Mordsmütter' ist eine kriminell-literarische Leseaufforderung für alle, die in der blitzsauberen Supermuttiwerbung nicht vorkommen - wollen. In dieser Anthologie geht es nicht um Mütter, die sich beim Anblick ihres von Kopf bis Fuß verdreckten Rackers strahlend darüber freuen, das Meister Proper ihr Lebensinhalt geworden ist. Ganz im Gegenteil: Diese Geschichten sind mit böser Feder geschrieben,' von familiärem Nichtsangriffspakt keine Spur. Mit 'Mordsmüttern' ist nicht zu Spaßen und wer eine gute Vorstellungskraft hat, der wird ein ums andere Mal tief ein- oder ausatmen müssen - je nach Stimmungslage oder Nerven.
Die Geschichten erzählen von Müttern, die immer recht haben (kennen wir die nicht alle ...) bis hin zu Müttern, deren kleine Tyrannen in ihren Augen jederzeit als brave Engel gesehen werden, schildern Mütter aber auch aus der Perspektive der kindlichen 'Gegenseite'. Entspannung in der Über-Spannung wird nicht gewehrt - aber da dies ja kein Roman, sondern eine Anthologie ist, kann man sich nach einer besonders bösen Geschichte erst einmal einen beruhigenden Kamillentee brühen und seinen strapazierten Nerven eine Erholungspause gönnen.
Wer die Herausgeberin Regina Schleheck bereits als Autorin kennt, greift nach diesem Buch, weil er oder sie sich ähnlich schonungslose Geschichten erwartet - und kommt voll auf seine Kosten.
Ich hätte mir an manchen Stellen etwas mehr Leichtigkeit oder ein Augenzwinkern gewünscht, eine Mutter (oder Autorin) die über ihr Thema lacht, aber die findet sich leider selten. Sind diese Geschichten so selten, weil Mutter sein nun einmal nicht zum Lachen ist? Oder einfach, weil jede Autorin das Bedürfnis verspürte, einmal beim Tabuthema 'Mütterlichkeit' richtig böse zuzuschlagen. Das ist verständlich, ist aber letztendlich zum einzigen Manko der Anthologie geraten, da sich der Ton der Geschichten dadurch häufig ähnelt und man irgendwann keine echte Überraschung mehr erwartet. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Wichtig bleibt, einmal eine Anthologie zu haben, die den Weichspüler vermissen lässt.