Ende der 90er-Jahre verzückte das Duo Loona, alias DJ Sammy und Sängerin Marie-José van der Kolk Ballermann-Fans mit eingängigen Dancefloorhits wie "Bailando" oder "Mamboleo". In den letzten Jahren wurde es still um die beiden. Nach der Trennung von DJ Sammy versucht die Holländerin, gepusht von der "Popstars"-TV-Präsenz, mit "Moonrise" ein Solo-Comebackversuch nach altem Strickmuster.
Masse ist nicht gleich Klasse. Diese Floskel kann spielend auch auf Loonas neue Platte angewendet werden. Auf "Moonrise" packt die holländische Sängerin 21 Songs mit einer Spieldauer von fast 80 Minuten. Dabei handelt es sich aber nicht nur um neues Material. Fünf ihrer größten Charterfolge spielte Loona "neu" ein.
Böse Zungen würden hier vermuten, dass sie lediglich auf Nummer sicher gehen wollte, um einen Flop zu verhindern. Die neuen Versionen sind leider so einfallslos, dass selbst Fans der trashigen 90er-Jahre-Hits nur mit dem Kopf schütteln können. "Bailando" wird jetzt dreist mit dem charakteristischen Technotronic-Beat "Pump Up The Jam" unterlegt, und auch Loonas höchst erfolgreiche Mecano-Coverversion "Hijo de la luna" wurde mit unpassenden Gitarren- und Saxofonsoli aufgepeppt, die den gefühlvollen Balladencharakter nur noch erahnen lassen.
Loonas neue Songs wirken beliebig, gesichtslos und biedern sich an. Dafür stellvertretend steht ihre erste Singleveröffentlichung "Por la noche": Die Produzenten von Marquess zimmerten Loona ein dreistes Plagiat des spanischsprachigen Sommerhits "Vayamos Companeros".
Im Mittelteil springt der Beat unvermittelt auf Nelly Furtados "Say It Right" um, als wäre es klug, zwei bekannte Melodien in einen Titel zu packen. Zwischendurch trällert Loona mit ihrem dünnen Stimmchen "Un, dos, tres" oder "La, la, la". Diese textliche Niveaulosigkeit zieht sich durch das ganze Album. Ganz gleich, ob Loona in englischer Sprache, wie auf der fetzigen Disco-Nummer "Shining Star", oder auf Französisch im stupiden Dancefloor-Song "Et me voila" singt. Negativer Höhepunkt von "Moonrise" ist aber die Kitsch-Ballade "Gib mir deine Angst", in der Loona sich mit schauerlichem Akzent im Gesang auf Deutsch versucht.
Im Ganzen zusammen gezählt, ergibt dies ein sehr enttäuschendes Album.