Andrew Wyke ist ein erfolgreicher Krimi-Autor. Er lebt in Luxus kann seiner Frau finanziell alles bieten, was diese sich wünscht. Trotzdem hat sie sich den Schauspieler Milo Tindle als Liebhaber ausgesucht und will sich von ihrem Mann trennen. Genau deswegen ist der junge Mann nun im Haus des Autors und versucht diesen zu überreden, sich scheiden zu lassen.
Ein gewagtes Unterfangen, wie sehr schnell klar wird, denn die Situation gerät mehr und mehr außer Kontrolle. Der wesentlich ältere Wyke schlägt Tindle vor, er könne seine Frau haben, dafür soll er ihn aber einiger wertvoller Juwelen berauben. So könnte der Schauspieler seiner Geliebten den Luxus beschaffen, den sie braucht und der Autor könne die Versicherungssumme kassieren. Abgemacht.
Nur steckt hinter allem ein noch viel ausgeklügelter Plan. Wer hat wen am Haken? Geht es wirklich um Geld? Um die Liebe? Oder um etwas ganz anderes?
Die Story um "1 Mord für 2" ist schnell erzählt, die Handlung in sich jedoch recht komplex. Es gibt nur zwei Männer in einem Haus und trotzdem entsteht von der ersten Sekunde an eine Spannung, die den Zuschauer nicht mehr los lässt. Alles wirkt kühl. Das Anwesen Wykes ist in modernem und minimalistischen Stil gehalten, der aber immer wieder durch Farbspiele und technische, kleine Wunderwerke zu überraschen weiß. Die Darsteller finden hierin ihre Entsprechung. Sie gehen distanziert miteinander um und umgarnen sich gegenseitig mit allem, was sie zu bieten haben.
Milo Tindle wird von Jude Law dargestellt, der bekannt ist für die außergewöhnlichen Rollen, die er spielt. Auch hier stellt er sich einer Herausforderung, denn ein Film ist sicherlich weder gewöhnlich, noch besonders einfach umzusetzen, da er lediglich mit zwei Schauspielern auskommen muss. Ihm gegenüber steht Michael Caine. Intensive Emotionen und ein großes Talent von beiden machen diesen Film zu einem Genuss.
Interessant ist, dass "1 Mord für 2" auf einem Theaterstück aus dem Jahr 1971 beruht, das von Anthony Shaffer geschrieben wurde und bereits 1972 filmisch umgesetzt wurde. Auch damals spielte Michael Caine eine der Hauptrollen, doch damals war es die von Milo Tindle. Für Filmfreunde dürfte also ein Vergleich interessant sein, den diese Kombination ist doch sehr speziell.
"1 Mord für 2" ist leider ein etwas unglücklich gewählter Titel für einen solch künstlerischen Film, das erinnert eher an das Abendprogramm eines lokalen Fernsehsenders. Im Original heißt er "Sleuth", in der ersten Verfilmung "Mord mit kleinen Fehlern". Für den deutschen Markt scheint es scheinbar schwierig einen adäquaten Namen zu finden.
Wer sich davon nicht abschrecken lässt, wird jedoch mit einem Kleinod an schauspielerischer und filmischer Kunst belohnt. Michael Caine und Jude Law spielen ihren Rollen mit einer Intensität, wie man sie sonst nur an Theaterbühnen findet. Es sind feine Nuancen in ihrem Spiel, die für ihr Gegenüber im Film ebenso schwer zu durchschauen sind wie für den Zuschauer. Ein freundliches Lächeln kann schnell zu einem brutalen Schlag in Richtung des Gegners werden, der durchaus auch verbal geführt werden kann. Viele Feinheiten und Spitzen nimmt man beim ersten Sehen gar nicht war.
Zu Anfang meint man noch, man würde ungefähr durchschauen, wohin einen die Handlung führt, doch spätestens in letzten Drittel (was natürlich dem letzten Akt des Theaterstückes entspricht) wird man von den Entwicklungen und Wendungen völlig überrascht.
Allen Krimi-Fans, die das künstlerische hinter einem Film zu würdigen wissen, sei dieser Film wärmstes ans Herz gelegt. Aus "8 Frauen" werden "2 Männer".
Hinweis: Da die Presse-DVD rezensiert wurde können weder die Extras, noch die Bild- oder Tonqualität bewertet werden.