Zunächst einmal ein großes DANKESCHÖN an den Verlag, der diese Reihe - hoffentlich- komplett neu herausbringt.
Hans Dieter Stöver schreibt flüssig und unterhaltsam, sodass man das Buch gar nicht aus der Hand legen mag. Die Handlung in Band 1 ist ausgesprochen dicht, die im Band 2 teilweise dem aufmerksamen Leser des Bellum Gallicum schon vertraut.
Um einem Missverständnis vorzubeugen: trotz gleichlautendem Titel mit dem Buch von Steven Saylor geht es im Band 1 nicht primär um die Aufklärung dieses Falles, sondern um die Ermittlung bei der Entführung einiger Kinder, die der rekonvaleszente Tribun Gaius Volcatius Tullus, gewissermaßen um keine Langeweile aufkommen zu lassen, übernommen hat. Natürlich kommen in diesem Buch alle wichtigen Personen der damaligen Zeit (Herbst 53) vor: Caesar, Pompeius, Clodius; Cicero und Catilina werden erwähnt...
Damit sind wir auch schon bei der Stärke dieser Reihe. SPQR in allen Ehren, aber manche Details stimmen historisch einfach nicht. Erfrischend ist dort allerdings der britische Sinn für Humor, der bei Stöver (nur ein wenig!) zu kurz kommt. Saylors Gordianus nervt mit seiner kaputten Familie. Hier, bei Stöver, sind ein beträchtlicher Teil der Figuren historisch verbürgt, sie könnten so gehandelt haben, was dem ganzen Buch einen Riesenvorsprung vor allen Konkurrenten gibt. Es fühlt sich echt an! Zudem bietet der Autor sachdienliche Anmerkungen, Erklärungen und ein Glossar am Ende an, sodass auch römische Anfänger zu Recht kommen.
Band 2 spielt fast ausschließlich in Gallien, mit einer teilweise bekannten Handlung. Stöver versucht hier einen neuen Ansatz, denn C.V.T. -SPOILER;SPOILER- wird von Galliern entführt und muss alles mit ansehen, was die Römer anrichten. Dieser Blickwinkel auf das Elend des Krieges kommt in Stövers Jugend(?)roman "Caesar und der Gallier" sogar noch wesentlich krasser zum Ausdruck, nicht unbedingt etwas für zartbesaitete Kinder!
Die Beschreibung Caesars in diesem für ihn entscheidenden Kriegsjahr ist sehr dicht; wie C.V.T. ist man im Zwiespalt zwischen Bewunderung und Furcht. Übrigens mag das hier geschilderte Szenario erklären, wie Caesar zu Insider-Infos über Geschehnisse bei den Galliern gekommen ist (man wundert sich ja immer über seine gute Aufklärung - siehe auch sein Jugendbuch).
Wer mehr über Rom zur Zeit Caesars lesen möchte, empfehle ich die "Quintus"-Reihe vom selben Autor.