Weil man immer wieder etwas von Gewalt und Amokläufen in Schulen hören muss, nicht nur aus den USA, sondern auch in Deutschland, beginnt man zu überlegen, was als Teppich der Verursachung unter solchen Abläufen liegen mag. Ein sublim homosexueller Machtkampf (wer ist Herr, wer ist Sklave) tobt zwischen den beiden Tätern. Schon die Eingangsszene, wo man die beiden, jeder mit einer Pistole an der eigenen Schläfe, voreinander stehen sieht, macht die Angelegenheit überdeutlich. So geht es in dem anschließenden, mit vielen Rückblenden arbeitenden Film nur darum, welcher der beiden Jugendlichen sich am Ende gegen den anderen durchsetzen wird. Äußerst knifflig für die Polizei, sich in ein solch hoch-neurotisches Netzwerk hineinzudenken. Weil die Kommissarin (Sandra Bullock) in ihrer Teenagerzeit aber auf einen ähnlich sadistischen Typen hereinfiel, ist sie besonders bemüht, den Tätern zäh (und verständlich rachsüchtig) ihr Handwerk ein für alle mal zu legen. Natürlich gibt es immer wieder Rückschläge. Der wie üblich oberflächliche Vorgesetzte glaubt den Fall längst gelöst, als das meiste noch bevorsteht. Zwar hat man den Eindruck, Sandra Bullock passt vom Typ her besser in eine Komödie als in einen Psycho-Thriller. Auch ist man von anschauenswerten Locations abgelenkt: Bullock verführt ihren Kollegen in ihrem Wohnboot; der geheime Treffpunkt der Jugendlichen ist eine baufällige Holzvilla auf einem Felsen am Meeresrand. Jedoch: Der Spannungsbogen ist solide genug, um den Betrachter am Thema zu halten - den von Erwachsenen oft gar nicht bemerkten und diskutierten mörderischen Machtkampf zwischen Jugendlichen.