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In seinem letzten Abenteuer („Türkisches Gambit") hatte Fandorin angekündigt, von Konstantinopel nach Port Said fahren zu wollen und von da aus weiter mit dem Schiff nach Japan. Die Versetzung dorthin an die Botschaft in Tokio war Fandorins Wunsch: „Daß man mich zum Dienst ans E-ende [Fandorin stottert!] der Welt schickt...".
Fandorin besteigt also in Port Said den Luxusliner „Leviathan", der ihn über Aden und Bombay seinem Ziel näher bringen soll. Sie ahnen schon, dass auf dieser Reise etwas passieren muss, a la „Tod auf dem Nil" etc., und genauso ist es: Fandorin schaltet sich in die Ermittlungen des französischen Kommissars Gustave Coche ein. Dieser hat ein überaus brutales Verbrechen aufzuklären („Zehn Leben für eine goldene Gottesfigur!"), und aus Gründen, die hier natürlich nicht verraten werden dürfen, kann er sicher sein, den (oder die) Täter auf der „Leviathan" zu finden.
Fandorin bleibt dabei eher im Hintergrund - warum, dürfte den Lesern der ersten beiden Bände klar sein: zu tief hat ihn der Verlust seiner frisch angetrauten Ehefrau getroffen, als dass er als munterer Salonlöwe auftreten könnte; das würde zu seinem Naturell auch gar nicht passen. Die Passivität, die abwartende Haltung Fandorins tut aber der Spannung keinen Abbruch; im Gegenteil ist der von Akunin gewählte Weg, den gesamten Verlauf der Geschichte immer abwechselnd aus Sicht der anderen Hauptakteure zu erzählen (z. T. in Form von Briefen und Tagebucheintragungen), abwechslungsreich und durchaus geeignet, die Lösung lange im Dunklen zu halten.
Am Ende wird der Fall selbstverständlich doch von Fandorin und wie immer glänzend gelöst - voilà, ein Intermezzo eben, das völlig ohne Einfluss auf die weitere Entwicklung unseres Titelhelden ist. Das ist auch nicht weiter schlimm, die Geschichte ist durchaus abwechslungsreich und nimmt zahlreiche wenn nicht überraschende, so doch unerwartete Wendungen. Dass sie von Akunin wie immer meisterlich und mit liebevollen Details aus der Frühzeit der Kriminalistik (hätten Sie etwa gewusst, was eine „Bertillonage" ist?) erzählt wird, versteht sich von selbst; auch in diesem Buch trifft er genau den Ton, wie er unter gebildeten Mitteleuropäern am Ende des neunzehnten Jahrhunderts geherrscht haben mag.
Fazit: Das alles ist gehobene Unterhaltung. Fandorin-Fans werden das Buch ohnehin verschlingen; Neueinsteigern sei die Lektüre in chronologischer Folge empfohlen.