... ist Heinrich Willes Darstellung zu lesen, in der er die von ihm geführten Ermittlungen im Fall des Todes von Uwe Barschel 1987 in Genf beschreibt.
Die damalige Barschel Affäre bewegte die Gemüter, der Tod im Beau Rivage und die Photos des Toten in der Badewanne sind noch gut im Gedächtnis, auch wenn ich damals noch Jugendlicher war. Sehr schnell hatten sich Medien und Politik auf den Selbstmord des gescheiterten Politikers geeinigt, die mit wenig Nachdruck geführten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Genf schienen die These zu bestätigten, doch schon damals wurden Zweifel laut.
Der Sozialdemokrat Wille nahm, nachdem er leitender Oberstaatsanwalt in Lübeck geworden war, Mitte der neunziger Jahre die Ermittlungen im Fall Barschel wieder auf und förderte eine Reihe von Ungereimtheiten zu Tage, die so gar nicht zum angeblichen Selbstmord passen wollten und beschreibt auch, wie sehr ihm von vorgesetzten Dienststellen, Bundesnachrichtendienst und auch der Presse immer wieder Steine in den Weg gelegt wurden. Mit den toxikologischen Gutachten, die einen Selbstmord für unwahrscheinlich erklärten wurde die Selbstmordthese mehr und mehr ausgehöhlt. Barschels vielen merkwürdigen Besuchen in der DDR und Tschechoslowakei, seine angebliche Verstrickung in Waffengeschäfte, Beteiligung von CIA und Stasi, nebulöse Zeugen die teilweise eines unnatürlichen Todes sterben, Wille fördert im Laufe der Zeit eine Reihe von möglichen Motiven für einen gewaltsamen Tod hervor und zeigt auf, wer denn alles Profit aus dem plötzlichen Ableben des ehemaligen Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein zog. Cui bono?" ist immer die erste Frage die sich der Leser bei Skandalen die in der Presse ausgeschlachtet werden stellen sollte und dieselbe Frage ist beim Tod einer Person zu stellen.
Willes gut lesbares, sehr strukturiertes und spannend geschriebenes Buch zeigt zum einen, das die Affäre Barschel wohl noch nicht abgeschlossen ist, zu viel spricht mittlerweile gegen Selbstmord und zum anderen, wie sehr ein Mensch sich mit seiner Aufgabe identifizieren kann und dabei auch bereit ist gegen Wiederstände anzukämpfen. Das Erscheinen dieses Buch es wurde zunächst von der Schleswiger Generalstaatsanwaltschaft verboten, ein weiterer Grund es zu lesen, wenn es offensichtlich ein Interesse bestimmter Kreise gegeben hat, die Öffentlichkeit weiter im Unklaren über den Tod von Uwe Barschel zu lassen. Leider wird vermutlich niemals mehr geklärt werden können, was denn wirklich im Zimmer 317 in der Nacht vom 10. Oktober 1987 geschah.
Dieses Buch ist mehr als nur zu empfehlen.