"Murder by Decree" (so der Originaltitel) ist intelligent geschrieben, spannend und atmosphärisch dicht inszeniert, bis in die Nebenrollen glänzend besetzt und mit viel Liebe zum Detail ausgestattet. Was kann man mehr von einem Film erwarten? Unverständlich, dass dieses Juwel erst im Kielwasser des höchst erfolgreichen Thrillers "From Hell" auf DVD erschienen ist, denn abgesehen von den Schauplätzen, einigen Namen und dem Grundmotiv der Handlung gleichen sich die beiden Filme weniger, als es zunächst den Anschein hat. Während in "From Hell" Johnny Depp als drogenkonsumierender und halluzinierender Inspektor Fred Abberline den unheimlichen Dirnenkiller "Jack The Ripper" jagt, sind es in "Mord an der Themse" Meisterdetektiv Sherlock Holmes und sein Partner Dr. Watson, welche die schockierenden Verbindungen zwischen der grausigen Mordserie im Hurenviertel Whitechapel und dem britischen Königshaus aufklären (eine Theorie, die bis heute als die wahrscheinlichste Erklärung für die tatsächlichen Ereignisse des Jahres 1888 gilt). Christopher Plummer schlüpft in die Gestalt der stets etwas arrogant wirkenden pfeiferauchenden Spürnase, als habe er nie etwas anders gespielt, und verleiht ihr eine bemerkenswerte Tiefe. Holmes' anfängliche Beherrschtheit weicht mit zunehmender Erkenntnis der wahren Begebenheiten einer Betroffenheit, wie man sie ihm kaum zugetraut hätte - selten sah man ihn emotionsgeladener und zugleich menschlicher als in diesem Film. Dass ihm James Mason in der Rolle des Dr. Watson ein ebenbürtiger Partner ist, versteht sich von selbst. Hier sind zwei Meister ihres Fachs am Werk, die ihre Rollen mit sichtlichem Genuß ausfüllen und die latent homoerotische Komponente ihrer Beziehung mit sehr viel Fingerspitzengefühl darstellen. Tadellose schauspielerische Leistungen liefern auch die weiteren Darsteller, darunter so berühmte Namen wie Genevieve Bujold, Sir John Gielgud, Donald Sutherland und David Hemmings. Besonders positiv ist zu vermerken, dass die DVD erstmals die 2-stündige ungekürzte Fassung des Films präsentiert. Da die entfallenen und jetzt wieder eingefügten Szenen nicht nachträglich synchronisiert werden konnten, sind sie in der englischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln zu sehen. Man gewöhnt sich jedoch rasch an diese Wechsel, zumal es überaus interessant ist zu erkennen, welche Szenen seinerzeit der deutschen Schere zum Opfer fielen. Auch wenn die Zusatzausstattung der DVD eher mager ausgefallen ist, tut dies dem Genuß keinen Abbruch. Fazit: Ein ganz hervorragender Mystery-Thriller, der in allen Bereichen zu überzeugen weiß. Nie waren Londons Gassen nebliger!