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Produktinformation
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Ron wurde später zum Tode verurteilt. Dan selbst zu zweifach lebenslanger Haft. Das sind kurz zusammengefasst die Fakten dieser von zwei aus der "Kirche Christi der Heiligen der Letzten Tage" exkommunizierten fundamentalistischen Mormonen begangenen Bluttat. Als Hintergrund vermutet man Rache. Offenbar machte Ron seine Schwägerin dafür verantwortlich, dass ihm seine Frau im Streit um den rechten Glauben zuerst den Gehorsam verweigert hatte und ihm dann auch noch davongelaufen war. Wohl daraufhin befahl der entrüstete Mormonengott -- "Es ist mein Wille und Gebot, dass du die folgenden Menschen beseitigst" --, Brenda samt ihres Kindes zu töten.
Doch von dem vordergründig persönlichen Motiv darf man sich nicht in die Irre führen lassen. Der "religiöse" Hintergrund ist nämlich, wie Jon Krakauer in seinem neuen Buch sehr anschaulich belegt, aus mehreren Gründen über die konkrete Tat hinaus von einiger Bedeutung. Zwar gehören Ron und Dan Lafferty zu einer Splittergruppe mormonischer Fundamentalisten. Doch auch die offizielle "Kirche Jesu der Heiligen der Letzten Tage", die -- bei beängstigend hoher Geburtenrate -- über eine Millionenschar äußerst missionsfreudiger Anhänger verfügt, beruht selbst auf dem extrem verqueren Gebräu einer vermeintlich göttlichen Offenbarung. Diese soll 1823 dem Wahrsager Joseph Smith aus Vermont in der Gestalt eines Engels mit dem Namen Mormoni zuteil geworden sein, der ihm eine in massive Goldplatten geprägte heilige Schrift zuspielte, die er mithilfe einer wundersamen Brille und eines Zaubersteins entziffert und übersetzt haben will. Das Ergebnis ist das 1828/29 von ihm diktierte Book of Mormon, das der 1830 gegründeten mormonischen Kirche seither als Bibel gilt.
Einige Jahre später hat der mit seiner Goldplattenfantasie unerwartet erfolgreiche Autor unter dem Titel Lehre und Bündnisse ein weiteres, die mormonische Lehre ausdifferenzierendes Werk mit angeblichen Offenbarungen vorgelegt, das den Erfolg noch beschleunigte. Außer der darin vorgeschriebenen (und für die enorme Geburtenrate mitverantwortlichen) Vielehe, die die "Kirche Christi der Heiligen der Letzten Tage" mittlerweile offiziell verworfen hat, gibt es noch so manch anderes denkwürdige Gebot, für das mancher Mormone notfalls sein eigenes Leben herzugeben bereit ist. Dan Lafferty sieht selbst eine Parallele zwischen sich und den Terrorpiloten vom 11. September. Diese, so sagt er, seien bereit gewesen, im Wesentlichen dasselbe zu tun wie er, allerdings mit dem Unterschied, dass sie im Gegensatz zu ihm einem falschen Propheten gefolgt seien. Die Islamisten dürften dies genau umgekehrt sehen. Woraus wir einmal mehr den Schluss ziehen, dass jeder gefährlich ist, der vorgibt einen direkten Draht zu Gott zu haben. Egal um welchen Gott es sich handelt! Eine aufschlussreiche Lektüre. --Andreas Vierecke
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Interessant, aber sehr sperrig,
Von
Rezension bezieht sich auf: Mord im Auftrag Gottes: Eine Reportage über religiösen Fundamentalismus (Taschenbuch)
Die Vorgänger von Jon Krakauer "Into thin air" und "Into the wild" habe ich gerne gelesen. Nun also ein Buch über extremen christlichen Glauben in den USA. Der Inhalt ist faszinierend und erschreckend zugleich - wer hätte gedacht, dass in den USA so viele Fundamentalisten und Polygamisten leben? Das es wirklich "Rechtsfreie" Räume dort gibt? Also, von der Motivation her ist das Buch empfehlenswert. Auch ist es ungemein gut recherchiert. Man lernt eine Menge über die Geschichte der Mormonen, der mormonischen Fundamentalisten und natürlich über den religiös mitivierten Mord der Lafferty-Brüder an einer Frau und ihrem Baby.Allerdings macht Krakauer die Lektüre nicht gerade einfach: Ständige Zeitenwechsel zwischen der Zeit des Mordes und der Geschichte der Kirche machen das Lesen schwer. Zumal es dadurch auch schwierig wird die zahlreichen Namen noch zuordnen zu können. Und zwischendurch lässt der Autor auch zu sehr seine eigene Meinung durchscheinen - legitim aber an vielen Stellen störts den Lesefluss. Alles in allem eine interessante Lektüre, auf die man sich aber einlassen muss und bei der man sich zwischenzeitlich auch etwas beissen muss, um bei der Stange zu bleiben. Aber wenn die Thematik interessiert, dann lohnt sich das auch. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
11 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eindrucksvolles Plädoyer gegen Intoleranz,
Von
Rezension bezieht sich auf: Mord im Auftrag Gottes: Eine Reportage über religiösen Fundamentalismus (Gebundene Ausgabe)
Jon Krakauer ist bekannt geworden durch ausgesprochen spannende Thriller wie: "In eisige Höhen", wo er spannend über die Auswüchse des kommerziellen Bergsteigens berichtete. In seinem aktuellen Buch untersucht er anhand eines grausamen Mordes die Ursachen und Auswirkungen des religiösen Fundamentalismus. Wenn "Newsweek" schreibt, dieses Buch sei das "unheimlichste, erschreckendste Buch, das seit langem geschrieben wurde" mag dies im ersten Moment als einer von vielen Werbesprüchen erscheinen. Doch nach dem Lesen muss ich konstatieren: das Buch geht unter die Haut. Es erzählt - ausgehend von einem Mordfall im Jahre 1984 - die Geschichte der Mormonen, die vor rund 170 Jahren gegründet wurde. Sie bringt ihre Anhänger dazu, missliebige Personen, ja auch Verwandte, eiskalt zu ermorden. Am 24. Juli 1984 findet Allen Lafferty abends seine Frau und sein e fünfzehn Monate alte Tochter grausam ermordet auf. Der Tat verdächtigt werden seine Brüder Ron und Dan Lafferty wegen Mordes an diesen beiden Personen verurteilt. Beide behaupteten, die Stimme Gottes habe sie zu diesen Taten verführt. Ron wurde wegen Mordes verurteilt, Dan Lafferty manipulierte jedoch zwei der zehn Geschworenen, so dass die zur Verhängung der Todesstrafe notwendige Einstimmigkeit nicht zustande kam. Er wurde daraufhin zu zweimal lebenslänglich verurteilt. Das Außergewöhnliche an diesem Fall war nicht nur die Brutalität, sondern die ausgesprochene Reuelosigkeit der Täter, beides fundamentalistische Mormonen. "Die beiden Morde sind aus vielerlei Gründen schockierend, aber nichts ist so beunruhigend wie Laffertys völlige und entschiedene Reuelosigkeit. Wie konnte ein anscheinend geistig gesunder, erklärtermaßen frommer Mann eine unschuldige Frau und ihr Baby auf so grauenhafte Weise und ohne die geringste Gefühlsregung umbringen? Woher nahm er die moralische Rechtfertigung? Was erfüllte ihn mit solcher Gewißheit?...Es gibt eine dunkle Seite der Frömmigkeit, die zu oft übersehen oder geleugnet wird. Um jemanden dazu zu bringen, grausam und unmenschlich zu sein...ist vielleicht nihts so geeignet wie die Religion. Beim Thema religiös motivierter Morde denken viele Amerikaner sofort an islamischen Fundamentalismus, was nach den Terroranschlägen auf New York und Washington am 11. September 2001 nicht überrraschend ist. Aber schon seit die Menschen an Götter glauben, haben sie im Namen Gottes verabscheuungswürdige Taten verübt, und Extremisten gibt es in allen Religionen.....Ziel dieses Buches ist es, etwas Licht auf Lafferty und seinesgleichen zu werfen. Auch wenn der Versuch, solche Menschen zu verstehen, eine entmutigende Aufgabe ist, erscheint er mir dennoch nützhlich - wegen allem, was er uns über die Wurzeln brutaler Gewalt sagen könnte, und erst recht wegen allem, was wir über das Wesen des Glaubens erfahren könnten." (S. 19-21).Krakauer lehnt nicht Religiosität ab, sondern - und dies wird ganz eindeutig klargestellt, religiösen Fundamentalismus, hier dargestellt anhand der Sekten der Mormonen, die ihren Jüngern einredet, Morde seien gottgewollt. Wer denkt da nicht an den religiösen Fundamentalismus unserer Zeit? Doch wie Dostojewski in seiner Legende vom "Großinquisitor" hervorragend verdeutlicht hat, ist das Fehlen von Verständnis und Toleranz anderen Meinungen und Kulturen gegenüber, das Vorherrschen von Intoleranz und Engstirnigkeit, die Neigung zu dualistischer Schwarz-Weiß-Malerei eine Ursache der Gewaltbereitschaft. Unsichere Persönlichkeiten, die in Sekten Halt und Geborgenheit suchen, werden von diesen ausgenutzt und - wie im Fall Lafferty - zu verbrecherischen und barbarischen Taten aufgestachelt. Diesen Kreislauf anhand des Falles Lafferty und der Mormonensekte eindrucksvoll illustriert und spannend als Reportage dargestellt zu haben, darin liegt das Außergewöhnliche dieses wirklich besonderen Buches. Unbedingt lesenswert !!! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"ein harter Brocken", der zum Nachdenken zwingt,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Mord im Auftrag Gottes: Eine Reportage über religiösen Fundamentalismus (Gebundene Ausgabe)
Selten hat mich ein Buch mehr bewegt und beunruhigt. Das Buch zeigt auf - und meiner Meinung nach gilt das nicht nur für fundamentalistische Mormonen, sondern für alle Religionen - wozu religiöse Eiferer, die nur ihren Glauben gelten lassen und sonst nichts, fähig sind.Beängstigend ist, daß es nur einen charharismatischen Rhetoriker braucht, um die Menschen zu begeistern und zu manipulieren, bis hin zu blindem Gehorsam. Als Frau hat mich jedoch besonders die Polygamie und die damit unvorstellbaren Leiden der Frauen, die oftmals schon im Kindesalter verheiratet werden, schockiert. Insbesondere, weil dies keineswegs nur in der Vergangenheit praktiziert wurde, sondern bis heute noch als ein von Gott gegebenes Leitprinzip gilt. Mir war nicht bewußt, daß das in einer sogenannten zivilisierten Welt möglich ist. Das Buch ist keine Hetzschrift gegen gläubige Menschen, sondern eine sachliche Reportage, die einen Einblick über Glaubens- und Lebensprinzipien der Mormonen seit der Entstehung ihrer Religion bis zum heutigen Tage gibt. Das Buch ist, besonders für Frauen, ein harter Brocken und schwer verdaulich. Es ist kein bequemer Lesestoff und zwingt zum Nachdenken. Deshalb kann ich das Buch uneingeschränkt jedem, Gläubig oder Nichtgläubig, nur empfehlen. Absolut lesenswert. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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