Von Stephen King kannte ich bisher nur wenige Kurzgeschichten, hatte aber schon immer gutes über die Geschichte "Der Nebel" gehört. Diese Geschichte macht den größten Teil der vorliegenden Sammlung aus, und ist auch das absolute Highlight. Nach einem Sturm zieht ein merkwürdiger Nebel durch eine amerikanische Kleinstadt. Einige Bewohner der Ortes finden sich in einem Supermarkt gestrandet wieder, sie sorgen sich um ihre Familien und wagen sich doch nicht hinaus, aus Angst vor dem, was sie vielleicht dort erwartet. Sowohl der eigentliche Horror des Nebels und der ihm inne wohnenden Kreaturen, als auch wie die verschiedenen Supermarktbesucher damit umgehen, wird hier ausgezeichnet behandelt. Man leidet und bangt mit den Charakteren, und weiß doch, dass es für viele von ihnen kein Happy End geben wird. Apropos Ende: Das hat mich hier wirklich beeindruckt, wie schon die gesamte Geschichte zuvor. "Der Nebel" ist wirklich ein Muss für Stephen King Fans.
Die anderen vier Geschichten dieser Sammlung dagegen sind eher Durchschnitt. In "Der Mann, der niemandem die Hand geben wollte", wird von einer Pokerpartie mit ungeahnten Konsequenzen erzählt, in "Achtung - Tiger" lauert ein Ungeheuer auf der Schultoilette, in "Omi" erfährt ein Junge die Wahrheit über seine Großmutter und in "Morgenlieferungen" bringt der Milchmann nicht nur die Milch.
Meine Ausgabe des Buches ist etwa 20 Jahre alt, was mich hoffen lässt, dass es inzwischen eine überarbeitete Auflage gibt. Der Übersetzer meiner Ausgabe hatte sichtlich Schwierigkeiten, amerikanische Längenmaße sinnvoll zu übersetzen, was teilweise beim Lesen etwas ablenkte, den Lesefluss aber nur unerheblich stören konnte.