Die Sprache lässt sich mit etwas Phantasie spielend leicht entschlüsseln, Gemütlichkeit und Einfachheit wird geschätzt, man ist sparsam und besonnen - und doch darf man das Naheliegende natürlich niemals aussprechen: ihr Niederländer seid uns Deutschen extrem ähnlich. Es sind die Details die uns unterscheiden und keine wirklich dramatischen, exotischen Unterschiede. Neben dem Buch über Finnland und dem Bitte ein Brit! Buch gefällt mir der Beitrag der Norddeutschen Annette Birschel mit am besten aus dieser Reihe. Die Autorin bemüht sich nicht um schenkelklopfende Witzigkeit, wie etwa der Autor des Mallorca-Buches, sondern gibt sich natürlich und authentisch. Mir hat das sehr gut gefallen!
Natürlich gibt es in diesem Buch kein Holland-Bild, das wirklich jedem gerecht wird. Auch in den Niederlanden wird es Menschen geben, die Fußball schnarchlangweilig finden, aber für ein Werk über das Verhältnis Deutschland-Niederlande bietet sich dieses Thema natürlich an. 1974 war schlimm für die orangen Freunde. Ob es sogar schlimmer war als die deutsche Besatzung ist freilich absurd und es ist kaum denkbar, dass aus dieser Zeit lediglich die Wut über den Diebstahl der Fahrräder hängengeblieben ist. Trotzdem zeichnet Birschel ein ausgesprochen positives, sehr tolerantes und gastfreundliches Bild von unserem Nachbarland. Und ihre Begeisterung für diese sympathische, kleine Land bringt sie auch auf die Frage: warum wirken holländische Männer auf deutsche Frauen so attraktiv. Die Autorin ist vom ihrem Friesen (ja, es gibt Holländer, Friesen und natürlich zusammengefasst die Niederländer, aber im fernen Ausland nennen sie sowieso alle nur Holländer oder schlimmer: Deutsche ;-)) geschieden und wird immer wieder gefragt warum sie denn dann noch in den Niederlanden bleibt. Die Männersuche hält das Buch zusammen. Anders als bei Bitte ein Brit! widmet sich hier nicht jedes Kapitel gezielt einer bestimmten Eigenart der Holländer, sondern fügt sich zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen. Nicht so holprig, sondern sehr leserfreundlich. Wer sich ellenlange Abhandlungen über Amsterdams Schmuddelviertel und den laschen Umgang mit benebelndem Rauchkraut erhofft kommt kaum auf seine Kosten. Genau wie die Ostindien Companie spiegelt es eben den pragmatischen Umgang der Niederländer mit dem Leben. Den einzig gesundheitsbedenklichen Stoffen, denen sich die Autorin in diesem Buch ausführlich widmet sind Bitterballen und Frikandellen.
Käse an diesem Buch ist eigentlich nur der unschöne Titel: Mordsgouda. Warum nicht gleich noch das Holland-Schmäh-Witz-Lied Orange trägt nur die Müllabfuhr als Titel? *kopfschüttel* ;-) Aber generell gilt, um das Verhältnis zwischen Holland und Deutschland angemessen zu beschreiben ein deutsches Wort, das auch Briten und Holländer übernommen haben: Fingerspitzengefühl.
Prima Urlaubslektüre!
248 Seiten, Softcover, Ullstein 2011