Will man Louis Thomas Hardins Musik stilistisch irgendwie einordnen, so kann man es nur über seine verschiedenen Schaffensphasen und selbst dann wird man Probleme damit haben. ,Moondog' von 1969, seine Debut Platte für Columbia Records, lässt sich vielleicht am ehesten noch dem ,Third Stream' - also jener Verbindung aus moderner Klassik und Jazz zuordnen, die als Beschreibung auf einige ,klassische' Werke von Frank Zappa zutreffen.
Charakteristisch sind hier vor allem die voll-orchestrierten, aber mit durchgehender Schlagwerk- oder percussion Begleitung unterlegten Stücke. Dabei ist diese Musik aber niemals schwierig oder atonal - im Gegenteil sie schleicht sich vom ersten Moment mit unwiderstehlichem Charme wegen ihres melodischen Reichtum ins Ohr des Zuhörers. Die eher klassisch geprägten Stücke wie das wunderschöne ,Ode To Venus' oder das verspielte ,Minisym' erinnern dann auch wieder ganz oft an Michael Nyman- vor allem wegen ihrer einfallsreichen Variationen ein und desselben Themas.
Die percussion Begleitung wiederum erinnert rhytmisch an indianische Tänze. ,Bird's Lament', dass er seinem Freund Charlie Parker widmete, ist naturgemäß am nähesten am Jazz und die ineinander verwobenen Saxophone werden folgerichtig von einem akzentuierten Shufflebeat begleitet, trotzdem haftet auch diesem Stück etwas klassisches an.
So schwierig es auch ist diese Musik zu beschreiben, so leicht ist Sie zu hören und auch so einzigartig ist Sie. Es ist also kein Wunder, dass Moondog eine große Inspirationsquelle und ein großes Vorbild für Musiker aller Stilrichtungen - von Paul Simon, über Peter Hammill bis Steve Reich, von Pop über Jazz bis Klassik war und ist.
Ergreifend, stimmungsvoll, fröhlich, bedrohlich, euphorisch - all das ist diese - mit 30 Minuten leider viel zu kurze - Platte, aber ein Schatz in jeder besser sortierten Sammlung. Einer der jedem Musikfan auch eine neue Erfahrung eröffnet und seinen Horizont erweitert.