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5.0 von 5 Sternen
Grandioser Auftakt der Krimiserie um Louise Boni, 27. September 2010
"Ich bin Kriminalhauptkommissarin, Dezernat Kapitalverbrechen, seit zwanzig Jahren Polizistin. Ich lese am liebsten Clavell, Mankell und Pilcher, mag Beethoven, Pink Floyd und Wham, und ich komme nicht von Barclay James Harvest los, auch wenn ich mich dafür schäme. Ich bin geschieden, zweiundvierzig und habe zum Glück leider keine Kinder ... Und ich bin dick geworden." So beschreibt sich Louise Boni, von ihren Kollegen spöttisch Luis genannt nach dem bissigen Dobermann vom Chef, mit eigenen Worten. Zusätzlich zu erwähnen ist da noch ihre zunehmende Alkoholsucht, die nicht nur ihr Berufsleben langsam unübersichtlich und gefährlich macht. Es ist absolut grandios, wie Oliver Bottini seine Figuren, allen voran Louise Boni, derart berührend und präzise beschreiben kann. Selten ist mir eine Figur mehr ans Herz gewachsen, hat mich mehr berührt. Die Beschreibung der zunehmenden Symptome ihrer Alkoholkrankheit ist dem Autor, soweit ich das beurteilen kann, eindrucksvoll gelungen. Dabei stellt er seine Heldin niemals bloß. Er läßt ihr unter allen Umständen ihre menschliche Würde. Und das ist sehr, sehr besonders. Kurz zum Inhalt dieses preisgekrönten (Deutscher Krimi Preis 2005, KrimiWelt-Bestenliste 2005) Krimidebuts aus dem Jahre 2004: Ein offensichtlich schwer verletzter buddhistischer Mönch stapft in Sandalen durch das tief verschneite Freiburg im Schwarzwald. Bei seiner Verfolgung wird ein Polizist getötet und ein weiterer schwer verletzt. Von dem Mönch fehlt jedoch jede Spur. Jetzt ist die Freiburger Kripo in höchster Alarmbereitschaft. Ihre mit "Jägermeistergedanken" auffällig gewordene alkoholkranke Hauptkommissarin wird jedoch vom Dienst suspendiert. Von der Ermittlung ausgeschlossen, ermittelt Louise Boni in wechselnden Bewußtseinszuständen und vom Alkohol umnebelt heimlich unbeirrt weiter. Die Ermittlungsmethoden von Oliver Bottini`s Ausnahmekommissarin sind ebenso unkonventionell wie die neue Lichtgestalt der anspruchsvollen Kriminalliteratur selbst. Die Handlung entwickelt sich zunächst bedächtig, trotzdem möchte man dran bleiben an diesem ungewöhnlichen, politisch brisanten und durchgehend spannenden Plot in völlig unverbrauchter poetischer Sprache. Bottini schreibt eindringlich, klar und präzise. Dabei erschlägt er den Leser keineswegs mit unerheblichen Details. Vieles wird lediglich angedeutet oder schimmert zwischen den Zeilen hervor. Grandios! Lange hat mich kein Kriminalroman mehr derartig fasziniert und begeistert. Besonders angenehm ist, daß dieser Krimi keinerlei reißerische Effekte und Blutgemetzel braucht, um fesselnd zu sein. Einmal angefangen, kann man diesen bildgewaltigen Ausnahmekrimi mit Sogwirkung und einer außergewöhnlichen Heldin unmöglich aus der Hand legen. Nach Beenden des Romans habe ich unmittelbar mit Im Sommer der Mörder angefangen ...
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14 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
gelunges Krimidebüt, 8. Oktober 2004
Rezension bezieht sich auf: Mord im Zeichen des Zen (Gebundene Ausgabe)
„Als Johann Georg Hollerer am Samstagmorgen einen ersten Blick aus dem Küchenfenster auf die verschneite Hauptstraße von Liebau warf, hatte er eine Vision. Aus dem dichten Schneetreiben manifestierte sich ein asiatischer Mönch, der nur mit einer dunklen Kutte und Sandalen bekleidet war. Sein fast kahler, feuchter Schädel glänzte im trüben Morgenlicht. Langsam schritt er an Hollerers Küchenfenster vorbei Richtung Kirchplatz." Ein Zenmönch am Sonntag vormittag in dem kleinen badischen Dorf Liebau. Das hat es noch nicht gegeben, das erregt Aufsehen und ruft den Dorfpolizisten auf den Plan. Der bemerkt, dass der Mönch verletzt ist, aber der Mönch beantwortet die Fragen des Polizisten nicht. Als er einfach weiter hinein in den verschneiten Schwarzwald läuft, nur mit Sandalen und einer dünnen Kutte bekleidet, wird die Kripo in Freiburg alarmiert. Das versaut der Kommissarin Louise Boni den freien Sonntag, denn ihr Chef, dem sie sowieso ein Dorn im Auge ist, beauftragt sie, der Sache nachzugehen. Eigentlich reine Routine, denken alle. Bis zwei Polizisten erschossen werden. Und damit gerät ein Fall ins Rollen, der nicht nur die Freiburger Kripo, sondern auch ihre Kollegen jenseits der Grenze in Moulhouse beschäftigt. Bottinis erster Roman beginnt ruhig, wie eine Meditation. Er ist alles andere als ein Action-Thriller, aber spannend bis zur letzten Seite. Die Kommissarin Boni hat nicht nur einen komplizierten Fall am Hals, sie hat außerdem ein Alkoholproblem. Und deshalb wird sie bald von der SoKo, die die Morde aufklären soll, ausgeschlossen. Doch so leicht gibt sie nicht auf ... Kommissare haben immer persönliche Probleme in neueren Krimis, das scheint eine Anforderung des Genres zu sein. Selbst in der heftigsten Schießerei pflegen sie ihre eingebildeten oder echten Wehwehchen, so dass ich mir manchmal die hardboiled Machos von früher zurückwünsche. Doch obwohl Bottini dieser Genreanforderung folgt und auch in seinem Schluss eher „modischen" Trends folgt, gelingt es ihm doch, den gängigen Klischees zu entkommen. Sein Roman ist auch ein Entwicklungsroman und die Person der Kommissarin ist fast spannender als der ganze Mordfall. Dazu kommt eine gekonnte Sprache, leicht hingeworfene, aber nie triviale Beschreibungen. Wenn der Roman ein Manko hat, dann höchstens, dass es auf den ersten Seiten manchmal etwas unglaubwürdig ist. Dass ein Bürgermeister eines verschlafenen Dorfes wegen einem Mönch gleich die Polizei holt, das eine Kommissarin unentwegt an einen Kinderschänder denkt, den sie erschießen musste, das erschien mir beim Lesen doch etwas weit hergeholt. Aber das sind nur die ersten Seiten und an dem Rest der Geschichte finde ich wirklich nichts auszusetzen, ganz im Gegenteil. Ein rundum gelungenes Debüt, Daumen hoch.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Eigenwillig und sehr düster!, 11. März 2009
Südbaden im tiefsten Januarschnee, eine Kommissarin am Abgrund, ein Zen-Mönch der schwer verletzt unverhofft auf dem Marktplatz eines kleinen Dorfes auftaucht und ebenso plötzlich verschwindet, ein Polizistenmord und viele ungeklärte Rätsel -- das ist die spannende Mischung, aus der Oliver Bottini einen lesenswerten und überdurchschnittlich gut geschriebenen Kriminalroman gemacht hat. Louise Boni, zweiundvierzig Jahre alt, hasst Schnee. Denn im Schnee kam ihr Bruder ums Leben, ihr Mann verließ sie und während eines Einsatzes im Schnee hat sie einen Pädophilen erschossen. Ihren Kummer ertränkt sie immer häufiger im Alkohol und das lässt sich immer weniger geheimhalten, so dass ihr die Suspendierung droht. Mitten in dieses Chaos bricht nun ein weiterer "Schneemann" ein, eben dieser Zen-Mönch, dessen Herkunft und Verbleib Louise und ihre Kollegen Rätsel aufgeben. Immer häufiger spielt ihr lückenhaftes Gedächtnis Louise böse Streiche und doch sorgt sie mit Intuition schließlich im Alleingang dafür, dass ein Fall gelöst wird, dessen Tragweite erst im Lauf der Handlung allen Beteiligten klar wird... Oliver Bottinis Debütroman ist der Auftakt einer Reihe um die Freiburger Kriminalkommissarin Louise Boni, die sich wirklich zu entdecken lohnt. Diese Protagonistin brennt sich ein, wird im Laufe dieses ungewöhnlichen Krimis immer plastischer. Tiefe Einsamkeit, die Suche nach Orientierung, Grenzerfahrungen ganz im Wortsinne wie symbolisch und zugleich ein Verbrechen ungeahnten Ausmaßes schildert Oliver Bottini glaubwürdig und zugleich spannend. Ein eigenwilliger und lesenswerter deutscher Kriminalroman!
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