktheoretische Funde von Prof. Helga Thoene, ohne deren Veröffentlichungen der Violinvirtuose Poppen nicht auf den Gedanken dieser Verschränkung von Bachchorälen mit der Ciaccona gekommen wäre. Wie weit man den Analysen zur Zahlensymbolik folgen kann, vermag ich nicht zu beurteilen, aber die These der verborgenen Melodiefragmente in der Ciaccona wird klanglich überzeugend gestaltet. In jedem Falle bereichert die Hintergrundsinformation den Genuss des Hörens.
Nur ein Defizit enthält das Begleitheft: Die gesungenen Worte werden nicht, wie bei Einspielungen von Vokalmusik zu erwarten wäre, abgedruckt.
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