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Monument für John Kaltenbrunner: Vom Schlachten des gemästeten Kalbs und vom Aufrüsten der Aufrechten. Roman
 
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Monument für John Kaltenbrunner: Vom Schlachten des gemästeten Kalbs und vom Aufrüsten der Aufrechten. Roman [Gebundene Ausgabe]

Tristan Egolf
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (15 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 502 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 2 (13. August 2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518411810
  • ISBN-13: 978-3518411810
  • Größe und/oder Gewicht: 22,1 x 13,4 x 3,7 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (15 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 229.001 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Tristan Egolf
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Wenn sich eine ganze Provinzgemeinde bis auf die Knochen blamiert hat, ist es nicht verwunderlich, wenn das Kollektiv die Geschichte zu beschönigen sucht. Eben dies versuchen auch die Bewohner des amerikanischen Provinznestes Baker. Die Sache hat nur einen Haken: Es gibt dort ein paar gewissenhafte Menschen, die den gesamten Umfang der Ereignisse besser kennen, und da es sich hierbei um die ortsansässigen Müllmänner handelt, ist Tristan Egolfs Erstlingsroman Monument für John Kaltenbrunner wohl der erste Roman mit einem Müllmann als Erzähler. Aber das ist nicht das einzig Kuriose an diesem literarischen Debüt.

Egolf erzählt die Lebensgeschichte des John Kaltenbrunner, eines skurrilen Außenseiters und grandiosen Pechvogels, dem vom Schicksal und den Bewohnern Bakers immer wieder übel mitgespielt wird. Da er schon früh den Vater verloren hat und die Mutter seitdem in Lethargie verharrt, nimmt sich John noch vor seiner Pubertät vor, aus der maroden Farm ein florierendes Geflügelunternehmen zu machen. Alles läuft gut, bis ein verheerender Tornado die Farm in Schutt und Asche legt.

Aber damit nicht genug: Als seine Mutter schwer erkrankt, machen sich gierige "Methodistenvetteln" daran, John auch noch um den verbliebenen Rest an Hab und Gut zu bringen. John verbarrikadiert sich auf der Farm, bis er mit Gewalt herausgeholt und zu drei Jahren Arbeitsdienst auf einen Frachtkahn verurteilt wird. Und auch nach seiner Rückkehr findet der Unglücksrabe keine Ruhe: Immer wieder wirft ihn das Schicksal zu Boden und die Bewohner Bakers trampeln weiter auf ihm herum. Und erst als John bei der städtischen Müllabfuhr landet, bietet sich eine Chance auf die lang ersehnte Rache: Er führt die Müllmänner in einen Streik, der Baker einen Albtraum aus Dreck und Gestank beschert.

Egolfs Roman ist eine einzige gnadenlose Abrechnung mit dem Provinzleben. Süffisant und genüsslich zelebriert er eine Destruktionsorgie nach der anderen und treibt seinen Held wie dessen Widersacher in immer aberwitzigere Situationen. Ein bemerkenswertes Debüt, mit einem Helden, der das literarische Kabinett grotesker Figuren um ein vollwertiges Mitglied bereichert. --Harald Stucke

Neue Zürcher Zeitung

Heros im Hühnerstall

Tristan Egolf malt die Schrecken amerikanischen Landlebens

«Furios»: So nennen Rezensenten interessante Débutromane gerne, wenn sie nicht recht wissen, wohin mit ihnen. Auch Tristan Egolfs «Monument für John Kaltenbrunner» ist so ein Fall, doch der Furor ist hier durchaus wörtlich zu verstehen. Kawumm, peng, berst – so donnert es einem aus diesem nicht eben dünnen Band auf konstant schmerzhaftem Dezibel-Level entgegen. Etwa ein Fünftel des Buchumfangs, so scheint es zumindest, ist der Schilderung von Massenschlägereien gewidmet – die subtileren Qualitäten des Buchs dringen da kaum noch durch.

John Kaltenbrunner kommt im Provinznest Baker im amerikanischen Corn Belt auf die Welt. Sein Vater, der charismatische Vizechef einer Kohlenmine, starb drei Monate zuvor bei einem Grubenunglück. John ist vaterlos, haltlos, orientierungslos – bis er die heruntergekommene Farm der Eltern als idealen Gegenstand entdeckt, an dem er seine unerschöpfliche Energie austoben und bei sich sein kann. John hat kaum Schreiben und Lesen gelernt, da feiert er Züchtungserfolge, wendet neueste landwirtschaftliche Techniken an. In die Schule will er nicht mehr.

So beginnt Egolfs Buch als Bildungsroman über einen Helden, der Bildung ablehnt und nur sich selbst zum Lehrer hat. Es ist die Geschichte eines Genies als Bauer, eines frühreifen Virtuosen der Mistgabel; eines Freigeists, der ebenso borniert ist wie seine Umgebung; eines Aussenseiters, der sich, statt die verhasste Heimat zu verlassen, auf seiner Farm verschanzt, um dort das zu tun, was die anderen auch machen – nur besser. Egolf nimmt klassische Topoi auseinander und baut sie – mit wechselndem Erfolg – zu Paradoxien wieder zusammen.

Ob Schuldirektor, Klassenkameraden oder die eigene Mutter: John, dessen Horizont nicht weiter reicht als die Stadtgrenze des muffigen Landnestes, hat für die Welt nur Verachtung übrig. Zunächst erscheint der Hass reichlich unmotiviert. Mit pubertärer Sturheit provoziert das Landwirtschaftstalent seine angebliche Unterdrückung. Erst als eine Bande scheinheiliger «Methodistenvetteln» die Farm übernehmen will, die ihnen die sterbende Mutter vererbt hat, wendet sich das Blatt. John liefert der Polizei eine hitzige Schlacht und wird schliesslich zu drei Jahren Arbeit auf einem Flussschiff verurteilt. Seine Mutter ist tot, das Erbe verloren.

Ein Aussenseiter hat Unrecht erlitten und wird, ohne sich schuldig gemacht zu haben, aus der Stadt gejagt. Körperlich und spirituell bis zur Unbesiegbarkeit gestärkt kehrt er einige Zeit später zurück. Gemeinsam mit anderen Underdogs nimmt er Rache und zwingt als Held die früheren Feinde in die Knie. Mit Kaltenbrunners Geschichte interpretiert Egolf diesen klassischsten aller Western-Topoi neu. Zurück in Baker, heuert sein Rebell nach einer Reihe anderer schauerlicher Jobs bei der Müllabfuhr an. Schnell schwingt er sich zum agent provocateur eines wilden Streiks auf, der die Stadt ins stinkende, ungezieferverpestete Chaos stürzt.

Mit dem fulminanten ersten Drittel des Buchs erwirbt sich Egolf einen fast unbegrenzten Kredit beim Leser. So sicher kreuzt Egolf hier die Konfliktlinien, so vielversprechend sind die Motive, die hier angelegt werden, so bizarr – das vor allem – ist die Welt, die er darstellt. Mit gängigen Amerika-Bildern, ob positiv oder negativ, hat sein finsteres Porträt der Maisfeld-Provinz nichts zu tun. Viel näher liegt es an Vorstellungen vom europäischen Mittelalter. Die Gesellschaft ist in Stämme und Clans organisiert, Volkstribune und Rattenfänger haben leichtes Spiel. Sektierertum, Aberglaube und absurde Heilslehren beherrschen die Köpfe. Zivilisation und Vernunft sind wie Sprachen, die niemand je wirklich gelernt hat. Die Welt endet auf der anderen Seite des Flusses.

Egolf will diese Chaosbilder à la Hieronymus Bosch – Frank Heiberts glänzende Übersetzung gibt sie in aller Farbenpracht wieder – nicht als plumpen gesellschaftskritischen Kommentar verstanden wissen. Er malt an ihnen so unbekümmert und souverän, als sehe er einfach nichts anderes. Doch an Sprache und erzählerischer Ökonomie zeigt sich bald die Kehrseite dieser Unbekümmertheit. Egolf ist verliebt in Hyperbeln, und wenn er eine schöne gefunden hat, muss er eine weitere finden, um zu zeigen, dass extrem für ihn nie extrem genug ist. Die Serien massloser Vergleiche rauben dem Buch bald ebenso die Kraft wie die sensationalistischen Schlachtengemälde, in deren Details sich Egolf seitenlang verliert. Anfangs verwechselt man die ständige Überhitztheit mit Lebendigkeit und Inspiriertheit. Ist man einmal akklimatisiert, fallen einem der dürftige Inhalt und die ungeschlachte Ausführung auf. Die Figuren mögen heftig bluten, sie bleiben dennoch fleischlos. Johns Motive, das ganze Konzept seines Lebens erscheinen immer nebulöser. Nach dem ersten Drittel weiss der Roman nicht mehr, wohin er will. Ab hier sucht auch der Leser immer rascher blätternd den Ausgang.

Jörg Häntzschel


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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Eine Outlawballade? Nein, mehr als das., 16. Mai 2001
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Monument für John Kaltenbrunner: Vom Schlachten des gemästeten Kalbs und vom Aufrüsten der Aufrechten. Roman (Gebundene Ausgabe)
Tristan Egolfs Romanfigur des John Kaltenbrunner, ein Looser und Antiheld wider Willen, steht als Symbol für Ohnmacht und Ausbeutung. Sein Leben ist eine ständige Folge von Pannen und Katastrophen. Kaltenbrunners Rache an seinen Peinigern nimmt jedoch in letzter Konsequenz wahrhaft apokalyptische Ausmaße an. Seine Botschaft ist deutlich: Selbst wenn man Dich noch so demütigt oder halb totschlägt, laß Dich niemals unterkriegen. Niemals! Gemeinsam mit einer kleinen Gruppe von Müllmännern stürzt John Kaltenbrunner ein arrogantes und scheinbar übermächtiges System der Ausbeutung und Unterdrückung. Alles was es dazu brauchte, war Mut, zähe Beharrlichkeit und Solidarität. Der Leser könnte daraus eine Lehre ziehen. Ein wirklich empfehlenswertes Buch!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein wahres Monument, 24. Januar 2011
Diese auf den ersten Blick unmöglich erscheinende story ist inhaltlich so phänomenal neu ,dass man stutzt und sich zunächst fragt, ob man überhaupt weiter lesen möchte.Man legt das Buch aber eben nicht aus der Hand! Man möchte unbedingt wissen,wie es weiter geht mit diesem Jungen, der allein mit seiner Mutter auf einem heruntergekommenen Hof lebt, in der Schule ausgegrenzt wird , sodass es der/die LeserIn kaum aushalten kann. Bewundernswert das Durchhaltevermögen, die Kreativität eines Individuums einerseits und die unnachgiebigen Normen und Werte der Gesellschaft andererseits.Ungläubig, zur Untätigkeit verdammt als LeserIn, wird man Zeuge des langsamen Abstiegs des Jugendlichen John Kaltenbrunner.

Und dann: sein Aufbäumen, als er nach verbüßter Gefängnisstrafe mit aller Kraft versucht, wieder "stilles" Mitglied der Gesellschaft zu werden.Seine auf den ersten Blick völlig unrealistisch erscheinende Idee, alle Angestellten der örtlichen Müllabfuhr müssen auf einem von ihm ausgetüfftelten Streikweg für ihre Rechte und damit für den Respekt der Bevölkerung gegenüber der Müllabfuhr eintreten, hält den Spannungsbogen über viele,viele Seiten .Doch zum zweiten Mal wird der /die LeserIn zur Untätigkeit verdammt und muss mitansehen, wie Werte,Normen,Zufälle,Missgunst dem Protagonisten das Leben zur Hölle machen.

Ungläubug murmelt man zum Schluss " er lebt!??"....und schließt verwirrt das Buch. Grandios! Müsste neu aufgelegt werden!!
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen EIN GRANDIOSES FEUERWERK, 24. Februar 2009
Von 
Rezension bezieht sich auf: Monument für John Kaltenbrunner: Vom Schlachten des gemästeten Kalbs und vom Aufrüsten der Aufrechten. Roman (Gebundene Ausgabe)
Tristan Egolf schuf mit dieser Story einen der besten Romane der letzten Jahre. Ich möchte dessen Inhalt hier nicht wiedergeben, aber er verkörpert die gnadenloseste Abrechnung mit dem "American Dream" und den Spiessbürgern, die ich jemals gelesen habe. Im Grunde ist die Hauptfigur John Kaltenbrunner nicht nur ein Outlaw und Sonderling, sondern auch eine Art anarchistischer Che Guevara. Die im Roman geschilderten Ereignisse könnten sich wirklich so ereignet haben. Unbedingt Lesen!
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