Claudia, Erzählerin wie Objekt der Erzählung, führt durch die "Geschichte der Welt", wie sie es nennt. Ihr eigenes Lebens ist es, das sie - nicht linear von der Wiege bis zu Bahre, vielmehr motivisch verknüpft - vor dem Leser auffächert. Es sind die prägenden Beziehungen zu Menschen, die ihr Leben teilen oder kreuzen, aus denen (die) Geschichte gewebt ist. Und mitten drin Claudia, deren Bild sich lebendig, sehr intim und durchaus widersprüchlich abzeichnet. Da wird nichts beschönt, keine moralischen Urteile gefällt und schon gar nicht Sinn gesucht. Diese herbe Figur mit all ihren Schwächen und Sehnsüchten hat mich sehr berührt. Und die erzählerische Form, den eigenen inneren Bezügen und Motiven zu folgen statt chronologischer Ereignisse, ist aufregend und verführt dazu, dasselbe Experiment anzustellen. Das hat was wirkliches.