Moodle 1.9
for Second Language Learning
Als ich von Jeff Stanford gebeten wurde, eine kurze Rezension zu Moodle 1.9 zu schreiben, hatte ich eigentlich meine Bedenken - ein weiteres Buch, das voll im Trend liegt". E-Learning ist schließlich in aller Munde. Doch ich hatte Jeff bei seiner intensiven Arbeit beobachtet und glaube, wenn jemand mit soviel Energie, Enthusiasmus und Überzeugung an einem Buch arbeitet, muss das Resultat einfach gut werden.
Ich bin Englischlehrerin, habe über viele Jahre berufsbegleitend Englischlehrer ausgebildet. Meine Expertise liegt also eher im Bereich Fachdidaktik. Über Computer weiß ich nicht mehr als andere EFL-Lehrer auch.
Eine weitere Motivation für mich, diese Rezension zu verfassen, war, dass unsere Schule in diesem Schuljahr teilnimmt an einem Pilotprojekt zur Einbindung von Computern in den Unterricht nicht-technischer Fächer (KALSA - Kompetenzorientiertes Arbeiten mit Lernplattformen in Sachsen-Anhalt).
Gleich zu Beginn - das Buch ist für Kolleginnen und Kollegen, die einen kommunikativen Fremdsprachenunterricht unter Verwendung moderner Medien führen wollen, sehr nützlich und hilfreich. Die beiden ersten Kapitel geben einen Überblick und vermitteln technisches Hintergrundwissen. Für Lehrkräfte, die nicht im IT-Fach arbeiten, könnte es freilich irritierend sein, dass fachdidaktische Konzepte z.T. erklärt wurden, einige technische Abkürzungen aber nicht. Das Verständnis wird dadurch jedoch nicht wesentlich beeinträchtigt. Konsequent erklärt der Autor anhand anschaulicher Beispiele, wie Moodle 1.9 im Fremdsprachenunterricht eingesetzt werden kann. Auch Redundanzen in den ersten beiden Kapiteln sind zwar ärgerlich, führen aber gleichzeitig dazu, dass der Leser das Gefühl hat, schon sehr viel zu wissen.
In den Kapiteln 3 bis 8 wird beschrieben, wie mithilfe von Moodle 1.9 die für den Fremdsprachenunterricht typischen Fertigkeiten Sprechen, Lesen, Schreiben und Hören entwickelt werden können. Übungen zu Wortschatz und Grammatik komplettieren die Hinweise. Jeff Stanford geht dabei immer von relativ leicht zu realisierenden Modulen aus, die im Laufe der Arbeit mit ihnen immer anspruchsvoller und komplizierter werden. Hingewiesen wird stets auch auf mögliche Schwierigkeiten und Probleme. Dadurch muss der Leser diese Erfahrungen nicht selbst schmerzvoll machen.
Die im Umgang mit Moodle unerfahrene Lehrkraft sollte sich jedoch keinen Illusionen hingeben: Zunächst bedeutet die Arbeit mit dieser Plattform Mehrarbeit, immer neues Probieren und einen erhöhten Zeitaufwand. Auf lange Sicht allerdings wird sich die Arbeit mit Moodle als sehr hilfreich erweisen: die Lehrkraft kann Zeit sparen und mit Moodle einen modernen und kommunikativen Fremdsprachenunterricht durchführen. Relativ leicht lässt sich hier Vokabelarbeit mit Beispielgeschichten verbinden und neuer Wortschatz in vielfältige Aktivitäten einbinden. Selbst Grammatikarbeit kann mit einer Podcast lecture richtig Spaß machen. Aktivitäten in den Bereichen Schreiben und Lesen lassen sich ebenfalls ohne großen Aufwand erstellen. Besonders interessant für die Lehrkraft dürfte insbesondere die Möglichkeit sein, auch Hörübungen und die Schulung des Hör-Seh-Verstehens einzubinden. Hier gibt Jeff Stanford sehr sinnvolle und (für den Laien) hilfreiche Hinweise, angefangen von nützlichen Quellen und Abspielmöglichkeiten bis hin zu aktivierenden Schüleraktivitäten.
Wenn Jeff Stanford am Beginn von Kapitel 9 schreibt, dass die Bewertung von Schülerleistungen langweilig, stressig und formal ist, dann spricht er wohl nicht nur mir aus dem Herzen. Besonders interessant dürften Lehrkräfte deshalb wohl die Möglichkeiten finden, die Moodle assessment tools bieten. Schülerinnen und Schüler werden viele der Aktivitäten z. B. im Multiple-Choice-Format als spielerische Alternative zum normalen" Unterricht empfinden und gar nicht bemerken, dass die Lehrkraft alle Antworten leicht für die Bewertung nutzen kann. Hier unterstützt Moodle auf sehr sinnvolle Weise die tägliche Arbeit eines Lehrers, denn der Korrekturaufwand ist insbesondere für Fremdsprachenlehrer sehr hoch. Ein weiterer Vorteil: Mit Hilfe von Moodle kann man den Schülern sinnvolles Feedback geben - einmalig ein hoher Aufwand, dann aber sind die Deskriptoren immer wieder zu nutzen. Die Schüler werden dankbar sein für die hilfreichen Hinweise zu ihrem sprachlichen Potenzial, aber auch zu ihren Schwächen.
Interessant erscheint hier auch die Verknüpfung der Beschreibung der sprachlichen Fertigkeiten mit den Deskriptoren des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens, mittlerweile von allen Lehr- und Rahmenplänen der Bundesländer gefordert. Auf der Moodle-Plattform können sich die Schülerinnen und Schüler in Form von Can-Do-Statements selbst einschätzen.
Mit ein bisschen Übung kann man auch grafisch sehr ansprechende Aktivitäten und Module für die Schüler zusammenstellen. Jeff Stanford gibt hierzu (u.a. auf seiner Webseite) sachdienliche Hinweise.
To put it in a nutshell, Moodle 1.9 for Second Language Teaching ist ein sehr nützliches Hilfsmittel für alle Lehrerinnen und Lehrer, die in ihren Unterricht moderne Medien einbeziehen möchten und dabei Hilfe, ja sogar ein paar Rezepte" und How-to-do-it"-Hinweise benötigen. Jeff Stanfords Buch ist auch für Lehrkräfte, die keine Computerfreaks sind, ein sehr lesbares und sachdienliches Buch.