Dieses Buch verdient gelesen zu werden, nicht nur, weil es über unseren Zeitgeist im öffentlichen wie privaten Leben an dem des Edgar Wünschel spannend, sehr unterhaltsam, lehrreich und ohne Illusionen erzählt, sondern auch, weil eine Festlegung auf die genaue literarische Form des Buches, mehr Roman, mehr journalistischer Tatsachenbericht oder doch mehr Essay, schwer fällt und damit dem geübten Leser gute Momente beschert, allein weil er nicht weiss, woran er ist.
Beschrieben wird das Leben eines Mannes in den mittleren Jahren zum Zeitpunkt der Bankenkrise 2008, in Leipzig, in dieser Stadt gab es zu dieser Zeit einen riesigen Banken-Flop, der wie die meisten prekären Themen in keiner Presse umfassend analysiert wurde. Es fallen zwar keine Namen, aber um diesen geht es.
Eigentlich ist er ein schlauer Mensch, der Herr Wünschel, zum Beruf des Bankers gekommen wie "die Jungfrau zum Kinde", aber trotzdem agiert er, privat wie beruflich, wie ein typischer Vertreter seiner Generation unserer Zeit, mit dem typischen unverbindlichen Umfeld, mit den typischen Verhaltensweisen der vermeintlich sorglosesten gesellschaftlichen Schicht unseres Landes.
Sein Leben kommt genauso unausweichlich ins Straucheln, wie seine Bank, in der er arbeitet, parallel und zum grossen Teil unabhängig voneinander, am Ende ist nicht "ein Stein auf dem anderen" geblieben.
Er schafft es, zu sich selbst zurück zu finden, traut sich alles hinzuschmeissen, traut sich, die Wahrheit zu sagen. Ihm dabei "zuzuhören", vorallem bei den Dialogen mit seinen Vorgesetzten, den neuen Saubermännern aus dem Westen und den dubiosen Typen mit guten Posten aus dem Osten, macht trotz allem Schlamassel die positive Stimmung dieses Buches aus. Alle Menschen, bis auf einen, verschwinden aus seinem Leben, und das ist gut so, da neben allem Anderen, was verloren geht, will man über das letzte Kapitel hinaus mit keinem der beschriebenen Personen und mit dem, was sie treiben, weiter zu tun haben. Weil heilen lässt sich da nichts !
Es geht weiter, immer, sein Leben und das der Bank. Aber nur bei seinem Leben weiss man nicht wie, das bleibt offen und daher voller Hoffnung.