Nicht der Tod einer Frau in den Armen ihres Geliebten, der seine Anwesenheit bei diesem tragischen Ereignis möglichst geheim halten will, bestimmt den Geschehenablauf dieses Buches, auch wenn dieser als solcher sicherlich schon spannend genug wäre. Was den Leser in den Bann des Romans zieht, ist die Psychoanalyse, die akribisch für jede Situation durchgeführt wird. So wird etwa das Nicht-zu-Bett-gehen-Wollen des kleinen Sohnes der ehebrecherischen Frau als bewußt-unbewußte Übernahme der Stellvertretung des Vaters gedeutet, der nicht zulassen will, daß seine Frau mit dem Geliebten ins Schlafzimmer geht. Trotz dieser doch sehr außergewöhnlichen Situation, die der Autor zum Ausgangspunkt nimmt, erkennt sich der Durchschnittsleser in den Gefühlen und Gedanken des Hauptcharakters wieder. Die bohrende Frage nach dem warum, die nie vollständig zu klären sein wird, ist es, die dem Leser eine große Vertrautheit mit den Problemen der Hauptfigur Victor suggeriert. Leider schleicht sich bei all dieser psychischen Selbst- und Fremdanalyse von Zeit zu Zeit eine gewisse Langatmigkeit ein, so daß der Spannungsbogen nicht immer ganz gehalten wird. Trotzdem ist "Morgen in der Schlacht denk an mich" ein absolut lesenswertes Buch, das sich von vielen anderen geschehensüberladenen Romanen durch die vorwiegende Darstellung von überzeugend dargestellten, teils metaphorischen Innenansichten positiv abhebt.