Reinhard Bottländer ist selbst ein ehemaliger Kriminalkommissar. Genau genommen hat es in letzter Zeit schon andere ehemalige Polizisten dazu getrieben, die aus ihrem Metier heraus angetreten sind, Krimis zu schreiben. Was aber gegenüber vielen anderen Krimis diesen hier qualitativ auszeichnet, ist die genaue Schilderung, wie Polizeipräsidien, Mordkommissionen und der einzelne im Team bei der Aufklärung einer Mordtat vorgeht. Und Bottländer gibt auch entsprechende Erläuterungen, die so in den Text eingestreut sind, dass man alles versteht, was vorgeht; und erreicht es dabei auch, dass sein fesselnder, spannender Erzählstrom nicht abreißt oder durch dazwischen gestreutes Faktenwissen auseinanderbricht.
Vielleicht liegt die hohe Qualität dieses Krimis einfach darin, dass Bottländer als bereits erfahrener Krimiautor zu erzählen weiß, die Klaviatur des Schriftstellers versteht; und dass seine Geschichte selber einfach packend ist: Es ist der kaltblütige Mord an einem jungen Paar, das die eigenen Partner gerade hinterging, dazu eine perfide Tierquälerei an Pferden, von der keiner weiß, warum das geschehen musste.
Bottländers Buch gehört zu jenen, der alle Ebenen und Ausdrucksformen gekonnt miteinander verbindet und der dabei einen umfassenden Einblick in die kriminalistische Arbeit der Polizei gibt; der dies alles mit einer spannenden Geschichte verbindet, ohne den Leser mit den harten, unauflösbaren Nüssen fremder kriminalistischer Begrifflichkeiten und Ausdrücke alleine zu lassen. Ich habe diesen Krimi daher rundum genossen - und viel gelernt über die polizeiliche Arbeit.
Meine Bewertung generell lautet: 5 Sterne = absolut herausragend (Weltliteratur oder Tendenz zu Weltliteratur); 4 Sterne = sehr gut, sehr zu empfehlen; 3 Sterne = wirklich gut, zu empfehlen; 2 Sterne = lesenswert, aber nicht ganz überzeugend; 1 Stern = abzuraten.