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Moral als Macht: Eine Philosophie der historischen Erfahrung
 
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Moral als Macht: Eine Philosophie der historischen Erfahrung [Taschenbuch]

Rolf Zimmermann
3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 240 Seiten
  • Verlag: rororo; Auflage: Orig.-Ausg., (1. April 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499556936
  • ISBN-13: 978-3499556937
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12,4 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 880.271 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Völkermord, Kriegsverbrechen, ethnische Säuberung – die historische Erfahrung zeigt, dass solche Katastrophen auf Beweggründe zurückgehen, die nicht einfach als „unmoralisch“ zu bezeichnen sind. Vielmehr verweisen Nazismus, Stalinismus, ethnischer Chauvinismus etc. auf die Dimension eines moralischen Andersseins, dessen inhumane Erscheinungsformen lange Zeit unvorstellbar schienen.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Brisante Moral 18. Juni 2008
Das Buch plädiert für ein historisches Verständnis von Moral aus der philosophischen Durchdringung von historischer Erfahrung. Dabei wird in origineller Weise eine jeweils besondere Moral als treibende Macht für Großkatastrophen entschlüsselt, die gewöhnlich als Ausdruck von Unmoral gelten. Zimmermann zeigt auf, welche Erlösungsmoralen" hinter dem Geschehen des Holocaust, hinter der stalinistischen Kulaken-Vernichtung durch Hunger (Holodomor"), hinter dem Völkermord an den Armeniern, aber auch in verwandter Weise hinter dem Massaker von Nanking" (manchmal auch pazifischer Holocaust" genannt), stehen. Durch das Herausarbeiten der moralisch-historischen Besonderheit der jeweiligen Geschehnisse wird vermieden, dass eine philosophisch oberflächliche Geschichtsdiagnose der Moderne" geliefert wird, die Auschwitz oder den Gulag oder auch Hiroshima in nivellierenden Begriffen einer Kritik der instrumentellen Vernunft" oder eines Verhängnisses moderner Technik fasst. Hiroshima war ein epochales Kriegsverbrechen, doch ist es aus Motivationen erklärbar, die nichts mit Auschwitz zu tun haben. Zimmermann gelingt eine beeindruckende Verbindung von historischer Forschung und philosophischer Reflexion. Der für viele immer noch tabuisierte Vergleich von Rassenmord und Klassenmord aus spezifischen Gründen einer jeweils anderen Moral verdient besondere Beachtung. Zum Verständnis der nazistischen Moral wiederum sollte man Zimmermann parallel zu Jonathan Littells Die Wohlgesinnten" lesen.
Interessant ist weiter, wie der moralische Universalismus Kants und die Moral der Menschenrechte als inhaltlich-historische Alternative zu Nazismus, Bolschewismus und anderen Erlösungsmoralen" interpretiert werden und damit ihren Status als quasi a-historische Garanten von Moral verlieren. Schließlich bietet die Auseinandersetzung mit Nietzsche eine Vertiefung des historischen Verständnisses von Moral aber auch den Nachweis der inneren Verwandtschaft von Nietzsches Transformationsmoral" (Übermensch etc.) mit den Erlösungsmoralen von Nazismus und Bolschewismus. Und die Konsequenzen für die Gegenwart? Zimmermann schlägt eine politische Ethik vor, die sich systematisch auf einen (kollektiven) Begriff von historischer Verantwortung stützt.
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Der Titel ist spannend - was folgt eher langweilig. Zum einen, weil der Autor inhaltlich wiederholt, was er schon in "Philosophie nach Auschwitz" dargestellt hatte. Langweilig aber auch aufgrund einer enervierenden Redundanz und eines (je nach Kapitel unterschiedlich intensiven) "Jargons der Eigentlichkeit" (um des Autors kaum erwähnten Antipoden Adorno zu zitieren). Theoretische Grundlage der Äußerungen Zimmermanns ist eine revidierte Totalitarismustheorie der 90er Jahre, aus der sich die offene Türen einrennende Hauptthese ergibt, dass sich aus bestimmten Menschheitsverbrechen eine historisch zu begründende universelle Moral der Menschenrechte abzuleiten habe. Man fragt sich - etwas verzweifelt: Ja, was denn sonst?

Diese These wird im folgenden historischen Hauptstück auf Holocaust, stalinistische Verbrechen, die Verbrechen an den Armeniern und auf den Abwurf der Atombomben angewandt. Dabei geht es m.E. sehr holzschnittartig zu. Zimmermann erkennt im Holocaust ein "inhumanes Anderssein"im "nazistischen Entwurf" (sic), ein sehr vereinfachendes Verfahren. Das Verunsichernde - und darauf weist Zimmermann im Unterschied zu seinem Referenzautor Welzer nicht hin - ist gerade die bei den Massenmördern zu findende Koexistenz (Identität?) von Vernichtungsmoral und bürgerlicher Privatmoral. Die Täter waren bei weitem nicht alle lupenreine NS-Ideologen, und nach dem Krieg konnten sie problemlos ohne Transformation ihrer "Moral", aber totalitarismustheroetisch und -praktisch weiterleben. Die Himmlers hingegen haben töten lassen, aber nicht selbst getötet. Und hier stellt sich in der Tat die Frage nach dem geellschaftlichen Verhältnis von Macht und Moral. Nur nicht für den Autor.

Zum Hauptstück gehört auch die Interpretation der stalinistschen Verbrechen. Vor allem hier werden die Grenzen der angewandten Totalitarismustheorie deutlich. Zimmermann setzt den von Stalin schulterzuckend hingenommenen und von Tausenden Aktivisten bewirkten millionenfachen Hungertot von Ukrainern mit dem Holocaust gleich ("Holodomor") - ein fragwürdiges Unterfangen, das zudem nur den politisch prononcierten Teil der Stalinismusforschung aufnimmt (Schwarzbuch, Furet, Beberowski) und zu sehr allgemeinen "Identitäten" von Kommunismus und Nazismus kommt ("Wille zur Macht", Teleologie der Erlösung, "neuer Mensch"). Gerade hier glaubt man sich in den Kalten Krieg zurückversetzt.

Das dritte historische Beispiel stellt für den Autor ein Problem dar: die Atombomben auf Hirohima und Nagasaki.Er löst diese Schwierigkeit, indem er dieses Verbrechen als "akzidentiell", und nicht "essentiell" (wie die Verbrechen von Nazismus und Kommunismus)darstellt. Truman sei "von einer universalistischen Integrationsmoral geprägt" (S. 82), so dass die Atombombenabwürfe als "Fehler" oder "Verletzungen" der universalistischen Moral zu sehen seien, eine Argumentation, die er dem nun wirklich universalistisch orientierten Marxismus nie zugestehen würde. En passant werden dann noch zwei "Linke" (Anders, Baumann) und ein "Rechter" (Heidegger) "widerlegt". Die Philosophie der Menschenrechte befindet sich halt in der Mitte.

Ich überspringe den "philosophischen" Hauptteil (Auseinandersetzung mit Nietzsche) wegen der oben erwähnten Redundanz und komme zur Schlussforgerung Zimmermanns:

Für Zimmermann sind die BRD und "das Deutsche Reich unter Hitler" nicht mehr vergleichbar (unklar formuliert: vergleichbar natürlich, aber nicht gleich, was aber kaum noch jemand behauptet). Trotzdem verbindet beide Staaten eine historische und moralische Verantwortung; Scham und Verantwortung sind nicht vergangen.

Das allerdings war mir auch schon vor der Lektüre dieses Buches bewusst und zwar clare et distincte.Positiv ist jedoch, dass Zimmermann mich anregte, wieder zur Negativen Dialektik Adornos zu greifen. Quelle différence!
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