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Morbus Kitahara
 
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Morbus Kitahara [Gebundene Ausgabe]

Christoph Ransmayr
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 439 Seiten
  • Verlag: Fischer (S.), Frankfurt; Auflage: 3. Aufl. (1995)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3100629086
  • ISBN-13: 978-3100629081
  • Größe und/oder Gewicht: 22,3 x 13,9 x 3,7 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (17 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 85.975 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Christoph Ransmayr
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Im Jahr 1988 erschien in der angesehenen Anderen Bibliothek -- damals wie heute eine der besten Adressen für den Bücherfreund -- Christoph Ransmayrs Roman Die letzte Welt. Der österreichische Autor schildert darin sprachgewaltig das Exil des römischen Dichters Ovid am Schwarzen Meer. Die Literaturkritik feierte das Buch als eine literarische Entdeckung ersten Ranges, und man wartete gespannt auf die nächsten Werke des Schriftstellers -- schließlich war man ja von der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur nicht sonderlich verwöhnt. Die Jahre vergingen, und endlich ließ sich sogar der Papst aller Literaturpäpste, Marcel Reich-Ranicki, herab und sprach mahnende Worte an den säumigen Dichter.

Doch das Warten hat sich gelohnt. Im Herbst 1995 erschien, nunmehr im S. Fischer Verlag, Morbus Kitahara. Und schon die ersten Zeilen zeigen, daß der 1954 im oberösterreichischen Wels geborene Autor nach wie vor einer der sprachmächtigsten Schriftsteller seiner Generation ist. Alleine durch den rhythmischen Sprachduktus wird man schon nach wenigen Seiten in den Bann des Buches gezogen. Doch auch inhaltlich ist Ransmayr ein großer literarischer Wurf gelungen, denn er erschafft einen sehr düsteren, fremden, fiktionalen Kosmos und erlaubt es dem Leser/der Leserin dennoch, die Handlung mit dem Wissen um die jüngste Vergangenheit in Beziehung zu setzen.

Der überwiegende Teil des Romans spielt in Moor, einem abgelegenen Dorf im Gebirge, am Rande eines großen Sees. In ihm wird gegen Ende eines großen europäischen Krieges Bering, einer der drei Hauptfiguren des Romans, während einer Bombennacht geboren. Der "Friede von Oranienburg" beendet zwar diesen Krieg und die Brutalitäten der Unterlegenen, ist aber verbunden mit dem Umerziehungsplan Stellamours. Letzterer sieht die völlige Deindustrialisierung des Landes vor. Schon bald werden Schienen, Fabriken und Elektrizitätswerke demontiert, und Moor versinkt in einer vorindustriellen Dunkelheit. Die Einwohner von Moor und Umgebung werden von den Besatzern im Rahmen der Umerziehungsmaßnahmen regelmäßig gezwungen, jene grausamen Szenen nachzuspielen, die sich während der Kriegsjahre in einem als KZ geführten Steinbruch abspielten.

Als junger Mann lernt der "Vogelmensch" Bering, der außer an Vögeln auch leidenschaftlich an Maschinen interessierte Schmied von Moor, den "Hundekönig" Ambras kennen, einen ehemaligen Häftling des Steinbruchs und dessen derzeitiger Verwalter. Bering repariert nach einem Unfall den Wagen Ambras', die einzige Limousine in weitem Umkreis, und erschafft in wochenlanger Arbeit ein Kunstwerk, ein Fahrzeug in Vogelform. Er greift hierfür auf seinen Eisengarten zurück, der sein Haus umwuchert und die benötigten Ersatzteile abwirft. Danach verläßt er die gehaßte Schmiede und wird Fahrer und Leibwächter des "Hundekönigs". Schon bald bemerkt Bering, daß sein Blickfeld trüber und trüber wird, sich mehr und mehr verfinstert. Seine Augenkrankheit trägt den klingenden Namen Morbus Kitahara.

Auch Lily, die "Brasilianerin" genannt, ist ein außergewöhnlicher Mensch. Alleine in einem Strandturm lebend, begibt sie sich immer wieder auf Schleichwegen durch das Gebirge, um durch einen regen Tauschhandel Moor mit begehrten Gütern zu versorgen. Ihr lebenslang gehegter Traum, eine Reise nach Brasilien, erfüllt sich schließlich als die Besatzungsmacht beschließt, die Gegend um Moor zu evakuieren, um aus ihr einen riesigen Truppenübungsplatz zu machen. Lily begibt sich mit Ambras und Bering auf die weite Reise.

Doch diese Inhaltsangabe ist für den Roman Ransmayrs eigentlich eine sehr unbefriedigende Form der Annäherung, weil sie die zentrale sprachliche Dimension des Werkes vernachlässigt. Die Art der Schilderung dieser düsteren Gegend, des Eisengartens und der vermodernden Maschinen, der gefährlichen Gänge durch das Gebirge ("das Steinmeer") und der dort lebenden brutalen Räuberbanden läßt vor dem geistigen Auge des Lesers/der Leserin eine ganz einzigartige Welt entstehen. Trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen) ist es auch ein politischer Roman, etwa wenn Ambras seine grausamen Erlebnisse im Steinbruch schildert oder wie es dazu kam, daß er als "Rassenschänder" dort inhaftiert wurde. Und gerade diese außergewöhnliche Kombination von Poesie und Politik ist eine der herausragenden Qualitäten des Romans. Denn so wird wieder einmal deutlich, daß gerade ein literarisch sehr ambitioniertes Werk nicht gezwungen ist, auf eine politische Ebene zu verzichten. Auch das ist ein Signal für die oft Nabelschau betreibende deutschsprachige Gegenwartsliteratur der letzten Jahre. Christian Köllerer -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Kurzbeschreibung

»Der Friede von Oranienburg« ist der Name für die Jahre und Jahrzehnte nach einem großen Krieg. Aber dieser Name bezeichnet keine Epoche des Wiederaufbaus, sondern eine der Sühne, der Vergeltung und Rache. Nach dem Willen der Sieger sollen die geschlagenen Feinde aus den Ruinen ihrer Städte und Industrien zurückkehren auf die Rübenfelder und Schafweiden eines vergangenen Jahrhunderts. Drei Menschen begegnen sich im Moor, einem verwüsteten Kaff an einem See im Schatten des Hochgebirges. Ambras, der »Hundekönig« und ehemaliger Lagerhäftling, wird Jahre nach seiner Befreiung Verwalter jenes Steinbruchs, in dem er als Gefangener gelitten hat. Verhaßt und gefürchtet haust er mit einem Rudel verwilderter Hunde im zerschlissenen Prunk der Villa Flora. Lily, die »Brasilianerin«, die Grenzgängerin zwischen den Besatzungszonen, die vom Frieden an der Küste des fernen Landes träumt, lebt zurückgezogen in den Ruinen eines Strandbades. An manchen Tagen aber steigt sie ins Gebirge zu einem versteckten Waffenlager aus dem Krieg, verwandelt sich dort in eine Scharfschützin und macht Jagd auf ihre Feine. Und Bering, der »Vogelmensch«, der Schmied von Moor: Er verläßt sein Haus, einen wuchernden Eisengarten, um zunächst Fahrer des Hundekönigs zu werden, dann aber dessen bewaffneter, zum Äußeren entschlossener Leibwächter. Doch in diesem zweiten Leben schlägt ihn ein Gebrechen, ein rätselhaftes Leiden am Auge, dessen Namen er in einem Lazarett erfahren soll: Morbus Kitahara, die allmähliche Verfinsterung des Blicks.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Faszinierend düster 6. September 1999
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Die eingangs aufgeführte Leseprobe verdeutlicht bereits ansatzweise die eigentliche Faszination dieses Buches - die Sprache. Die Handlung ist interessant, aber nicht so fesselnd, als dass sie dieses Buch schon als ein herausragendes auszeichnen würde. Das soll diese nicht herabwürdigen, aber Ransmayr hat einen so interessanten wie unverwechselbaren Sprachstil, der die Handlung schon fast zur Nebensache werden lässt.

Denn diese ist schwer zu beschreiben, man muss sie "gekostet" haben. Worte wie "düster" oder "künstlerisch verschroben" erklären sie nur unvollständig. Als halbwegs treffende Metapher erscheint mir vielleicht noch "rostig", auch wenn das dem Ransmayr-Neuling nicht viel sagen dürfte. Aber es stimmt - hier atmet jede Zeile Verwesung, Verderben, Niedergang, Korrosion, Dunkelheit. Nicht die Fabel beeindruckt den Leser, sondern die eigenartig-neuartigen Wortkombinationen, die eigenwilligen Satzkonstruktionen und aus dem Rahmen fallenden Umschreibungen.

Ransmayr versteht es ausgezeichnet, aus dem zur Verfügung stehenden sprachlichen Material genau das herauszuholen, was für seine Zwecke am besten geeignet erscheint. Und das macht das Buch zu einem unverwechselbaren Ganzen, zu einer vollkommen scheinenden Einheit und zu einem Werk, wie ich es weder vorher noch nachher noch einmal gelesen habe. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

War diese Rezension für Sie hilfreich?
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
grossartiges buch 2. Februar 2011
Von aknitak
Format:Taschenbuch
deutschland ohne marshallplan. von ransmayr atmosphärisch sehr dicht als ein düsteres, rückständiges agrarland beschrieben. das buch frei ist von gutmenschentum oder moralischer überlegenheit-.dafür aber tief beeindruckend, sowohl wegen der erzählten geschichte als auch wegen der fast klassisch anmutenden, zeitlosen sprachgewalt ransmayrs.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von esc
Format:Taschenbuch
Ransmayr schafft wieder einmal mit sehr feiner, bildhafter Sprache eine phantasievolle Geschichte zu entfalten. Sehr schön ist der Kreis, der sich am Ende schließt und die sehr kunstvolle und spannende Auflösung und Überraschung, die am Ende auf den Leser wartet.
Die Hauptfigur Bering "der Vogelmensch" ist zwar kein Sympathieträger und auch keine Identifikationsfigur, aber dennoch kann man über seine Handlungen viel sinnieren.
Obwohl das Buch an die sensationelle Idee und Komposition von "Die letzte Welt" nicht ganz heranreicht, ist es für mich ein großartiges 5-Sterne Buch! Es verlangt dem Leser nicht so große Vorkenntnisse ab (wie zum Beispiel über griechische Mythologie und humanistisches Gedankengut für "Die letze Welt") und ist daher für viele vielleicht sogar ein zugänglicheres Werk von Ransmayr. Absolut lesenswert und empfehlenswert!
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Ransmayr hinterfragt in seiner, oberdeutsche Mundarten durchschimmern lassenden Sprache wie es gewesen wäre, wenn
der Morgenthau-Plan umgesetzt worden wäre. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 30. Juli 2003 von R. Eisermann
Huff, schwierig
Fiktion. Gut und Recht. Aber Fiktion ist Erfindung, wenn man dann aber permantent immer wieder in die wahre Geschichte durch bestimmte Hinweise nur so hineingedrückt wird, nur... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 12. April 2003 von E. Kreutner
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