Insgesamt hätten dem Buch 100 Seiten mehr und etwas weniger Eile beim Schreiben gut getan. Denn von der Geschichte her ist es nicht schlecht - um das Positive vorwegzunehmen.
Die Geschichte ist diese: Hathumar, in frühester Kindheit aus seinem sächsischen Dorf verschleppt, um als Geisel Karls (des späteren Großen) in dessen Machtbereich zu leben, lebt als Mönch in Corbie (jetzt Frankreich), bevor er im Gefolge seines Abtes im Jahre 799 zur Versammlung nach Paderborn reist. Anwesend ist nicht nur der noch-nicht-Kaiser, sondern auch der Papst, den widrige Umstände zur Flucht aus Rom veranlasst haben. Anwesend ist auch alles, was im Reich Rang und Namen hat. Eher zufällig erweist sich Hathumar als recht begabt, was das Lösen von Rechtsfällen angeht (wobei dem Autor, was das betrifft, meines Erachtens ein heftiger Anachronismus anzulasten ist), und als erst ein Bischof und dann eine Konkubine (was das angeht, muß ich die Ansicht des Autors auch nicht unbedingt teilen) Karls ermordet werden, erhält er den Auftrag, der Sache nachzugehen.
Aus der Handlung, wie gesagt, liese sich etwas machen, aber nicht so, wie es der Autor tut. So liest sich das wie ein schnell-schnell hingeschriebener Auftragsroman (trotz des fachkundigen Glossars und der meistens, vgl. oben, recht sicheren historischen Ausführungen): die Charaktere sind flüchtig angelegt, die Handlung beschränkt sich allzuoft auf die bloße Wiedergabe von Dialogen (in denen sich die Charaktere auch gern mal was erzählen, was beide Sprecher längst wissen), der ganzen Geschichte fehlt ein Hauch historischer Tiefe und ein großer Hauch Sorgfalt beim Schreiben. Schade.