Dieses Buch handelt vom Krieg, genauer, einem der ersten Guerillakriege, mit denen ein hochgerüstetes europäisches Land konfrontiert war.
Es handelt auch von dem leisen schleichenden Krieg, der zuvor statt gefunden hat: dem Krieg der Missionare, Händler und Landvermesser gegen eine schutzlose Bevölkerung.
Es wird klar, das der zweite, der militärische Krieg nicht notwendig wäre, wenn die Kaufleute und Missionare nicht zuvor im Namen der Zivilisation ihre Profitgier befriedigt hätten.
Uwe Timm schreibt aber vor allem über Menschen und ihr persönliches Scheitern, über Mitläufer und Überzeugungstäter, über Ignoranten und Grausame.
Er schildert den Aufstand der Nama und Herero, die sich vorher gegenseitig bekämpft haben, gegen eine technische und zahlenmäßige deutsche Übermacht. Er zeigt, wie dieser Krieg von beiden Seiten verloren wird. Die afrikanische Titelfigur gegenüber einem deutschen Soldaten: Wir wissen das wir diesen Krieg nicht gewinnen können, aber wir müssen ihn führen, damit wir beide Menschen bleiben können.
Die Absurdität und Grausamkeit dieses Krieges, und sicher jeden Krieges, wird gerade durch die trockene, sachliche Schilderung betont. Wenn etwa historische Dokumente zitiert werden, in denen diskutiert wird, ob die zerfetzte Haut nach einer Auspeitschung mit der Nilpferdpeitsche den inneren Verletzungen nach einer Prügelstrafe mit dem Knüppel vorzuziehen ist.
Begleitet wird ein deutscher Veterinär durch diesen Krieg, ein Mitläufer, der aber gerne ein Rebell wäre und es letzten Endes nie wagt. Wir werden auch mit Missionaren und Händlern bekannt gemacht, die Jahrzehnte vor dem Aufstand der Nama den Boden bereitet haben. Ungewöhnliche Schicksale und Menschen. Gerde diese Einschübe bieten ein wenig Einblick in die afrikanische Seite, die Kriegsschilderungen erfolgen mangels historischer afrikanischer Dokumente (nehme ich an) ausschließlich aus deutscher Sicht. Durch die geschickte Aneinandereihung trockener bürokratischer Dokumente mit Schilderungen der Gefechte tritt die Sinnlosigkeit dieses Krieges besonders hervor.
Das Buch ist sehr gut lesbar, es bleibt lange in Bauch und Kopf und verändert die Sicht auch auf heutige Guerillakriege in "befriedeten" Ländern.
Es ist aber auch ein Abenteuerbuch, denn sicher hatten nicht alle Menschen, die sich in unbekannte Länder gewagt haben und dort auch ihr Leben verloren, im Sinn, die Einwohner dieses Landes zu entmachten. Auch diesen Abenteurern wird ein kleines Denkmal gesetzt, auch wenn sie ein Glied in der Kette der Kolonisation waren.