Decimus Junius Juvenalis ist 40 Jahre alt und wohnt in einem ansehnlichen Anwesen in Rom. Gelegentlich wird er vom Kaiser mit kleineren Verwaltungsaufgaben betraut und hofft auf eine steile Karriere, wie so viele Römer. Gleich zu Beginn der Geschichte, wird er bei Kaiser Domitian zu einem schaurigen Abendessen eingeladen, oder besser: herbeibefohlen. Nachdem er dieses Abendessen mit klopfendem Herzen überstanden hat, ist ihm am nächsten Tag nach billiger Unterhaltung zumute und somit begibt er sich in den Circus Maximus zum Wagenrennen. Dort ist ihm das Glück recht hold und er kann nicht nur einen hohen Gewinn einstreichen, er findet auch eine ansehnliche reiche Frau, Drusilla Carfinia, mit der er die Nacht in einer Nische der Arkaden verbringt. Doch als er wieder aufwacht, ist es nicht Carfinia, die er neben sich findet, sondern ein fast toter Mann. Mit einer Stichwunde im Brustkorb kann er nicht mehr sprechen, drückt Juvenalis aber eine Ecke aus einem Papyrus in die Hand, "Poppaeus" steht darauf. Kaum ist der unbekannte Mann verstorben, wird unser Protagonist auch schon von einem anderen Mann überrascht, Archigenes, doch der erkennt glücklicher Weise schnell, dass es wohl nicht Juvenalis war, der den Unbekannten so zugerichtet hat. Dafür stellt er noch fest, dass der Unbekannte ein Jude war, bevor mindestens 10 zwielichtige Männer in dunklen Umhängen und reichlich bewaffnet näher kommen und die Beidem zu allem Unglück auch noch von ihnen entdeckt und durch die halbe Stadt gejagt werden. Als sie die Kapuzenmänner endlich abgehängt glauben, will Juvenalis Archigenes zu sich nach Hause einladen, doch dort warten schon die Kapuzenmänner und Juvenalis bleibt nichts anderes übrig, als mit in das überaus ärmliche Quartier des Archigenes zu gehen. Was haben die Kapuzenmänner mit dem Toten zu tun und warum wollen sie jetzt unbedingt Juvenalis erwischen? Bevor das Rätsel nicht gelöst ist, wird Juvenalis sein Zuhause nicht wiedersehen können.
Leider spielt nur die erste Hälfte des Buches in Rom, in der Zweiten begeben wir uns mit den Protagonisten über Pompeji und Alexandria nach Mesad Chasidim am Toten Meer und verfolgen die Spuren der Essener Sekte und einem Jünger des Jesus. Das Buch besticht durch die detailfreudigen Ausführungen über das alltägliche Leben in Rom und die frühen Christen. Es ist zweifelsfrei so gut recherchiert, wie man es von einem GEO-Redakteur erwarten kann. Der Schreibstil ist gut, unterhaltsam und flüssig zu lesen, aber die Geschichte selbst hinkt hinterher. Solange sie noch in Rom spielt, fand ich sie spannend und interessant, wenn auch nicht immer ganz nachvollziehbar, dafür habe ich mich die zweite Hälfte des Buches über ziemlich gelangweilt, da sie sehr ins Fiktive abfällt ohne einen ausreichenden Ausgleich zu schaffen für die detaillierten Beschreibungen, an die man sich in der Rom-Hälfte gewöhnt hatte. Natürlich sind auch die Anfänge des Christentums kurz nach Jesu Tod recht gut beschrieben und wahrscheinlich hat es sich so ähnlich zugetragen, aber so richtiges Interesse wollte bei mir trotzdem nicht aufkommen. Auch die Schwärmerei, des tatsächlich mitunter etwas trantütig anmutenden Juvenalis, für die geheimnisvolle Essenerin Rebecca kann man nur als gescheiterten Versuch, die Geschichte mit einer Romanze aufzuwerten, bezeichnen. Man erkennt zwar das Potential des Autors, aber hier entfaltet es sich einfach noch nicht richtig. Die Geschichte ist zu holperig aufgebaut, verliert zuviel Spannung ab der Mitte und selbst das Ende hat mich nicht berührt, obwohl es durchaus spannend ausgedacht war.
Das Buch ist nicht wirklich schlecht, aber auch nicht wirklich gut. Die historischen Gegebenheiten nehme ich dem Autor ohne Weiteres ab, aber die Geschichte drum herum nicht und auch seine Charaktere sind etwas zu flach geblieben, als dass man sich so leicht in sie hineinversetzen könnte. Da ich schon "Mord im Tal der Könige" vom selben Autor gelesen habe, weiss ich, dass er es besser kann und gebe daher nur gute 3 Sterne.