Sehen Sie sich morgens gerne in den Spiegel und was empfinden Sie dabei, welche Gedanken gehen Ihnen morgens durch den Kopf? Die Herausgeberin Erika Kronabitter hat sich diese Frage gestellt und mit Morgenbetrachtungen eine Reihe von Antworten namhafter österreichischer Lyriker und Schriftsteller sowie fotografische Morgengesichter zusammengefasst. Eine höchst interessante Kombination von Fotokunst und Lyrik, die zwei eigentlich unterschiedliche Medien auf kontextueller Ebene eins werden lässt. Heißt Bilder und Texte sind zwar nicht aufeinander abgestimmt, bezeugen allerdings das selbe Phänomen, den Menschen am Morgen, ungeschminkt, unrasiert, mit Kopfpolster-Frisur.
Frisch aus dem Bett gestiegen oder auch gekrochen ist jeder Mensch nur Mensch, wie Bilder und Texte bezeugen. Erschreckend? Keineswegs, Morgenbetrachtungen, so sehr wir den Blick in den Spiegel auch meiden mögen, zeigen uns wie im vorliegenden Buch die Banalität des Mensch-Seins, ist doch jede Beschönigung aus den Gesichtern gewichen. Es gibt natürlich Unterschiede von Morgenmuffeln und jenen bei denen die Morgenstund wirklich Gold im Mund hat. Auch das ein Thema so mancher Morgenbetrachtungen, stecken dahinter doch unverrückbar zum maßgeblichen Teil die Gene. Das Erwachen selbst wird indessen gerne als Akt der Gewalt beschrieben, der den Schleier der Schlaftrunkenheit zerreisst und uns erbarmungslos ins Licht des Tages, den Zustand der Wachheit zerrt, ja auf niederste Bedürfnisse wie Nahrungsaufnahme oder Körperpflege zurückwirft.
Fotokunst trifft auf Lyrik und was dabei herauskommt ist mehr als beide Teile zusammengenommen, ein sinnbidliches Porträt das zu eigenen Morgenbetrachtungen anzuregen vermag.