Schlechte Nachricht für alle, die in Chris de Burgh stets einen süßlichen Schnulzenbarden gesehen haben, denn die werden mit "Moonfleet & Other Stories" dazu genötigt, von ihrem Standpunkt abzukommen. Chris de Burgh zieht mit diesem erwachsenen, reifen Musical alle Register seines Könnens, und setzt darüber hinaus noch ein paar neue, für ihn untypische musikalische Akzente.
"Moonfleet" von John Meade Falkner ist ein Abenteuerroman, in dem es um die Erlebnisse eines 15-jährigen Jungen im 18. Jahrhundert geht. Dieses Jugendbuch hat dem heranwachsenden Chris de Burgh damals sehr gefallen, und in den ersten 50 Minuten seiner CD hat er es jetzt in Form von Liedern vertont und nacherzählt. Zwischendrin gibt es ein paar kurze, von einem gewissen Chris Porter mit tiefer Stimme gesprochene Beiträge. Schön zu wissen, dass de Burgh alle Songs (wieder mal) selbst komponiert hat. Das Ergebnis ist eine grandiose moderne Symphonie. Klassik fürs 21. Jahrhundert mit teils ineinander übergehenden, zusammenhängenden Stücken. Dabei gelingt ihm der Spagat zwischen großen pathetischen Feuerzeug-Balladen (sehr oft mit Orchester) und freudigem, schwungvollem Folkrock mit wiederkehrenden Shanty-Einlagen ("What Shall We Do With The Drunken Sailor").
Als Zugabe zu dem Konzept-Teil gibt es hintendran noch ein halbes reguläres Album: Auf den Tracks 19-24 hört man 22 Minuten lang neue Lieder, deren Texte nichts mit "Moonfleet" zu tun haben, und die einmal mehr beweisen, was für ein begnadeter Komponist und Sänger Chris de Burgh ist. Mit einer Fülle harmonischer, herzberührender Klänge hat der Ire sich selbst übertroffen. Sein größter Wurf in 36 Jahren Karriere liegt vor. Das letzte Stück heißt "People Of The World", und ich möchte abschließend jenen "Menschen dieser Welt" empfehlen, sich die CD gegenseitig zu Weihnachten zu schenken. Ich glaube, die Möglichkeit, dass jemand mit diesem Geschenk unzufrieden sein könnte, ist auszuschließen.