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Morbus Gravis 1
 
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Morbus Gravis 1 [Taschenbuch]

Paolo Eleuteri Serpieri
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 64 Seiten
  • Verlag: Schreiber & Leser (Januar 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3933187699
  • ISBN-13: 978-3933187697
  • Größe und/oder Gewicht: 30,2 x 22,2 x 0,7 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 282.238 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
22 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Niclas Grabowski TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
Also: Die erste Begegnung mit diesem Buch war ein einzelnes Bild, abgedruckt auf einem Flugblatt einer feministischen Organisation auf dem Mensa-Tisch in der Uni. Selbst noch auf dem schlechten Druck des Flugblattes war erkennbar, dass sich der Zeichner wirklich große Mühe gegeben hat - und auch wirklich etwas konnte. Allerdings zeigte dass Bild eine Frau, der ein Mann ein Messer an die Kehle hält, offensichtlich mit sexuellen Hintergedanken.
Das Flugblatt richtete sich denn auch gegen die erniedrigende Darstellung von Frauen und gegen die Tatsache, dass in der Kunst Gewalt gegen Frauen dargestellt wird. Trotz aller Kunst, der handwerklichen Qualität, kann man so etwas gut finden?

Ich glaube, man kann, jedenfalls wenn man nicht nur ein einzelnes Bild betrachtet, oder auch nur einzelne Folgen von Bildern, sondern das gesamte Werk. Es hat mittlerweile nicht ganz umsonst einen kleinen Kultstatus mit vielen Folgebänden erreicht, und ist nicht in der unendlichen Vielfalt der Schmuddelliteratur versunken.

Erzählt wird (und das übrigens gut) die Geschichte einer Frau, die in einer Art von nachapokalyptischer Umgebung versucht zu überleben. Sie lebt in einer Welt, wo es eine Oberstadt und eine Unterstadt gibt. Die Unterstadt wird von einer myteriösen und hochansteckenden Krankheit beherrscht, die Oberstadt versucht sich zu isolieren. Infizierte werden transferiert - das heißt zwangweise in die sozial verwarloste Unterstadt abgeschoben. Das nicht weniger geheimnissvolle Serum gegen die Krankheit ist kaum verfügbar, man erhält es nur durch Bestechung, Korruption oder Sex.

Die Frau, Druuna, liebt einen Mann, der infiziert ist und bei dem die Krankheit jetzt ausbricht, und der sich aufgrund der Krankheit regelmäßig in ein unkontrollierbares Monster verwandelt. Nur das Serum macht ihn wieder menschlich. Als Monster wird er gejagt, da Erkrankte nicht nur gewalttätig sind, sondern auch andere anstecken. Wenn er entdeckt wird, droht im der Tod. Aus dieser Situation sucht Druuna - für sich und ihn - einen Ausweg.

Das alles ist spannend, atmosphärisch dicht und gut gezeichnet. Und es ist mit viel Erotik und auch Gewalt gewürzt. Würde es auch ohne Sex und Erniedrigung funktionieren? Ich glaube ja, vielleicht aber tatsächlich schlechter. Gerade weil der Comic hier auf einem Grad wandelt, ist seine Faszination so hoch. Es ist eine Geschichte am Rande des noch Ertragbaren. Gerade deshalb aber auch realer, lebendiger als viele andere Endzeit-Geschichten.

Aber eines müssen auch die Kritiker wohl eingestehen: Hier wird keine schwache Frau dargestellt, sondern eine extrem starke, eigenständige und mutige Frau. Insofern mögen einzelne Bilder das Kriterium "frauenverachtend" erfüllen. Das Buch als ganzes tut dies sicher nicht.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Bevor ich dieses Buch las, kannte ich nur die Einbände und war eher abgeneigt, einen Blick hinein zu riskieren.
Das sah mir ganz nach billiger Erotik im Mäntelchen der Science-Fiction aus. Aber weit gefehlt!

Ich habe schon auf den ersten Seiten gemerkt: Das hier ist eine Wahnsinns-Geschichte, exzellent arrangiert und aufgebaut!
Man wird sofort ins kalte Wasser der Fremdartigkeit, Abartigkeit und Korruption geworfen, ohne aber damit überfordert zu werden.
Serpieri verschont seine Leser mit Pseudo-SF-Vokabular, liefert stattdessen eine wunderbar "saugstarke" Endzeit-Atmosphäre,
die ihresgleichen sucht.
Man weiß, dass die noch zu enthüllende Wahrheit auf ihre schreckliche Weise faszinierend sein wird, dennoch ist es unmöglich,
auch nur die leiseste Ahnung davon zu bekommen, bis sie einem nicht häppchenweise von Serpieri serviert wird.

Die Erotik hat ihren festen und nicht wegzudenkenden Platz in dieser Novel. Einmal bedeutet sie Liebe, dann steht sie wieder
für die niedersten Triebe (in Form der von der Seuche Befallenen).

Die exzellenten Zeichnungen machen das Buch schließlich zu einem Gesamtkunstwerk.
(Das mit den Riesenbrüsten ist halt Geschmackssache...)

Nichts für schwache Nerven, hier werden schonungslos die Abgründe und Urängste der Menschen demonstriert!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Wux Iapan
Format:Taschenbuch
In einer merkwürdigen, atmosphärisch unendlich dichten, kalten, dreckigen, kaputten Welt voller grosser Rohre, ruinenhaften Betonbauen, überwuchert von merkwürdigem bräunlich-ekligem Unkraut, lebt DRUUNA. Man könnte meinen, sich in einer Mad-Max-artigen Endwelt zu befinden. Die Männer sind allesamt Monster, einzelne Frauen ebenso, zum einen Teil im wahrsten Sinn des Wortes vom sogenannten "Übel" infizierte und mutierte Kreaturen, zum anderen Teil im übertragenen Sinne: in dieser Welt gibt es nichts schönes mehr, ausser Frauen und Macht. Die Männer nehmen für sich gewaltsam und rücksichtslos die letzten schönen Dinge in Besitz und zerstören sie somit. Die Mutierten können ihre Krankheit jeweils mit Zunahme des "Serums" vorübergehend eindämmen. Die Herausgabe dieses "Serums" wird von ominösen, mönchenhaften Gestalten der "Oberstadt" auf unklare Weise gehandhabt. Jedenfalls ist DRUUNA's Geliebter, SHASTAR, ein Opfer des "Übels" und wird von ihr in der gemeinsamen 'Wohnung' von den 'Mönchen' versteckt werden, da diese, bzw. deren Handlanger ihren Liebhaber schnurstracks voller sadistischer Wollust folternd zerhacken und in eine Grube schmeissen würden. Die letzten Ampullen wurden grad aufgebraucht, weswegen sich DRUUNA in die 'Unterstadt' begeben muss, wo sie sich von einem Arzt sexuell missbrauchen lässt, um an eine neue Ladung Serum zu gelangen. Der Missbrauch ist für Druuna schmerzhaft, aber eben auch sexuell befriedigend: "Mir schmerzt alles, aber es war gut!" Die Frau ist, wie praktisch alle Frauen in MORBUS GRAVIS, eine totale Masochistin. Auf ihrer Reise durch diese Endwelt begegnet sie einem Mutatenzwitter, welcher von einem Geheimnis weiss, welches auch SHASTAR nicht unbekannt sein dürfte. Um hinter dieses Geheimnis zu kommen, muss DRUUNA in die Oberstadt, wo scheinbar die Herrscher dieser Welt leben. Das Geheimnis offenbart sich dem Leser erst auf den letzten Seiten als gigantischer Plot-Point und bildet den Auftakt für weitere Abenteuer in diesem Mikrokosmos des absoluten Grauens.

Als ich vor vielen Jahren über einen Haufen Comics dieses Zyklus gestolpert bin, habe ich aus Neugier mal darin zu lesen begonnen und dabei wenig von der eigentlichen "Story" mitbekommen, weil ich solch explizite, besonders brutale Darstellungen sexualisierter Gewalt in der Form noch nie zu Gesicht bekommen hatte. Angesichts der gezeichneten Grausamkeiten konnte ich mich überhaupt nicht der Geschichte widmen, die Grausamkeiten waren einfach zu deftig. Meine Erfahrungen damals lassen sich drum mit folgenden Adjektiven umschreiben: abstossend, schockierend, übelkeitserregend, menschen-, bzw. frauenentwürdigend, aber extrem mutiger Zeichner/Erzähler

Der Typ, dem der Zyklus gehörte, konnte ich danach erstmals nur distanziert begegnen. Wer würde sowas lesen? Sowas unterstützen, kaufen, gut finden?? Der Typ ist heute ein kommerziell relativ erfolgreicher Zeichner. Heute besitze ich den Zyklus selbst. Lese ihn grad zum dritten mal, und die Erfahrung ist intensiver und "besser" als je zuvor. Um den Comic "gut" zu finden, muss man sicherlich befähigt sein, sich mit einer gewissen Distanz auf diesen verstörenden Mikrokosmos einzulassen. Der Zyklus bietet ungeheuer viel: Grauenhaftes, spannendes, verblüffendes, atemberaubendes, epochales, schönes, originelles, erotisches, unaussprechliches, (alp)traumhaftes in Lynch-Manier, und eine ungeheure ATMOSPHÄRE. Wer die Realität nicht für die Zeit des Lesens hinter sich lassen kann, wird unweigerlich empört sein über diesen ungeheuren Serpieri. Wer ist das eigentlich? Der ultimative Frauenhasser? Wohl kaum.

Ein Wort an die Feministinnen, die diesen Zyklus nicht ohne Verständnis meinerseits als misogynen Schund kritisieren und verdammen:

DRUUNA und alle anderen Frauen kennen nur diese Welt. Der Masochismus ist gemäss meiner Auffassung nicht das, wonach sie suchen. Es kommt nicht vor, dass sich eine Frau freiwillig auf die "Porno-Tortur" einlässt oder gar danach verlangt. Die Erträglichkeit des sexualisierten Schmerzes, bzw. der Masochismus der Frauen dient bloss dem Überleben, denn DRUUNA, das drückt sich in den Visionen und Träumen aus, wo sie jeweils mit SHASTAR zusammen ist, sehnt sie sich nach 'normalem' Sex und Zärtlichkeit. Diese Bilder der innigen, sinnlichen Umarmungen triefen nur so voller Romantik und der Sehnsucht nach Zärtlichkeit und Sonnenschein. Tatsächlich wird DRUUNA auch vergewaltigt und geniesst dies auch - nicht sofort, aber zunehmend. Das ist nicht normal, wie es diese Welt eben auch nicht ist. Wer hier einen Realitätsbezug auf das "Sexualverhalten weiblicher Geschöpfe" zu finden glaubt, sollte definitiv die Finger von diesen Novellen lassen. Hinzu kommt, dass sich DRUUNA eben NICHT zerstören lässt. Sie ist im Gegenteil eine ungeheuer starke Frau, die Männer hingegen verabscheuungswürdige, gefühl- und rücksichtslose Unmenschen der extremsten Sorte. Wie jemand anderes treffend geschrieben hat: einzelne Bilder dieses Zyklus mögen die Frauen wie willige, schmerzgeile Opfergestalten erscheinen lassen, der Zyklus als ganzes tut dies aber nicht. Die Männer sind es, die hier ihr eigentliches Fett abkriegen. Und abgesehen davon empfinde ich die masochistischen Neigungen gewisser Frauen doch eher als Erleichterung. Das Gegenteil, also ultimativ traumatisierte und ständig weiterhin geschundene Opferfrauen wäre weitaus schlimmer gewesen. Serpieri, denke ich, kann den meisten Lesern zutrauen, den Unterschied zwischen Fiktion und Realiät zu kennen.
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