Spätestens, wenn Michel Palin im Fummel als "Mrs. Betty Palin" auf die Bühne stöckelt und in einem kurzen Abriss ihres Lebenslaufs erwähnt, dass "then I gave birth to a Alaskan Governour", liegt der Saal flach. Und auch sonst sieht man fast alle Monthy Pythons wieder, mehr oder weniger gealtert, mehr oder weniger motiviert (Terry Gilliams Auftritt ist ein wenig deplatziert und lässt in dem Moment ziemlich die Luft raus). Nur John Cleese, dem Eric Idles "kommerzielle Schändung" des alten Python Erbes zuwider ist, hat die Teilnahme abgelehnt. Das ist schade, denn "Not the Messiah" ist ein rundum gelungenes Werk. Im Stil eines klassischen Oratoriums gehalten (der Titelbezug zum "Messias" ist keineswegs unfreiwillig), ist die Musik einfach herrlich. Ich habe Eric Idle immer für den talentiertesten Komponisten und Arrangeur bei den Pythons gehalten, und diesen Ruf hat er durch seinen Anti-Messias bei mir gründlich zementiert. Das ist witzig arrangiert, wunderbar eingängig und die Texte oft zum schreien komisch. Regelmäßige Slapstick Einlagen lassen zu keinem Zeitpunkt Frack-und-Abendkleid-Stimmung aufkommen, trotz der imposanten Kulisse der Royal Albert Hall. Amüsant vom Anfang bis zum Schluss, triefend vor schwarzem englischem Humor und dabei von einer musikalischen Vielseitigkeit, wie es eben nur Idle kann. Dass alle Beteiligten bei der Produktion einen Heidenspass hatten, überträgt sich schnell auf den Zuschauer.
Erstaunlich fand ich, dass Idle "Always look on the bright side of life" heute noch völlig identisch wie vor 30 Jahren singen kann. Achten Sie mal drauf: Jede noch so kleine Stimmnuance, jeden Kiekser bringt er exakt so wie 1979. Tja, wo es nichts zu verbessern gibt, soll man nicht improvisieren.
Ein Genuss, nicht nur für Python Fans.
Übrigens: Diese Aufführung war ein einmaliges Ereignis. Obwohl das Oratorium an vielen Orten aufgeführt wurde, gab es nur diese eine mit der Python-Besetzung. Wiederholung ist nicht geplant.