Beide ersten Bücher vom Autor habe ich wirklich mit Genuss gelesen. Im jeden Sinne. Wien - die pulsierende Metropole mit mehr als zwei Millionnen Einwohner im Jahr 1911. Der alte Kaiser, müde und ohne richtige Nachfolger, das Parlament ein Ort "des Schreckens", die Parteien streiten, die Nationalitäten (auch Slowenen) sind sich nicht einig.
Es kocht über in der Multistadt.
Die Leute sind arm, Fleisch gibt es als Delikatesse (aus Argentinien!), es werden Zimmer für enige Stunden vermittet. Die Hysotikerin dr. B. Hamann hat ein wunderbares Buch gerade um diese Zeit geschrieben (Lehrjahre eines Diktators - Hitlers Wien). Das nur nebenbe für alle, die sich für die Schattenseiten der Zeit interessieren, in denen Inspector Nechyba, seine Frau Aurelia und der Journalist Goldblatt tätig sind.
Es geht um Feuerteufel, dem das Spiel mit dem Feuer Spass macht, dass dabei die Leute sterben, die Lagerhäuser zerstört werden, ist für ihn kein Problem. Es geht auch um ein Auftragsmord, bei dem sich der Mörder ziemlich viele Gedanken macht, die Macht des Geldes ihn aber zur Taten motiviert.
Vieles wird im Buch eher "zufällig" enteckt. Es liegt nicht an Nechyba (oder, besser, der Inspector kann manchmal schwer seine Zeit einteilen). Als aber der Mörder seiner Frau, der liebliche Köchin Aurelia, zu Nahe kommt, erwacht der vollschlanke Inspector zum Leben.
Es wird (fast) alles gelöst.
Wenn man das Buch als Dokument der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg betrachtet, hat es viel an sich. Es gibt auch sehr gute Teile, besonders nett sind die häusslichen Aktivitäten der Familie Nechyba dargestellt.
Aber, die Morde sind doch zu seicht gelöst. Vielleich wollte der Autor auch in dieser Richtung an die allgemenine Passivität der Bevölkerung anknüpfen. Mit leeren Magen, ohne Arbeit und Wohnung ist ein Wiener (oder Zugereiste) nicht gerade begeistert, wenn die Polizei Hilfe braucht.
Trotzdem - ein gutes Buch, Wien ist immer eine Überraschung wert. Meine Grosseltern waren alle noch in der K.u.K Monarchie geboren, sprachen Deutsch oder Steirisch, die slowenische Sprache war zwar da, aber es war bis zum Jr. 1918 mehr für die "niedrigen" Klassen vorbehalten. So war das damals. Eine s.g. EU mit vielen Problemen. Und heute?