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Morbus fonticuli oder Die Sehnsucht des Laien. Roman
 
 
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Morbus fonticuli oder Die Sehnsucht des Laien. Roman [Taschenbuch]

Frank Schulz
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Taschenbuch, Januar 2002 --  

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 764 Seiten
  • Verlag: Haffmanns Verlag (Januar 2002)
  • ISBN-10: 3251005154
  • ISBN-13: 978-3251005154
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 13 x 5,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (13 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 945.270 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Frank Schulz
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Aus der Amazon.de-Redaktion

Nach einer Verkettung unglücklicher editorischer Umstände und vielen Jahren der Arbeit liegt nun -- nach Kolks blonde Bräute -- endlich der zweite Teil der Hagener Trilogie vor: Morbus fonticuli oder die Sehnsucht des Laien. Man trifft all die munteren Kneipengesellen und Skatfreunde wieder: Heiner, Satschesatsche und Kolk, aber im Rampenlicht steht diesmal Bodo, Bodo Morten. Und Bodo Morten leidet nicht nur an Morbus Fonticuli, er ist darüber hinaus ein wahrhaft durchtriebener Kerl!

Das wird spätestens im Hauptteil des Romans allzu deutlich: Hier nämlich befinden sich die Tagebucheinträge von Bodo Morten, die er vom Herbst 1994 bis zum Frühjahr 1995 geführt hat, bevor er verschwindet und seine Freunde ihn wieder finden -- fast nackt in die Erde vergraben und längst zum psychiatrischen Fall geworden. Aber Morbus fonticuli oder die Sehnsucht des Laien ist mehr als ein Tagebuch: Es ist ein brillant komponierter Kneipenroman, ein Schelmenroman, ein Heimatroman -- und vor allem ist Morbus fonticuli eine sprachlich furiose Meisterleistung: Frank Schulz besitzt eine ungeahnte Sensibilität für die Alltagssprache bei gleichzeitigen poetischen Höhenflügen.

Die Tagebucheinträge indes sind unterteilt in drei "Bärbel-Phasen" und zeugen vom Fall des Bodo Morten. Ein Straucheln zu Anfang, ein Stolpern schließlich und ein unaufhaltsames Hinausgeschleudertwerden aus dem eigenen "Paralleluniversum": Das Doppelleben als Ehemann der immer geliebten Anita einerseits und die Amour fou zu Bärbel mit dem "gottgegebenen Boulevardarsch" andererseits, treibt ihn zusehends in Wahnsinn und Nervenzusammenbruch. Das alles freilich könnte tragisch anmuten, aber: Frank Schulz ist überdies ein Zeremonienmeister der Komik! Er verhilft uns in einer höchst erquicklichen Melange aus Scherz und Satire, Ironie und Parodie, Kalauer und Nonsens zu vielem Schmunzeln und manchem lauthalsen Gelächter -- und nicht zuletzt zu großem Staunen darüber, wie einfach er Alltagsbanalitäten in Witz zu verwandeln vermag.

Ach ja, Morbus Fonticuli, das ist eine Krankheit, die zwar auf Nerven (vermutlich auch auf Lunge und Leber gleichermaßen) schlägt, die aber dafür das Schreib- und Sprachzentrum der befallenen Person zu Höchstleistungen stimuliert. Wer möchte also nicht an ihr leiden? --Christian Stahl -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Auszug aus Morbus fonticuli oder Die Sehnsucht des Laien. von Frank Schulz. Copyright © 2002. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Gegen den Strich des Weizenfeldes drang, vom jenseitigen Rain, Schafsblöken
herauf. Unentwegt entströmte der Pappelkrone dahinten jene Korona von
Gegenlicht, in der das Mückenvolk hier vorn seine rituellen Tänze aufführte, und
die beiden Grillen am Rande des Hohlwegs, der den Weizen von dem kleinen Forst
trennte, girrten ebenso stetig ihre einsilbigen Verse. Immer noch schwebten
Sporendaunen umher und schwirrten, mit unberechenbaren Quantensprüngen,
vereinzelt Libellen hindurch - nur der Specht wartete nun in irgendeinem Wipfel
ab -, als ein Kuckuck seinen kindischen Ruf aus dem Wäldchen hören ließ.
Schweiß versiegelte Anitas blasse Stirn. Wie in Harz gegossen verharrten sie und
die ändern vor der nagelneuen Einfriedung des Gehölzes, noch damit befaßt, den
Auftritt jenes bizarren Trios zu verarbeiten, das ihren Hamburger Suchtrupp
offensichtlich verfolgt hatte - bis auf die niederelbische Geest, bis hierher,
die sanfte Anhöhe hinauf zum Wäldchen -, da hörten sie im Dickicht, einen
Steinwurf weit hinterm verriegelten Stahlgittertor, das Geräusch zertretenen
Gezweigs.
Und erneut. Sie fuhren herum. Gleich darauf ein Kommando, das gedämpft, beinah
technisch verzerrt wirkte: "Janus!! Sitz!! Aus!!" Dessenungeachtet huschte ein
massiges Phantom über die verschattete Lichtung auf sie zu - der Pfotengalopp
kaum hörbar auf dem Nadelteppich, beinah deutlicher der Niederschlag von
aufgestobenen Erdbröckchen -, und noch im selben Augenblick krallte im
Maschendraht des Gatters ein Hund, schwarz und schwer wie ein Kalb. Schußartiges
Blaffen krachte aus seinem Rachen.
Mit einem leisen Akkord von Schreckenslauten wichen sie, im Block, ein Stück
zurück. "JANUS!! AUS!!" herrschte die Stimme, nun zwar lauthals, nach wie vor
aber membranenhaft dumpf, fast wie aus einem Kurzwellenradio. "HIERHER!!"
Diesmal schlich das Tier geduckt und mit dem Hintern wackelnd nach seinem Herrn
zurück, der unterdessen ebenfalls aus dem Unterholz aufgetaucht war und auf die
Pforte zwischen sich und den anderen zu marschierte.
Er war nackt bis auf Gummistiefel und Badehose. Um den Hals trug er ein
Lederband mit Schlüssel und auf dem Kopf einen großen schwarzen Motorradhelm
(daher die Gedämpftheit der Stimme). Kein Bierbauch mehr, wie verdampft. Die
Haut gebräunt, verschwitzt und von Gestrüppkratzern gezeichnet. In der Rechten
hielt er waagerecht einen Spaten, dessen Stichblatt mit frischer Erde
verschmiert war. Die letzten beiden Schritte seines Anmarschs brachten ihn aus
dem Tritt. Wie um sich der vergangenen zehn Tage zu vergewissern, wandte er sich
mit erhobenem Kinn halbwegs nach seiner Spur um, schwang den Spaten schließlich
linkisch auf die Schulter und schaute mit rückwärts geneigtem Helmkopf wieder
durchs mannshohe, maschendrahtverschweißte Stahlgitter, schaute her zu Anita und
den ändern. Und dann ging etwas mit seinen Augen vor - vielleicht beschlugen
auch nur, trotz des offenen Visiers, die Brillengläser -, und er senkte das Kinn
und machte jene Bewegung, die sie so schnell nicht vergessen sollten, gerade
weil sie so unscheinbar war: Er hob die freie Hand, die Finger gekrümmt, an den
Hinterkopf, um sich zu kratzen; anscheinend hatte er nicht daran gedacht, daß er
diesen Helmballon trug, und als er das glatte, harte, kühle Material an den
Fingerkuppen spürte anstatt dünner, warmer Behaarung, ließ er den Arm fallen, so
daß die Geste wie ein matter Gruß wirkte. "Mufti...", sagte Anita.
Er inhalierte heftig einen halben Liter Luft durch Nase - hielt eine Sekunde an
- und atmete noch heftiger aus; und dann sagte er in jener gequetschten
Stimmlage, durch die er gewöhnlich versuchte, einen cholerischen Anfall
aufzuhalten: "Großer Bahnhof. Wa? Ganz großer Bahnhof, wa?" Ächzend vor
unterdrückter Tobsucht versuchte er, den Helm mit einer Hand herunterzureißen,
vergeblich; schließlich flogen erst Spaten, dann Helm und Brille davon - und
spätestens in dem Moment erkannten sie ihn, hätten ihn auch mit verbundenen
Augen erkannt: an seiner Wut. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
25 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Hut ab! 18. August 2002
Format:Gebundene Ausgabe
Schade, daß es das Literarische Quatschtett nicht mehr gibt. Zu gerne hätte ich Ranickis Reaktion auf dieses Buch gesehen. Bestimmt hätte er in den Sessel gefläzt eine Schnute gezogen und irgendwas wie "was interessieren mich die Bettgeschichten von Provinzjournalisten" oder so gefaselt, oder daß ein Roman, in dem alle paar Seiten schmutzige Four-Letter Words (obendrein in deutscher Übersetzung) auftauchen und ansonsten in einem fort geraucht und gesoffen wird, eigentlich keine richtige Literatur sein kann - zumindest keine, die sich mit Goethe oder Thomas Mann vergleichen läßt.

In der Tat dürfte es Morbus Fonticuli schwer haben, in die Riege der Weltliteratur aufgenommen zu werden, ja wahrscheinlich findet sich nicht mal ein fähiger Übersetzer. Und bei dem ziemlich happigen Preis wird es der Roman wohl kaum in die hiesigen Bestsellerlisten schaffen.

Nun ja, derlei Ungerechtigkeiten kannte ja schon Herman Melville, und den erwähne ich, weil Moby Dick auf meiner eigenen Bestsellerliste über Jahrzehnte ganz oben stand und nun mit M.F. einen würdigen Nachfolger gefunden hat. Für mich waren das jedenfalls die geilsten 700 Seiten, die ich je gelesen habe. Und bei einigen Kapiteln, Sätzen oder Wortschöpfungen grummelte es im Bauch wie vor gut 25 Jahren beim Anhören von Pages Gitarrenriffs oder Bonzos Paukenschlägen. Hats off to Frank Schulz, möchte ich damit sagen.

PS: Einen kleinen Wermutstropfen hat das Ganze allerdings: Einen Megaseller mit dem Titel "13 kleine Schweinereien aus meiner Zeit als Anzeigenberater" wird es nun nicht mehr geben. Das entsprechende Manuskript wurde nämlich halbfertig in die Tonne getreten. Vielen Dank auch, nej?

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18 von 19 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Einer eindeutigen Zuordnung in ein Genre entzieht sich dieser Ziegel von einem Buch, ist es denn ein Schelmenroman, eine Art Heimatroman oder schlicht ein pornographischer Roman in intellektueller Verpackung?
Fest steht: Frank Schulz ist ein in jeder Hinsicht mächtiges Buch gelungen: mächtig unterhaltsam (die Irrungen und Wirrungen des (v.a. Liebes-)Lebens eines Provinzjournalisten werden witzig und mit einer großen Begabung für die Beobachtung von Aussehen und Tonfall der Beteiligten geschildert), mächtig intellektuell (der Ich-Erzähler Bodo Morten leidet an der Fabuliersucht, das Buch enthält Anhänge mit Erklärungen zu hunderten verwendeten nicht geläufigen Fremdwörtern, tw. unverständlichem deutschem Idiom und lateinischen Redewendungen) und mächtig umfangreich (aber genau die minutiöse Schilderung macht den Reiz dieses Romans aus!).
Nach 740 Seiten findet man es trotz erheblicher Lesedauer mehr als schade, dass man von Bodo (genannt Mufti), dem Bülbül, Satschesatsche, Iggy und Fredi-dem-Arsch Abschied nehmen muss.
Und was ist die Sehnsucht des Laien? Laut Schulz: Einmal ein Wörtchen mitreden können, und sei es nur "Scheiße"!
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29 von 32 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Thomas Liehr TOP 1000 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe|Von Amazon bestätigter Kauf
"Morbus fonticuli" bezeichnet die - erfundene - "Fontanellenkrankheit", die der Held Bodo "Mufti" Morten an sich diagnostiziert. Mufti ist verschwunden, sein Freundeskreis macht sich auf die Suche, eine illustre, bunte Runde, der Jugendfreundschaften aus dem "Kaff" angehören, aber auch Anita (Nita), die geprellte Langzeitfreundin, verlassen mit dem Schreckenskernsatz für jedes Beziehungsende: "Ich gehe mal eben Zigaretten holen." - lange nicht das einzige Klischee, das Schulz auf vortreffliche Weise kolportiert.
Aber Mufti ist nicht wirklich verschütt, wird nach 10 Tagen aufgefunden, nackt bis auf Hut und Gummistiefel eine Grube grabend, im Kolker Wald jenseits des "Kaffs"; vorher aber entdeckt Nita Zweitwohnung und -leben ihres scheinbar leicht lethargischen, versoffenen, schriftstellerisch ambitionierten Freundes, der jahrelang für das Kleinanzeigenblatt "Elbe Echo" gearbeitet hat. Mufti hat im "Kabuff", der Zweitbude, getrunken, geraucht und geschrieben, aber auch Bärbel, genannt "Bülbül" begattet, die junge Dame mit dem kontinentalen Hintern, Tresenmädchen aus der "Hexenkate", begeisterte Van-Demme-Filmeguckerin, befreundet mit radebrechenden Türken aus dem Karateklub.

Der dreiteilige Roman erzählt zunächst die Geschichte vom Verschwinden Mortens bis zum Moment des Wiederauftauchens, im Hauptteil werden die drei "Journale" wiedergegeben, und der Schlußteil ... nein. Lieber selber lesen. Das "Buchstabengebirge" (Neue Zürcher Zeitung), diese uferlose, eidetische Selbstbetrachtung des sehnsüchtigen Laien, der zwischen akribisch dokumentiertem Zigaretten- und Alkoholkonsum so wortreich, bildhaft, spannend, extrem komisch und in faszinierend authentischer, detailfixierter Weise die Geheimnisse um die eigene Person lüftet, den Werdegang schildert, das Drama der dreiteiligen Beziehung zu Sexmonster "Bülbül", das Geschehen in der EE-Redaktion mit ihren schrulligen Mitarbeitern, den Grund für den eigenen Reichtum, das Verhältnis zu den Freunden, die Alltagsbegegnungen und ihre Widrigkeiten. Fantastisch! All die Situationen, die sich unsereins merkt und mit einem Lächeln quittert, um sie irgendwann mal in eine Geschichte bauen zu wollen - Schulz hat sie allesamt zu einem Kompendium des leidvollen, sadomasochistisch-narzistischen Daseins verwoben, findet phantasiereich und überbordend Worte für Alltägliches, schildert in einer Sprache, die anfänglich etwas sperrig und konstruiert wirkt, aber nach und nach Heftigkeit annimmt, an Substanz und Glaubwürdigkeit gewinnt, so daß man bereits in der Mitte leicht melancholisch auf den geringer werdenden Anteil noch verbleibender Seiten schielt.

Schulz läßt keine Frage offen und keine Situation aus, extrahiert jeder Belanglosigkeit gnadenlos und wortgewaltig das Quentchen innewohnender Komik, und häufig noch ein unwillkürliches, bestätigendes Nicken beim Leser. Mufti, der icherzählende Held, Underdog und Schwaller, Begatter und Lügner, Säufer und Besoffenfahrer, Skat- und Phrasendrescher, Kumpel und Kumpelschwein, offenbart sich über diese mehr als lesenswerten 766 Seiten als eine Figur voller Ambition, Mißverständnis, Sympathie, mittelmäßiger und schillernder Einzigartigkeit. Der beste deutsche Gegenwartsroman, den ich in diesem Jahrtausend gelesen habe.

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