Birgit - ein Wunderkind, wahres Naturtalent, Hoffnung der Eltern und Lehrer, soll im großen Wettbewerb in Vilnius Mozart zum Besten geben. Doch damit ist nicht jedermann einverstanden, "schließlich wurde die beste Freundin und Tochter von dem Dings ... dem Vorstandsdirektor für Sonderprojekte der ENAG ... von der Partei, der Dings ..., der ... naja der, der so viel verdient und ... sind wir uns ehrlich, so gut ausschaun tut der auch ..." zweite.
In drei Teile seziert O.P. Zier seinen !wahrhaft genialen! Plot rund um die Entführung des jungen Genies Birgit. Zuerst kommt sie noch selbst zu Wort, im zweiten Teil schon nicht mehr. Aber was ist tatsächlich passiert? Nach und nach tauchen in Salzburg einzelne, abgetrennte Finger auf, doch die Polizei - allen voran der überaus sympathische Chefinspektor Dr. Laber - tappt viel zu lange im Dunkeln.
Eine Vielzahl von verschiedenen Personen landet hier völlig unschuldig in der Handlung. Sehr rasch wechseln die mitwirkenden Personen in Ort und Handlung, kommen in einer Vielfalt zu Wort, der diesem Roman ein Rauschen beschert, das der Vorhut eines Sommergewitters gleich kommt. Während sich die Handlung im ersten Teil mit kräftigen Seitenhieben (Richtung jüngster Österreichischer Politik) aufschaukelt, tümpelt sie mit vorgehaltener Hand (aber nicht weniger Spannung) im zweiten Teil dahin, um im dritten mit der absolut unerwarteten Wende, mich Leser meiner Fassung zu berauben.
Der Autor wagt sich hier in eine Gratwanderung aus sarkastischem, humorvollem, gesellschafts- und politkritischem Unterton und beinharter Grausamkeit, welche Gewaltverbrechen ebenso schonungslos und unerwartet an mich Leser bringt, wie das Auftauchen von Leichen(teilen). Und trotzdem gelingt es, die Angehörigen in taktvoller Distanz zu halten.
Dass alle sympathischen Personen ausnahmslos den Sozialdemokraten angehören und alle anderen "Verbrecher, Emporkömmlinge, GewinnLer oder Stritzis" sind, darf zu Gunsten der wirklich außergewöhnlichen Charakterstudie mit Toleranz ignoriert werden.
Wer sich eine Krimi erwartet, wird hier nicht enttäuscht, alle die wesentlich mehr suchen ebenfalls nicht! Ich halte mich hier in meinem Lob nicht zurück und wünsche diesem Roman viele, viele Leser!