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Auch wenn beide Städte für ihre Hügel berühmt sind, prallen mit Rom und Stuttgart doch Welten aufeinander: hier die katholisch-südländische Lebensfreude, dort die protestantisch-schwäbische Korrektheit. Beides verschmolzen in einem Helden, den man nur allzu gerne für acht Tage und 300 Seiten durch sein Produzentendasein begleitet. Und das ist alles andere als unkompliziert: Mit dem aufwändigen Historienfilm scheint er sich nicht nur finanziell übernommen zu haben. Auch der geniale, aber schwierige Hauptdarsteller zerrt an seinen Nerven, da er sich ständig mit dem Regisseur in den Haaren liegt oder auch schon mal tagelang in den römischen Bars verloren geht. Um den Seelenfrieden des an sich unruhigen Geistes Cassini-Stahl ist es hoffnungslos geschehen, als er auch noch der Attraktivität einer jungen Holländerin erliegt.
Zu erliegen droht auch der Leser -- und zwar den Reizen von Sibylle Lewitscharoffs Prosa, die wunderbar Balance hält zwischen Lesbarkeit und literarischem Anspruch. Auch ist die Überraschung groß über die Wandlungsfähigkeit der aus Stuttgart stammenden Autorin: Waren Pong, für den sie den Ingeborg-Bachmann-Preis erhielt, und das märchenhafte Der höfliche Harald zwar bezaubernde, aber doch ins literarisch-künstliche entrückte Geschichten, besticht Montgomery gerade durch die Welthaltigkeit und Liebe zum Detail, mit der hier Rom und das Leben der Hauptfigur porträtiert werden.
Als einziger Einwand blinkt während der Lektüre die Frage auf, ob es dieser Rahmenhandlung -- erzählt wird die ganze Geschichte von einem ehemaligen Mitschüler des Filmproduzenten -- bedurft hat. Aber mit dem Schlusskapitel, in dem sich sogar das Rätsel um den frühen Tod von Montgomerys Bruder aufzulösen scheint, ist auch dieser marginale Zweifel dahin. Was bleibt, ist die Freude über einen vielschichtigen, eleganten und zudem unterhaltsamen Roman, dem man viele Leser wünscht. --Christian Stahl
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