Christina Pluhar hat in den letzten Jahren einige Aufnahmen gemacht, die wirklich begeistern.Nun legt sie eine Marienvesper vor, die voriges Jahr in Metz entstand. Die DVD zeigt davon einige Auszüge.
Christina Pluhar kann auf Beachtung in der Kulturscene rechnen, und kurz nach de Erscheinen gibt es schon Reaktionen:
"Eine ausschließlich solistische Besetzung mit virtuosen Sängern und Musikern erlaubt eine schnellere Tempowahl, die vor allem in den Stücken, die über einen Cantus firmus komponiert sind, den Cantus firmus aber nicht in den Vordergrund stellen möchten, sondern Monteverdis virtuosen inventioni über dem Cantus firmus mehr Bedeutung zuspricht".Dies findet Bernd Morbach sehr gelungen.Oder auch:
"Vom schwungvollen Lobgesang bis zum intimen Gebet reicht die Ausdruckspalette der Marienvesper - und diese Vielfalt zeigt die neue Aufnahme in einer lebendigen Mischung aus Farbpracht und kammermusikalischer Klarheit".begeistert sich Marcus Stäbler.
In einen solchen Lobgesang kann ich nicht gänzlich einstimmen. Vorab zum (gefährlichen) Vor-Verständnis:die Aufnahme war seit längerem angekündigt und erweckte grosse Erwartungen. Man werde etwas Un-Erhörtes kennenlernen. Die Erwartungen schaffen Fall-Höhen. Wenn dann die Erwartung nicht erfüllt wird, ist eine Ent-Täuschung da. Von den Marien-Vesper gibt es eine so grosse Fülle hervorragender Aufnahmen, dass es ganz unwahrscheinlich war, nun komme "DIE" Aufnahme.
Ich machte den Fehler, zuerst die DVD zu sehen. Eine nüchterne Atmospäre hart arbeitender Musiker. Bei den vorgegebenen Tempi sind auch Profis deutlich gefordert. Vergleiche ich dann mit der überwältigenden Wiedergabe von Gardiner im Markus-Dom, ärgere ich fast über soviel Nüchternheit. Virtuos geht es zu bei Frau Pluhar, aber Gänsehaut wird nicht erzeugt.
Die Virtuosität steht bei dieser Aufnahme im Vordergrund, nicht die Leidenschaft, wie sie etwa Corboz oder Savall zeigen. Frau Pluhar wird Swing zugeschrieben, teilweise hat sie das in anderen Aufnahmen auch deutlich gemacht. Mir fehlt das Swingende in dieser Aufnahme manchmal. Wenn ich ihr "Nisi" höre,ist es vor allem schnell musiziert, aber nicht schwingend. Da gibt es andere Aufnahmen, die das deutlich besser realisieren.Auch das "Lauda" kenne ich deutlich musikantischer. Die Strukturen werden hier durch Geschwindigkeit eher undeutlich.
Teilweise sind die Stimmen sehr überzeugend (Sopranistinnen), teilweise weniger( Tenöre). Wie man Tonrepititionen perfekt singt, hat uns vor Jahrzehnten bereits Nigel Rogers gezeigt.
Die solistische Besetzung erlaubt natürlich virtuoseres Musizieren, allerdings gehen die Stimmen unter,zugedeckt von spielfreudigen Bläsern, die zusätzliche Verzierungen einbringen.
Als Fazit bleibt eine gewisse Enttäuschung. Diese Aufnahme gehört nicht zu meinen Favoriten.