Bei 'Mord hat keine Tränen' handelt es sich um einen klassischen Krimi wie er im Buche steht und wie ihn mein Gastkommentator, der anerkannte Literaturexperte Marek Arm-Anwitzky in meiner Literatursendung vom 7. Mai 2011 - nachzuhören im Sendungsarchiv von Orange 94.0 - beschrieben hat:
Ein rätselhafter Mordfall, eine Reihe zwielichtiger Verdächtiger, eine taffe Ermittlerin, dunkle Geheimnisse, eine Mauer des Schweigens und ein Schluss, der einem Paukenschlag gleich kommt.
Ausgangspunkt des 398 Seiten starken Krimis ist ein Anwesen namens Balaclava, das bei Gott schon bessere Zeiten erlebt hat. Ebenso wie dessen Besitzer Monty Bickerstaffe. Jener verschrobene Einzelgänger, der einer Familie einstmals erfolgreicher Geschäftsleute entstammt, findet in seinem heruntergekommenen Landhaus eine männliche Leiche und - unmittelbar darauf - sich selbst mit unliebsamen, weiblichen Verwandten sowie Inspector Jessica Campbell, einer unerschrockenen Ermittlern, konfrontiert. Wenn man bedenkt, was der alte Mann schon alles mitgemacht hat, grenzt es an ein Wunder, dass er diesen Angriff geballter Weiblichkeit auf seinen Alltag nahezu schadlos übersteht.
Nach und nach erfährt man als Leserin / als Leser Näheres über das Leben des Monty Bickerstaffe sowie die restliche Bevölkerung des an und für sich so idyllischen Cotswolds. Fast jeder Nachbar von Balaclava scheint mindestens ein dunkles Geheimnis zu hüten, versteckt sich hinter einer Fassade kühler Distanz oder scheinbarer Freundlichkeit. Inwiefern Vergangenheit und Gegenwart miteinander verstrickt sind und wie sehr das Schweigen vergangener Generationen für den Mordfall verantwortlich ist, wird erst auf den letzten Seiten des Romans geklärt. Geübte Krimileser wissen wahrscheinlich trotzdem schon nach 2/3 des Buches, wie die Lösung des Falles lauten wird. Auch für mich waren manche Ermittlungsergebnisse absolut vorhersehbar.
Demnach hat man bei der Lektüre von 'Mord hat keine Tränen' die Möglichkeit, seine Fähigkeiten als Hobbydetektiv unter Beweis zu stellen und einen Täter noch vor der polizeilichen Ermittlerin zu entlarven.
Gesamt gesehen liest sich das Buch fast wie von selbst. Die handelnden Personen sind durchwegs glaubhaft gezeichnet, wobei allerdings der griesgrämige Monty Bickerstaffe die interessanteste Figur der Geschichte darstellt. Auch wenn die anderen offensichtlich mehr zu verbergen haben und sich viel augenscheinlicher dem beliebten Spiel 'Tarnen und Täuschen' hingeben: Wirklich authentisch, geheimnisvoll und tiefgründig ist meines Erachtens nur der alte Monty. Wäre ich Autorin Ann Granger ich würde meinen nächsten Kriminalroman auf seiner Person aufbauen und ihn selbst in einem Mordfall ermitteln lassen.
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