Der Zyklus aus Zürich ist legendär, 1975 bis 1977, zu Zeiten, als Monteverdi noch recht exotisch war. Pioniere allemal. Die Inscenierung ist scheinbar traditionell. Scheinbar, weil es sich oberflächlich nicht um Regietheater handelt.Ponelle insceniert die Geschichte, prächtig ausgestattet, grossartige Kulisse, grossartige Kostüme. Und doch, Regie ist sichtbar. Führung der Figuren, Ausleuchten der Psychologie. Das zu Zeiten Monteverdi Neue, Menschen mit menschlichen Gefühlen auf die Bühne zu bringen, wird von Ponelle kongenial umgesetzt. Die Deutung der einzelnen Rolle ist ihm wichtiges Anliegen. Ein Charonte etwa, der sich vom Gesang des Orfeo rühren lässt oder Seneca in der Incoronazione, der dem Leben entsagt- das sind tiefe Deutungen. Manchmal übertreibt Ponelle ein wenig mit der Ausstattung-also die Unterwelt in Orfeo ist vielleicht etwas dick aufgetragen. Aber die Inscenierungen sind eine Augenweide und die Ideen der Umsetzung sind eindrucksvoll- die Mänaden, die Orfeo zerfleischen, als rotes Tuch, das zerissen wird oder die Begegnung von Orfeo und Euridice, eine ungeheure Intensität.
Kongenial dazu Harnoncourt, noch gänzlich in seiner Brausekopf-Phase. Heftiges, deftiges, lebendiges Musizieren. Sein concentus spielt mit viel Emphase, teilweise hat er grossartige Sänger, so den jungen Araiza als ersten Hirten oder Hans Franzen als Charonte.
Ein purer Genuss, würdig für die Ewigkeit erhalten zu werden.