Der 13-jährige Boris hält es daheim nicht mehr aus. Er hat Probleme mit Benno, dem Lebensgefährten seiner Mutter, der sich, nichtsnutzig, schmarotzerhaft und aggressiv bzw. gewalttätig, einfach in ihrer Wohnung eingenistet hat. Als der ihn wieder einmal besonders arg schlägt, beschließt Boris, von zu Hause wegzugehen - einfach irgendwohin, erstmal in die nahe gelegene Stadt Berlin.
Doch dort ist seine Situation nur bedingt besser. Er macht Bekanntschaft mit den Schwierigkeiten, die man ohne Geld, ohne Übernachtungsmöglichkeit, ohne Anlaufstelle hat. Er sieht, wie sich sein Leben dadurch vollkommen verändert und er vieles, z. B. seinen besten Freund Markus und das über alles geliebte Hobby Inlineskaten, aufgeben muss. Dabei wird im Buch auch vor Themen wie Drogen, Kriminalität und Prostitution nicht Halt gemacht. Das Einzige, was ihn über Wasser hält, ist die vertraute Gesellschaft seiner Schildkröte Schilly und die Freundschaft zu den beiden Straßenkids Max und Milly, in die er sich sogar verliebt. Doch mit der Zeit, als das Geld immer knapper und die Witterung immer kühler wird, merkt Boris, dass es ihn doch wieder nach Hause zieht. Er hat nun den Mut, sich gegen Benno zu stellen.
Das Buch ist offen und schonungslos und geht unter die Haut. Es zeigt den Lesern ein Milieu, das hoffentlich kaum einer aus eigener Erfahrung kennt, aber auch allgemein, dass Weglaufen keine Lösung für Probleme im Elternhaus ist. Leider finde ich die Sprache stellenweise etwas zu aufgesetzt, zu gekünstelt jugendlich und cool. Das richtige Level für den Jargon des Milieus zu treffen, ist zugegebenermaßen sicher nicht einfach, aber es ist hier auch nicht gänzlich gelungen.
Trotzdem eine sehr interessante und packende Geschichte.