Eine rundum gelungene Möglichkeit, dem heutigen Zuschauer/-hörer eine der allerersten überhaupt komponierten Opern nahezubringen - Barockopern erschliessen sich dem heutigen Zuschauer nicht so ohne Weiteres.
Ein Leckerbissen ist die Besetzung:
Hocherotisch das Liebespaar Patricia Schumann (Poppäa) und Richard Croft als Nero, besonders eindrucksvoll die Darstellung der Amme Arnalta durch einem dunkelhäutigen Tenor: Curtis Ryman spielt diese umsorgende und berechnende "mütterliche Freundin" großartig und ohne dass das falsche Geschlecht störend oder lächerlich wirkt. Auch der Countertenor - ich habe mit dieser Stimmlage sonst meistens etwas Probleme - ist hier 100% stimmig - Jeffrey Gall ist wunderschön klagend einer der Verlierer des Dramas.
Unklar ist mir, warum der Prolog, der für das Verständnis ziemlich wichtig ist - es handelt sich eigentlich um eine "Wette" unter Göttern - weggelassen wurde. Und schade auch, dass hier keine Life-Aufführung mitgeschnitten wurde, ohne Publikumsäusserungen wirken Opernaufführungen immer etwas steril, was in diesem Fall durch das karge, aber stimmige Bühnenbild noch verstärkt wird.