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Mord in der Oper - Bellinis letzter Vorhang. Ein historischer Kriminalroman über die Zeit des Belcanto und Vincenzo Bellinis Oper ,Norma'
 
 
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Mord in der Oper - Bellinis letzter Vorhang. Ein historischer Kriminalroman über die Zeit des Belcanto und Vincenzo Bellinis Oper ,Norma' [Broschiert]

Caroline Oblasser
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Operngeschichte mal anders - humorvoll und blutrünstig zugleich... Wer sagt, dass Operngeschichte langweilig sein muss? Mit ihrem spitzfindig humorvollen Belcanto-Roman "Mord in der Oper - Bellinis letzter Vorhang" lädt die Mozarteum-Absolventin Caroline Oblasser auch all jene in die Opernlogen ein, die dort in Wirklichkeit vielleicht noch nie Platz genommen haben. Das ausgehende 19. Jahrhundert ist voller Intrigen, das Streben nach Anerkennung groß, und gierige Kontrahenten bestimmen ebenso die Musikszene wie liebeshungrige "Groupies". Im Zentrum der mordsmäßigen Handlung stehen die junge Salzburgerin Lilly Moser und der heutzutage weltberühmte, damals noch nach Anerkennung strebende Opernkomponist Vincenzo Bellini. In kurzweiliger Manier erfährt man interessante Details über das damalige Leben, Komponieren und Imponieren - und als wäre das nicht genug, gibt's jede Menge Herz-Schmerz von Dur bis Moll noch mit dazu. Ob Bellini letztlich am "letzten Vorhang" aufgeknüpft wird oder, gejagt von einer der zahlreichen eifersüchtigen Liebschaften, in seiner eigenen Oper 'Norma' das Zeitliche segnen muss, sei an dieser Stelle nicht verraten. *** Klappentext: Die junge Lilly Moser trifft im österreichischen Salzburg auf Matthew, einen US-amerikanischen Freund ihrer Eltern. Doch aus dem abendlichen Genuss der aktuellen „Norma“-Produktion des Salzburger Opernhauses wird nichts, denn mit einem Mal entspinnt sich ausgerechnet an der Mailänder Scala eine mysteriöse Geschichte rund um Vincenzo Bellinis Meisterwerk: Der ewig neidische Konkurrent Gaetano Donizetti, der faule Impresario Domenico Barbaja und Bellinis Ab-und-zu-Geliebte Giuditta Turina sind Teil eines großen Komplotts, dessen Ziel es ist, den unangenehm stark talentierten Vincenzo Bellini prestissimo zu beseitigen. Kann Lilly gemeinsam mit Bellinis bestem Freund Francesco Florimo und dem jungen Giuseppe Verdi das intrigante Schauspiel noch vor der Casta Diva-Arie unblutig beenden – oder wird der eiserne Sichelmond auf Bellini niederfahren? Ein scharfer Opernkrimi, der auch musikalischen Laien die Zeit des Belcanto schmackhaft macht. Mit einem stichhaltigen Personen-Register und begleitenden Anmerkungen. Kommentierte Personen der Romanhandlung (alphabetisch) Domenico Barbaja Vincenzo Salvatore Carmelo Francesco Bellini Domenico Donzelli Domenico Gaetano Maria Donizetti Francesco Florimo Giulia Grisi Giovanni Pacini Giuditta Pasta Antonio Piazza Giuseppe Piermarini Felice Romani Gioachino Antonio Rossini Temistocle Solera Giuditta Turina, née Cantù Giuseppe Fortunino Francesco Verdi Niccolò Antonio Zingarelli

Über den Autor

Caroline Oblasser, geboren 1977 in Nürnberg, ist promovierte Sprachwissenschaftlerin. Bereits neben der Schule studierte sie am Salzburger Mozarteum Violoncello und Kammermusik und ist seit vielen Jahren als „Insider“ in der Musikszene unterwegs. Mit ihrem mörderischen Opern-Debüt lehrt sie traditionelle Musikwissenschaftler das Fürchten. Das blutige Genre liegt der Autorin am Herzen, wie sie auch in ihrem kritischen Entbindungsbuch „Der Kaiserschnitt hat kein Gesicht“ (edition riedenburg) unter Beweis gestellt hat.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Der Schandfleck ... Ohne auf die im Raum anwesenden Personen Rücksicht zu nehmen, zückte Signore Niccolò das Monokel, welches er zur Sicherheit und für Situationen wie die jetzige immer bei sich trug. Professoral begann er, auf verächtliche Art und Weise im Exposé der ‚Norma’ zu blättern, das ihm Bellini vor Kurzem zugeschickt hatte, um wie gewohnt die Meinung seines geschätzten Lehrers einzuholen. Es kümmerte Zingarelli freilich wenig, dass einzelne Skizzenblätter aus dem Stapel herausgerissen wurden und auf den Boden segelten, denn ein abermaliges Räuspern, das diesmal so gewaltig war, dass man es bestimmt bis weit in den Orchestergraben hin vernehmen konnte, ließ erkennen, dass es nun ans Eingemachte ging. „Nun gut ...“, sagte er quasi als Begrüßung, da er es bis dato ja offensichtlich zu vermeiden gewusst hatte, irgendein freundliches oder aufmunterndes Wort über die Lippen zu bringen, „... hier haben wir also die ‚Norma’.“ Und dabei sprach er ‚Norma’ so aus, als würde es sich um eine Krankheit handeln. „Signore, Maestro – – Maestro Zingarelli, Signore ...“, versuchte Francesco, der die Stimmung des ehemaligen Lehrers wohl zu deuten wusste, mit einem Glas Rotwein mildernde Umstände zu erwirken. „Ruhe jetzt! Setzt Euch, und zwar beide!“, erteilte dieser Francesco eine herbe Abfuhr. Zingarelli ließ sich von der Tatsache, dass sein Ex-Zögling Vincenzo Bellini inzwischen ein gefeierter Opern­star war, dem zumindest der weibliche Teil Italiens gänzlich zu Füßen lag, alles andere als beeindrucken. Vielmehr dachte er an das, was ihm die beiden Freunde vor einigen Jahren noch angetan hatten, als sie wieder und wieder seinen Unterricht am Conservatorio durch aufmüpfige Kommentare zu stören wussten. „Bei der ‚Norma’“, fuhr er fort, „handelt es sich augenscheinlich um eine Oper.“ Als hätte er dies gerade erst herausgefunden, hielt er inne, um nach kurzem Kopfschütteln seinen Gedanken wieder aufzunehmen. „Eine Oper von Vincenzo Bellini, eine Oper von meinem Schüler!“ Zingarelli sprach in einem Tonfall, der allen Beteiligten verriet, dass er mit seiner letzten Bemerkung keine Frohbotschaft verkündete. Während sich die angespannte Lage nach und nach zuspitzte, fand der Maestro, wonach er suchte. Er musste bis zum dritten Akt der Oper vorblättern, um nun endlich gefestigt und mit nach wie vor starrem Blick seine Anklageschrift zu verlesen.22 „Kämpfe! Kämpfe! Die gallischen Eichen sind nicht stärker als Galliens Mann, wie das hungernde Raubtier die Herden, fällt er die römischen Phalanxe an ...“ Forsch ging er rezitierend auf und ab. „... Schlachtgemetzel! Vertilgung und Rache! Falle Wucht und der Sturmbock erkrache. Wie die Distel der Sichel erlieget, sei der Römer durch Schwerter besieget ...“ Sein Schritt wurde schwerer. „... Stürzt die Adler, beschneidet die Schwingen, tötet alles, was Waffen noch trägt. Vincenzo, ich möcht’ Dir sagen, tötet alles, was ‚Norma’ noch spielt. Denn wie Du den Kriegerchor vertont hast, è una vergogna per tutta l’Italia!23“ Zingarelli griff nun doch nach einem Glas Wein und nahm einen kräftigen Schluck daraus. Ohne abzusetzen kippte er den Roten hinunter und leerte den Becher in einem Zug. „Ich kann mich leider nur wiederholen, Gott sei mein Zeuge, dass ich dies hier und jetzt tue: Der Kriegerchor bringt Schande über unser Vaterland, und noch in ein paar Monaten werden sich die Giornali darüber lustig machen, dass Notationsfehler und Ungereimtheiten in der Musik Vincenzo Bellinis das Publikum aus dem Teatro treiben. Und dass sein ehemaliger Lehrer, der Direktor des Conservatorio zu Neapel, dass Niccolò Zingarelli – dass ICH ...“ Durch die Nase schnaubte er ein und aus und fügte nach einer unerträglich langen Pause hinzu, „... dass gerade ICH diesem Mann das Komponieren beigebracht habe. Eine Schande nicht nur für Italia, una vergogna anche per me!24“ Hochrot riss er sich das Monokel von der Nase und warf es vor sich auf den Tisch. Er hatte gesagt, was gesagt werden musste und fühlte sich nun besser. Die Botschaft, wegen der er den langen und beschwerlichen Weg von Neapel nach Mailand gekommen war, hatte ihr Ziel erreicht und mit dieser Gewissheit konnte er getrost wieder nach Hause fahren – womöglich, ohne der abendlichen Premiere beigewohnt zu haben. Einzig und allein das zunehmend schlechter werdende Wetter mochte ihn davon abhalten, postwendend eine neue Kutsche zu bestellen, die ihn schnurstracks nach Napoli hätte bringen sollen. So stand er nun wie ein Lehrmeister im Raum und wartete auf die Verteidigungsrede seines Schülers. Doch es war Francesco, der das Wort ergriff und versuchte, die ‚Norma’ und seinen Freund Bellini in Schutz zu nehmen. „Maestro Zingarelli“, begann Florimo untertänig, „der Charakter der ‚Norma’ bringt es automatisch mit sich, dass im Kriegerchor ...“ Weiter kam er nicht, denn Zingarelli unterbrach ihn schroff. „Der Charakter der ‚Norma’?! Nun, Francesco, so sage mir doch, was den Charakter der ‚Norma’ ausmacht – ich konnte bislang keinen entdecken!“ Resigniert senkte Francesco den Kopf. Und wäre man über die näheren Umstände nicht informiert, man hätte den Anschein gewinnen können, Zingarellis Auftreten sei von der Gegenseite initiiert worden, um pünktlich am Tage der Uraufführung Unruhe zu stiften. Dass dem offensichtlich nicht so war, wurde alsbald deutlich, denn der Maestro lenkte ein, dass er den Rest der Oper ganz ‚nett’ fände. Auch wenn er seinen Schülern ein solches Werk ohne vorherige Verbesserung etlicher Passagen nicht durchgehen ließe, besitze die ‚Norma’ durchaus dankbare Melodien, und bei der Arie der ‚Casta Diva’ könne er sich sogar vorstellen, dass diese dem Publikum gefiele. Er zog nun eine lange, ungarische Zigarre aus der Innentasche seines Jacketts und paffte solange daran, bis sie in dampfender Regelmäßigkeit beißenden Gestank von sich gab. Bellini musste husten und ging plötzlich ans Fenster, um es weit zu öffnen. Im erregten Disput konnte er nicht bemerkt haben, dass darunter eine dunkle Gestalt stand, die dem regen Treiben aufmerksam lauschte ... Sie trug Hut und Maske. Ihr Mantel war an den Ärmeln zerschlissen, etwas Kantiges musste sich in den Stoff gebohrt und ihn bis aufs Hemd aufgerissen haben. Notenblätter schimmerten durch den löchrigen Stoff – jene, die bei dem Einbruch in das Zimmer Bellinis entwendet worden waren. Notenblätter, mit denen etwas ganz Bestimmtes bezweckt werden sollte ... *** Kommentar 22 Zingarelli zitiert in der Folge den Kriegerchor aus dem zweiten Akt der Norma: „Kämpfe! Kämpfe! Die gallischen Eichen | sind nicht stärker als Galliens Mann, | wie das hungernde Raubtier die Herden, | fällt er die römischen Phalanxe an. | Schlachtgemetzel! Vertilgung und Rache! | Falle Wucht und der Sturmbock erkrache. | Wie die Distel der Sichel erlieget, | sei der Römer durch Schwerter besieget. | Stürzt die Adler, beschneidet die Schwingen, tötet | alles, was Waffen noch trägt! | Lasst ins Lager der Römer uns dringen, | wo das Herz unseres Todfeindes schlägt. | Auf, ihr kräftigen Söhne der Wälder, | lasset den Boden mit Blut uns befeuchten, | dass die Strahlen der Sonne beleuchten | Roms Verderben und Galliens Sieg, | dass die Strahlen der Sonne beleuchten | Roms Verderben und Galliens Sieg!“ 23 „Es ist eine Schande für ganz Italien!“ 24 „Eine Schande auch für mich!“

Auszug aus dem ersten Kapitel. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Auftakt „Italien trauert um Vincenzo Bellini. Der Maestro verstarb im Alter von nur 33 Jahren in den frühen Morgenstunden des 23. September an einem schweren Leiden, das er seit Jahren in sich trug ... Norma ... I Puritani ... Opernkomponist ... Begräbnis in seiner Heimatstadt auf Sizilien ... Denkmal setzen ...“ Mit dem Daumennagel drückt Lilly einen Falz in die Seite der Illustrierten, in der sie zufällig auf die Nachricht über Bellinis Tod stößt. Ihr Lieblingsmagazin hat sich in letzter Zeit angewöhnt, Bildung zu verbreiten: ‚Historical Facts’ nennt sich jene Rubrik, in der alte Zeitungsausschnitte präsentiert werden. Ach ja, und eine CD-ROM ist auch beigelegt – mit den neuesten Gratis-Downloads und ein paar musikalischen Kostproben zur jeweiligen Ausgabe – sie blättert zurück auf Seite 165 ... ‚Casta Diva – Aufnahme mit Maria Callas’ steht neben Track acht geschrieben. „Lilly Moser! Dass man dich auch mal wieder im Markuselli sieht!“ „Dass man ‚euch’ mal wieder sieht, wir sind nämlich jetzt zu zweit.“ Ihre Freundin Ruth hat das schwarze Etwas unter dem Tisch übersehen. Aber nicht lange, denn Lucy schlägt mit mächtigem Bellen an, verheddert sich in der am Tischbein befestigten Leine, strauchelt und reißt das kleine Milchkännchen mit dem glücklicherweise nur noch lauwarmen Kakao in die Tiefe. „Pling“ macht es auf dem Marmorboden, das versilberte Geschirr springt unten auf, dreht sich nochmals kurz und bleibt dann friedlich liegen. „Lucy, du unerzogener Hund!“ Während sich Ruth über die heftige Begrüßung des Vierbeiners nur mäßig freuen kann, ist Lilly dabei, das Chaos zu entwirren. „Hast du was zum Aufwischen, Ruth?“ „Nein, leider. Nimm doch die Zeitschrift da am Tisch. Seit sie Vanity Flair auf dieses Ökopapier drucken, saugt es fast so stark wie Küchenkrepp – – – Siehst Du“, verkündet Ruth stolz, „... tropft nicht mal.“ Unter den braunen Schlieren kann Lilly Vincenzo Bellini erkennen, der ihr nun weitaus verklärter entgegenschaut als kurz zuvor. Mit einem Blick auf die Uhr fällt ihr der Termin wieder ein. „Ruth, ich muss leider – dank’ dir für Deine Mühe ... Du, übrigens ... ich kann doch nicht mit auf den Adventsmarkt gehen. Ein Freund meiner Eltern aus Amerika hat sich für morgen angesagt und ich soll mich unbedingt um ihn kümmern...“ Die letzten Worte Lillys überraschen Ruth ein wenig und sie entgegnet schnippisch: „Ein amerikanischer Freund? Hoffentlich gutaussehend und vermögend. Hast mir wohlweislich nie was davon erzählt, hm? Gibt es sie also doch noch, die reichen Bekannten jenseits des großen Teichs.“ „Pah, reiche Bekannte ...“, denkt sich Lilly, nicht ahnend, wie sich ihr Leben durch den Besuch des elterlichen Freundes verändern würde.
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