"Morgenrot" aus dem Jahre 2008 ist das Erstlingswerk von Tanja Heitmann, welche damit einen Einblick in die geheimnisvolle Welt der Dämonen geben wollte, dabei aber an der Größe der Aufgabe scheiterte.
Etwas zum Inhalt
In ihrem Debütroman spielt die junge Studentin Lea die Hauptrolle, die während eines Auslandssemesters über ihren Professor dessen Freund Adam kennen lernt und sich vom ersten Augenblick an stark zu ihm hingezogen fühlt. Sehr bald schon erfährt sie Adams Geheimnis. Er ist von einem Dämon besessen. Und dieser Dämon verfolgt nur ein Ziel.
Das Buch ist ein in sich abgeschlossenes Werk (wenngleich auch Teil eines größeren Zyklus, der Nachfolgeband Wintermond" liegt bereits vor), doch kommt man nicht umhin, viele logische Unstimmigkeiten und konfuse nicht durchdachte Handlungshintergründe beim Lesen zu bemerken.
Bereits nach den ersten zwanzig Seiten ist man reichlich verwirrt, was die Hauptheldin betrifft. Sie absolviert ein Auslandssemester in einem Land, dessen Sprache sie kaum beherrscht (sie kann nur einen zweiwöchigen Intensivkurs vorweisen) dennoch liefert sie problemlos (offensichtlich hat sie keine Schwierigkeiten bei Recherchen in den Bibliotheken) solch hervorragende Arbeiten ab, dass sie zum Plaudern in trauter Runde beim Professor eingeladen wird.
Dabei lernt sie Adam kennen, ist sofort verzaubert von ihm und nicht mal ein wenig erstaunt, als dieser eines Nachts urplötzlich bluttriefend in ihrer winzigen Wohnung neben ihrem Bett sitzt und sie beobachtet, während sich sein Körper scheinbar mühelos von alleine heilt. Ein Umstand, bei dem vermutlich jeder andere an Leas Stelle schreiend davon gerannt wäre. Die Hauptheldin des Buches jedoch entscheidet sich, mit Adam in die Nacht hinaus zu gehen, wo er ihr beichtet, dass in ihm ein Dämon haust, der ein ganz spezielles Interesse an ihr hat. Und auch jetzt noch ist sie unendlich fasziniert von Adams Wesen und kann sich eigentlich kaum vorstellen, zu welchen Taten Adam, hat der Dämon erst einmal in ihm die Oberhand gewonnen, fähig ist. Erst als sie ein Gemetzel unter Dämonen im Hause des Professors miterlebt, ergreift sie entsetzt die Flucht.
Was der Leser jedoch im Verlaufe des Buches nicht erfährt, sind Hintergründe über die Dämonen, das Woher und Warum. Auch wird kaum ein Wort darüber verloren, wie der Dämon von Adam Besitz ergreifen konnte. Da weigert sich die Autorin standhaft, dem neugierigen Leser mit Fakten zu helfen und so bleibt alles über die Dämonen in einem ärgerlichen, unklaren Nebel gehüllt. Dabei hätte man so viele wunderbare Bezüge zur Bibel, zu antiken Mythologien und zum Mittelalter finden können. Doch Tanja Heitmann hat nichts davon wirklich in ihr Buch einfließen lassen, was die ganze Dämonologie des Buches auf sehr wacklige Füße stellt und den Leser unbefriedigt und ohne Antworten zurücklässt.
Schließlich gibt es einen Zeitsprung (der handwerklich dem Leser nur sehr schlecht vermittelt wird), in welchem beinahe beiläufig die Information gestreut wird, dass Lea, inzwischen in ihre Heimat zurückgekehrt, ihren Doktortitel hat und nun in einem Verlag arbeitet. Urplötzlich, (wie viel Jahre später weiß keiner), taucht auch Adam wieder auf. Rache steht auf dem Plan. Die Charaktere Lea und Adam wirken nach und nach immer farbloser und widersprüchlicher, rückgratlos, inkonsequent. Das ständige Hin und Her zwischen den Beiden wirkt sich nicht nur auf Lea wiederholt erschöpfend aus, sondern auch auf den Leser. Nicht eine Figur lädt ein, sich mit ihr zu identifizieren, da sie alle durchweg zu wenig Persönlichkeit von der Autorin erhalten haben. Eher war man dazu geneigt, das Buch zu schließen und zur Seite zu legen, doch jedes Buch verdient es gelesen zu werden und auch aus schlechten Büchern kann man lernen.
Dann erscheinen endlich neue Figuren im Roman und damit auch neue Hoffnung, die allerdings schnell zerstört wird. Denn auch sie werden umständlich in ein Geschehen hineingepresst, um die Handlung voranzutreiben, was jedoch misslingt. Beinahe erzielen sie noch weniger Wirkung als die sehr banalen und nichtssagenden Figuren der vorherigen Seiten beim Leser.
Todgeglaubte Freunde erwachen zu neuem Leben; Küsse, die Dämonen beinahe sanft auf einen neuen Wirt überspringen lassen sollen, sind auf einmal Bisse. Eine neue, völlig ramponierte und demzufolge desolate, irre Nebenfigur, die dem Leser endlich alles erklären soll, verwirrt noch mehr und zum Schluss bleibt die Frage, hat nun das Böse Einzug gehalten in Lea oder nicht.
Um es mit Goethes Worten zu sagen: Da steh ich nun, ich armer Tor und bin so klug, als wie zuvor."
Das Fazit
Wenn man mit seinen Helden Mitfiebern und Mitleiden möchte, ist man bei diesem Buch schlecht beraten. Von einem Buch abzuraten, ist nicht wirklich die Aufgabe einer Rezension. Jeder Leseeindruck ist immer subjektiv, deshalb sollte man sich stets selbst ein Bild machen, ehe man ein Buch kauft. Darum unbedingt vor dem Kauf das Buch in einer Leseprobe anlesen und dann selbst entscheiden. Denn vorliegende Kritik soll lediglich den Blick des Käufers schärfen und ihn so sensibilisieren für die Dinge, die ihm im Buch begegnen könnten.
Zusammenfassend lässt sich sagen - wer mit Dämonen hantiert, sollte sie auch beherrschen und nicht Schiffbruch erleiden auf dem Meer der Worte. Unerträglich schwülstige, nichtssagende Dialoge und Beschreibungen vereinen sich auf harmonische Weise mit einer erschreckend dünnen und belanglosen Handlung. Daher auch nur ein Stern.