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Moralische Klarheit. Leitfaden für erwachsene Idealisten
 
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Moralische Klarheit. Leitfaden für erwachsene Idealisten [Gebundene Ausgabe]

Susan Neiman
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 492 Seiten
  • Verlag: Hamburger Edition; Auflage: 1. Aufl. (21. September 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 386854223X
  • ISBN-13: 978-3868542233
  • Originaltitel: Moral Clarity. A Guide for Grown-Up Idealists
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 15 x 3,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 342.060 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

Das Lächeln der Kantianerin
Eine Philosphin, die so schreibt, dass man es versteht? Und darüber hinaus noch glaubhaft versichert, mit den Maximen der Aufklärung die Welt verändern zu können? Die in Berlin lebende Amerikanerin Susan Neimann ist so eine Ausnahmeerscheinung
»In Großbritannien und den Vereinigten Staaten hat Moralische Klarheit schon für Aufsehen gesorgt. Philosophisch geht es um die Wiederbelebung der Aufklärung im Sinne Immanuel Kants. Politisch geht es darum, den evangelikalen Christen und anderen konservativen Bewegungen die Deutungshoheit über Werte wie Moral, Idealismus und Heldentum zu entreißen. Mal liest sich das Buch wie eine Streitschrift, mal wie ein philosophischer Roman, mal wie eine essayistische Auslotung des Zeitgeists.« (Daniel Schreiber, Cicero)

» 'Moralische Klarheit' … ist frisch und inspirierend, verurteilt nicht, sondern ruft Optimismus hervor.« [zum Erscheinen der englischen Ausgabe] (Jane O'Grady, The Guardian)

Kurzbeschreibung

»Der Begriff Moral ist verpönt, ein Wort wie Held ist tabu, gut und böse tauchen nur mit Anführungszeichen auf«, so Susan Neiman, Philosophin und Direktorin des Einstein Forums in Potsdam. Mit ihrem Buch »Moralische Klarheit« will sie die Sprache der Moral und deren Konzept des Guten, die von konservativen Parteien und der religiösen Rechten vereinnahmt wurden, für die Linke zurückgewinnen. Denn das Scheitern des Kommunismus hat die Linke so gelähmt, dass sie nun meint, allen Idealen abschwören zu müssen und nicht mehr im Namen moralischer Werte wie etwa der Gerechtigkeit agieren zu können.
Diese politische Gegenwartsdiagnose nimmt Neiman zum Anlass, das Verhältnis von Moral und Politik auf einer philosophischen Ebene zu ergründen und die metaphysischen Grundlagen der Argumentationsgebäude der Linken wie der Rechten zu beleuchten. Dabei distanziert sie sich vor allem von Carl Schmitt, der den Bereich des Politischen strikt von dem der Moral getrennt sehen wollte. Für Neiman würde dies dazu führen, dass der Begriff des Sollens nicht mehr als kritischer Maßstab in der Politik verwendet werden dürfte. Ihr zufolge ist es nicht die Gesinnung, auf die es ankommt, sondern einzig und allein das Handeln, das sogar die Bereitschaft, das eigene Leben aufs Spiel zu setzen, einschließen kann.
Aus dieser Ethik der Verantwortung für das eigene Handeln entwickelt Neiman ein weiteres Kernthema ihres Buches: die Idee des Helden. Wozu brauchen wir Helden, warum reichen uns nicht Vorbilder? Was ist überhaupt ein Held? Den Begriff des Helden schärft sie zunächst an der Person des Odysseus, des wie sie meint ersten Helden der Moderne, der für Adorno und Horkheimer die Dialektik der Aufklärung veranschaulicht.
Susan Neiman verteidigt auf der Grundlage ihrer eigenen historischen Analysen die abendländischen Werte überzeugend gegen ihre Kritiker und entwickelt ein philosophisches Fundament für heutiges politisches Denken und Handeln. Durch ihre aktuellen Analysen von moralischen Urteilen über Gut und Böse sowie durch Beispiele von zeitgenössischen Helden, die bereit waren, um eines Ideals willen die engen Gleise ihrer Karrieren zu verlassen, entsteht eine völlige neue Sicht auf die Grundwerte der Aufklärung.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
28 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Die Inspiration für Neimans Buch war ihre Fassungslosigkeit über die Wiederwahl George W. Bushs im Jahr 2004. Was an ihm vermochte die amerikanischen Wähler zu begeistern? Neiman nimmt an, dass es die klare Wertorientierung war, die Konservative vor sich hertragen - sie bietet Identifikationsmöglichkeiten, einen Grund zum Stolz, lohnende Ziele. Für Linke und Liberale dagegen ist die Rede über Werte bestenfalls ein Widerschein der materiellen Verhältnisse, schlimmstenfalls eine Verschleierung realer Macht- und Unterdrückungsstrukturen.

Neiman teilt diese Ernüchterung über Werte nicht. Oft genug sind es Werte und Idealismus, die ihrer Meinung nach Menschen motivieren, und sie bedauert, dass die Linke hier nichts zu bieten hat. Also versucht sie, die Werte der Aufklärung für die Linke zurückzugewinnen. Als Grundlage dafür skizziert sie zuerst konservative und progressive Perspektiven auf Werte - und findet sie beide unzureichend. Sie begründet, warum sie Werte für einen mächtigen Treiber politischen Handelns hält, und führt dafür Beispiele von Menschen ins Feld, die auch im Angesicht des Todes ihre Überzeugungen von Richtig und Falsch hochhielten. Im zweiten Teil des Buches verteidigt sie die Aufklärung als mögliche Quelle von Werten und untersucht die Bedeutung ausgewählter aufklärerischer Werte. Neben der obligatorischen Vernunft fallen darunter auch weniger ausgetretene Beispiele, wie Glück, Ehrfurcht und Hoffnung. Den dritten Teil widmet sie einer Diskussion des "Heldentums": Von Odysseus bis zum israelischen Friedensaktivisten David Shulman illustriert sie anhand von Lebensgeschichten, was es bedeuten kann, Werte in die politische Praxis umzusetzen.

Man muss ihre politische Einstellung nicht teilen, um ihre Verteidigung der Werte unterschreiben zu können. Aber es ist sicherlich hilfreich, denn das Buch ist gespickt mit Seitenhieben auf die Bush-Regierung. Wem das aus dem Herzen spricht (oder wer bereit ist, darüber hinwegzusehen), wird die Lektüre genießen. Das Buch ist eine fulminante Verteidigung, wenn nicht gar Wiederentdeckung der so oft tot gesagten Aufklärung. Kenntnisreich begegnet sie der postmodernen Attacke, die Aufklärung sei der philosophische Boden für Naturausbeutung, Rassismus, Sexismus oder Kolonialismus - oder einfach eine kontextlose, blutleere Abstraktion. Überzeugend demonstriert sie, dass im Gegenteil Vernunft, Glück, Ehrfurcht und Hoffnung mächtige Quellen progressiver Politik sein können. Sie bewegt sich versiert in der Literatur der Aufklärung, ihre Beispiele sind lebendig und zeitgemäß, ihr Stil ebenso leidenschaftlich wie klug und amüsant.

Und doch gibt es neben einigen kleineren Störfaktoren eine große und bedauerliche Leerstelle in dem Buch. (Die Störfaktoren: Ein gelegentlich allzu assoziativer Stil, und ein manchmal unpräziser Umgang mit Sprache: so benutzt Neiman - in der Originalfassung - die Begriffe Idee (idea) und Ideal (ideal) austauschbar. Was freilich insgesamt dem Argument insgesamt nicht schadet; ihr ist es ohnehin um Ideale zu tun und nicht im weiteren Sinne um Ideen.)

Die bedauerliche Leerstelle betrifft die metaphysische Begründung ihrer Position. Neiman zeigt überzeugend, dass die Essenz aufklärerischen Denkens darin liegt, dass aus einem Sein kein Sollen folgt - also sind Sitte und Tradition, ist der empirische Zustand der Welt kein Argument dafür, wie sie sein "sollte". Diese Idee ist die Grundlage jeglicher progressiver Politik. Allerdings schweigt sich Neiman bedrückend konsequent darüber aus, was denn sonst die Grundlage eines "Sollens" bilden könnte. Was antworten wir jenen, für die ein politisches System nicht auf Vernunft (oder was wir dafür halten) begründet sein "sollte", nicht auf Gerechtigkeit und Chancengleichheit (die seltsamerweise in Neimans Werteauswahl nicht auftauchen, obwohl sie implizit oft zugegen sind), oder auf dem universellen Recht, nach Glück zu streben? Sondern beispielsweise auf religiösen Vorschriften, die die Unterdrückung der Frau, die Suspendierung der Meinungsfreiheit, den Angriff auf Kunst und Wissenschaft (einschließlich der Evolutionstheorie), ja, die Folter gegen "Ketzer" rechtfertigen? So beredt Neiman ist hinsichtlich des Sinns aufklärerischer Werte, ihrer Entwicklung in der Philosophie des 18. Jahrhunderts oder ihrer Anwendbarkeit in der Moderne, so schweigsam bleibt sie zu der Frage, *warum* man sich denn diese Werte zu eigen machen sollte und nicht irgendwelche anderen. Am Ende bleibt wenig mehr außer der Hoffnung, dass ihre Leidenschaft und ihr Witz, das Beispiel der "Helden" und die Intuition der (im 21. Jahrhundert lebenden, mit der Aufklärung sozialisierten) LeserInnen es richten werden. Ein diametraler Gegensatz zu ihrer These, dass Gewohnheit und Tradition, oder für "natürlich" gehaltene Emotionen eben *keine* Werte begründen.
Vielleicht ist es auch zu viel verlangt, von dem Buch die Lösung einer Frage zu verlangen, mit der sich Philosophen seit Jahrhunderten herumschlagen. Also vielleicht: einfach lesen, und sich von Neimans Klugheit und Leidenschaft begeistern lassen.
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Mit Lust gelesen 21. Mai 2011
Von Blaumaintal VINE™-PRODUKTTESTER
Wohl um zu zeigen was moralische Klarheit eigentlich gerade nicht auszeichnet und was also das Defizit US-Amerikanischer Politik ist zeichnet die Autorin ein/ihr Bild der US-Rechten und Linken zur Regierungszeit von George W. Bush. Die Rechten bewegen sich nach Meinung von Neiman zwischen der philosophischen Richtung Hobbescher Prägung und der Hegels: Sie träten mit dem Anspruch auf den Tatsachen gerecht zu werden und wenn man nur die Macht dazu hat auch gegebenenfalls seine Ziele zu erreichen ohne es mit der Wahrheit allzu genau zu nehmen auf der einen Seite, auf der anderen Seite poche man immer wieder auf die Werte der Aufklärung ohne dass allerdings klar werde, was die genaue Natur dieser Werte nun sei. So hätten die Konservativen sozusagen 2 Metaphysiken, nämlich die, dass die einzige Realität eine materielle ist und diejenige, dass Ideen Berge versetzen können, beide immer wieder kombiniert um intellektuelle und moralische Überlegenheit zu suggerieren, obwohl beide Metaphysiken eigentlich gar nicht so recht zusammenpassen würden und damit letztlich das Vertrauen in moralische Werte überhaupt untergraben werde. Die Linke hat nach Neiman dagegen gar keine Metaphysik anzubieten und stünde mit leeren Händen da. Darum sei sie unfähig die Herzen der Menschen zu gewinnen. Die Autorin ist der Ansicht, dass beide Seiten etwas Entscheidendes vermissen lassen, nämlich eine philosophische Grundlage um den Unterschied zwischen dem Was-Ist und dem Was-Sein-Soll zu verstehen und Etwas zu konstruieren was von dem Einen zum Anderen führt und was man in seiner besten Weise als moralische Klarheit bezeichnen kann. Diese moralische Klarheit sucht die Autorin neu freizulegen und zu vermitteln, indem sie die Werte der Aufklärung (z.B. Glück, Vernunft, Ehrfurcht, Hoffnung) darstellt und gegenüber Kritikern rehabilitiert. Anhand von 4 Kurzbiografien von heldenhaften US-Bürgern unserer Zeit zeigt sie dann wie sich diese Ideale auch heute noch verkörpern und uns zum Vorbild dienen können. Aber auch etwa die biblischen Gestalten Abraham und Hiob sind für die Autorin schon "aufgeklärte" Wege gegangen um vom Sein zum Sollen zu gelangen.

Meiner Meinung gelingt der Autorin eine außergewöhnliche, tiefschürfende philosophische Analyse auf dem Hintergrund US-Amerikanischer Gegebenheiten. Als erklärte Anhängerin und Wahlhelferin Obamas hat sie die Hoffnung, dass dieser das Vertrauen in moralische Werte wieder stärkt, das auch nötig sei um die Bevölkerung auf längere Sicht an seine gute Sache zu binden und die Welt so positiv verändert werden kann. Für einen "Leitfaden für erwachsene Idealisten", wie es der Untertitel dieses Buches verheißt, reicht es aber meiner Meinung nach nicht, denn dafür ist das Buch schlicht '- zu anspruchsvoll und zu komplex. Ich habe es allerdings mit großer Lust gelesen, auch wenn ich den Eindruck habe, dass es mehr polarisiert als zusammenführt.
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