Wie lautete der Refrain eines bekannten Prinzen-Songs noch mal:
"Manchmal wird der Mann im Mond für seinen treuen Dienst belohnt...".
Tja, im Falle von Sam Bell, dem Protagonisten des Films "Moon", trifft dies leider nicht zu.
Der Astronaut, der auf unserem Erdtrabanten als Ein-Mann-Besatzung eine Anlage zur Helium3-Gewinnung (eine zukünftige Energiequelle für die Erde) betreibt und wartet, steht kurz vorm Ende seines 3-Jahres-Vertrags mit der Firma Lunar Industries; in 14 Tagen darf er wieder zurück auf die Erde. Zurück zu seiner Frau und seiner Tochter.
Durch Zufall macht er jedoch eine unglaubliche Entdeckung, die bedrückende Details über seine eigene Person und.die wahren Absichten seines Arbeitgebers ans Licht bringen...
"Moon" ist anders als die anderen Sci-Fi-Filme der letzten Jahre kein Action-Kracher oder mit vielen optischen Tricks versehenes Blendwerk, sondern ein sehr ruhiges Filmchen, genauer ein Kammerspiel mit einem tollen Sam Rockwell, auf dessen Schultern sich der gesamte Film stützt. Von seiner Idee und Machart her wird Sci-Fi-Kennern schnell ersichtlich, dass der Regisseur Duncan Jones (Sohn von Sänger David Bowie) Film-Klassiker wie "Lautlos im Weltall", "2001" oder "Solaris" zum Vorbild genommen hat. Die spartanische Einrichtung und die Räumlichkeiten der Mondbasis wirken ähnlich trist und steril wie man es aus den alten 70er-Schinken kennt, die Effekte wurden überwiegend mit herkömmlichen Modellen realisiert, CGI-Szenen gibt es dagegen sehr wenige.
Die Story rund um Sam Bell verweist widerum auf Motive zu Ridley Scott's "Blade Runner". Um nicht alles vorab auszuplaudern nur soviel:
der Drang nach Individualität und der Rechtsanspruch auf Leben wird in ähnlicher Form aufgegriffen.
Und der Mondbasis-Roboter GERTY - Sams einzige "Bezugsperson", wenn man so will - ist eine deutliche Hommage an den in "2001" außer Kontrolle geratenen Supercomputer HAL 9000, mit dem einzigen Unterschied, dass Ersterer sich im Laufe des Films doch als Menschensympathisant und echter "Freund" mit einem Gewissen erweist.
Der Ideen-Klau ist nicht zu übersehen, geht aber kaum zu Lasten des Films. Die nihilistische und sehr von Einsamkeit geprägte Atmosphäre (unterstützt mit einem einfachen, aber unglaublich stimmigen, sehr synthetisch klingenden Score) und das emotionale Solo-Spiel von Rockwell bilden den starken Kern dieses Films. Auch wenn die Handlung im Grunde genommen nicht wirklich neu ist, wurde sie doch recht anspruchsvoll inszeniert.
Zum modernen Klassiker wird es "Moon" dennoch nicht schaffen. Warum?
Dem Film mangelt es deutlich an Eigenständigkeit. Zudem begeht der Regisseur den großen Fehler und lässt schon nach einer knappen halben Stunde die Bombe platzen, sprich der große Plot-Twist ereignet sich viel zu früh. Hier hat man klar übereilt das gesamte Pulver "verschossen", denn über die letzte Filmstunde geht die Handlung weitestgehend überraschungsfrei und recht vorhersehbar vonstatten, was nicht gerade wenig Spannung und Dramatik kostet.
Dennoch ist "Moon" ein sehr sehenswertes und minimalistisches Sci-Fi-Drama, das gerne auch als "Teil-Remake" alter Genre-Klassiker gezählt werden darf. Vollgestopft mit Zitaten eben Dieser, aber auch mit (wenn auch wenigen) eigenen Ideen.