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Irgendwie ist es uns ja immer schon aufgefallen: Monty Python hatte eine gewisse Affinität zum Lied, zum Musical-artigen mitunter. Aber die Filme und Sketch-Shows waren auch wieder keine reinen Musicals, so dass der Kauf eines Soundtracks zu einem einzigen Film irgendwie nicht gelohnt hätte. Wie schön, dass die Pythons 1991 (überraschend war "Always Look On The Bright Side Of Life" wieder in den Charts) ein Kompendium ihrer Songs herausgebracht haben. Hier finden Sie alles Wichtige auf einer CD; d.h. alle Lieder aus den Filmen und Vieles aus "Monty Python's Flying Circus". Für mich als VHS-Kind ohne Internet und untertitelte Songs eine Offenbarung, endlich einmal die ganzen Texte gedruckt zu haben (in einem schön von Terry Gilliam gestalteten Booklet) und die ansonsten deutsch synchronisierten Passagen auf Englisch zu hören. Hierfür ist zwar heutzutage das Bedürfnis nicht mehr so groß, aber die CD ist immer noch eine Offenbarung und eine schöne Sammlung Python'schen Humors in seiner gesamten Bandbreite. Da werden gelegentlich bewusst Selbstverständlichkeiten breitgetreten ("He had arms, and legs, and hands, and feet / the boy whose name was Brian"). Da zeigen sich die Pythons aber nicht nur als Nonsenshumoristen, sondern auch als verkappte Philosophen, die die zentralen Lebensfragen durchaus klug stellen, um sie dann in "The Meaning Of Life" unbeantwortet zu lassen: "Is life just a game where we make up the rules / while we're searching for something to say? / Or are we just simply spiralling coils / of self-replicating DNA?" Da sind sie bisweilen Wortakrobaten und bringen Unübersetzbares, so wie im "Accountancy Shanty" die Endung -cy wie sea klingt: "We're sailing on the wide accountan-cy/sea" (passend zu einem Terry-Gilliam-Vorfilm zu "The Meaning Of Life", in dem altgediente Bankiers sich gegen das neue Jungmanagement auflehnen und das Bankhaus zu einem Piratenschiff umfunktionieren). Wer wie ich zwar alle Kinofilme, aber nicht alle Flying-Circus-Folgen kennt, kann auch noch viel Neues entdecken. Beispielhaft sei auf "Oliver Cromwell" hingewiesen, der mit der frappierenden und sehr pythonesken schwarzhumorigen Feststellung beginnt: "The most interesting thing about King Charles the First is that he was 5 foot 6 inches tall at the start of his reign, but only 4 foot 8 inches tall at the end of it."
Eine recht originelle Religionskritik gibt es in "All Thing Dull And Ugly": "All things dull and ugly / All creatures short and squat, / All things rude and nasty / The Lord God made the lot. / Each little snake that poisons / Each little wasp that stings / He made their brutish venom / He made their horrid wings...". Das Bestechende daran ist nicht die eher simple Tatsache, dass Gott, wenn er ein allmächtiger Schöpfer ist, auch das ganze Häßliche und Gefährliche der Welt gemacht haben muss. Der Song lebt vielmehr davon, dass die Pythons das - nur begleitet von einem Klavier - von einem Kinderchor singen lassen, so dass es die Form eines bekannten englischen Kirchenliedes annimmt, in dem jedoch von den SCHÖNEN Dingen, die Gott erschaffen habe, die Rede ist. Umso skurriler und brutaler wirkt in diesem scheinbar heimeligen Ambiente, wenn die Kinder plötzlich die kurze Endung "squatt" betont abgehackt aussprechen: squattt. Zack! Das passt überhaupt nicht zum Rest des Liedes, was dessen Melodie und Diktion betrifft. Und so lassen die Pythons Gegensätzliches ungeschützt aufeinander prallen.
Weitere Beispiele schenke ich mir, verbunden mit dem Hinweis, dass alle, wirklich alle Lieder aus den Kinofilmen enthalten sind, selbst so kurze Stücke wie der "Penis Song", den Eric Idle in "The Meaning Of Life" in einem Restaurant zum Besten gibt, kurz bevor dort jemand im wahrsten Sinne des Wortes bis zum Platzen futtert. Am Schluss der CD steht ein Klassiker, der sich im Nachhinein geradezu als visionär erwiesen hat - wurde doch "lovely spam, wonderful spam" zum Namensgeber eines leidigen E-Mail-Phänomens, das weder lovely noch wonderful ist. Lieblich und nett ist sicherlich auch diese CD nicht, aber wundervoll. Und irgendwie hat es ja auch wieder was Tröstliches, wenn einem erzählt wird, dass man vielleicht nur mehr lachen, lächeln, tanzen und singen sollte. Glücklicherweise wird dies heutzutage nicht mehr dergestalt unmöglich gemacht wie beim Kreuzigungstod, den sich und uns Eric Idle mit dem wohl bekanntesten Python-Lied versüßt. Also: Immer schön auf die helle Seite des Lebens schauen. Und vielleicht auch auf die helle Seite des Todes, just before you draw your terminal breath. Was ich für gar nicht so blödsinnig halte, wie es klingt. Aber damit kämen wir jetzt zu etwas völlig anderem.