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Montauk: Eine Erzählung (suhrkamp taschenbuch)
 
 
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Montauk: Eine Erzählung (suhrkamp taschenbuch) [Taschenbuch]

Max Frisch
4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (41 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 224 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp Verlag; Auflage: 26 (21. Februar 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518372009
  • ISBN-13: 978-3518372005
  • Größe und/oder Gewicht: 17,6 x 10,8 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.7 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (41 Kundenrezensionen)
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Max Frisch
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Produktbeschreibungen

Der Spiegel

Ein aufrichtiges Buch

Er habe sein Buch fertig, schrieb der 1911 geborene Max Frisch am 13. November 1974 seinem Kollegen Uwe Johnson. „Ich bin froh“, fügte er hinzu, „dass ich es geschrieben habe; vorerst ohne an Veröffentlichung zu denken. Wenn Marianne das Manuskript gelesen hat, möchte ich es Ihnen gerne unterbreiten.“

Johnson (1934–1984) war ein guter Freund des Ehepaars Frisch, und er hatte sich zuvor schon als gewissenhafter Manuskript-Leser, ja regelrechter Lektor bewährt (so war Frischs 1972 publiziertes „Tagebuch 1966–1971“ von ihm sorgfältig begutachtet und mit ausführlichen Änderungsvorschlägen bedacht worden). Marianne Frisch, Jahrgang 1939, hatte 1962 den damals schon international bekannten Schweizer Schriftsteller als Studentin in Rom kennen gelernt und war seit Ende 1968 mit ihm verheiratet. Sie taucht in dem neuen autobiografischen Prosawerk als Figur unverschlüsselt auf, in dem von gegenseitigem Ehebruch die Rede ist. Daher die Sorge ihres Mannes, sie könnte einer Veröffentlichung des Textes widersprechen – und an der Publikation war Frisch ganz offenbar gelegen, wenn er schon gleich bei der ersten Erwähnung der gerade abgeschlossenen Arbeit in dem Brief an Johnson von einem „Buch“ sprach.

So galt der erste Gedanke des Lesers Johnson denn auch der Ehefrau: Sie hatte sich Rat und eine Einschätzung des Manuskripts von ihm, dem gemeinsamen Freund, gewünscht. Der Brief an Marianne Frisch vom 13. Januar 1975, den Johnson auch dem Autor in Kopie schickte, war ein Meisterstück an Diplomatie und fachlicher Kompetenz, zugleich ein klares Plädoyer für den Text und dessen Publikation. „Ein Stück Gegenwart erhält durch Erinnerung Vergangenheit“, schwärmte Johnson. Der Gestus sei der der Fiktion; ein Leser, der den Autor nicht kenne, werde womöglich bis zum Ende glauben, eine „fingierende Erzählung“ gelesen zu haben. Johnson zeigte sich begeistert angesichts der Leistung, „aus dem eigenen Leben mit Mitteln der Literatur ein Kunstwerk herzustellen“. Und er machte unmissverständlich klar, auf welcher Seite er in einem etwaigen Konfliktfall stehen würde. Es müsste ihm in seiner Eigenschaft als Autor schwer fallen, „hinzunehmen, daß einem Verfasser vorgeschrieben würde, welche seiner Erfahrungen er veröffentlichen darf und welche er unterdrücken muß“.

Max Frisch dankte umgehend, zeigte sich zur Veröffent¬lichung des Textes entschlossen, den er noch weiter ausarbeiten und erweitern wollte. Marianne Frisch machte in ihrer Antwort an Johnson deutlich, nie daran gedacht zu haben, „Max vor der Veröffentlichung des Manuskripts auch nur drei Silben abzuhandeln“. Sie erklärte aber auch, sich selbst durch den Text in eine „Vergangenheit“ gerückt zu sehen, „in der ich mich zu dem gegenwärtigen Zeitpunkt, an der Seite von Max lebend, nicht wohl fühle“ (die Ehe wurde vier Jahre später, 1979, geschieden). Im März 1975 schickte Frisch eine neue Version an Johnson und schrieb dazu: „Es hat sich gezeigt: viel mehr Memoiren sind auf dem fragilen Wochenende nicht zu verstauen, und ich merke, daß ich froh drum bin; nicht aus Faulheit (schließlich ist der Platz an der Schreibmaschine mein Refugium), sondern weil ich andere Gesellschaft brauche als die der Erynnien, der artigen.“ Das Buch mit dem schlichten Titel „Montauk“ erschien noch im Herbst desselben Jahres, und Frisch konnte mit dem Erfolg bei der Kritik zufrieden sein – als „sein intimstes und zartestes, sein bescheidenstes und gleichwohl kühnstes, sein einfachstes und vielleicht eben deshalb sein originellstes Buch“ rühmte es zum Beispiel Marcel Reich-Ranicki.

Montauk: das Städtchen liegt ganz am Ende der langen Halbinsel Long Island. Zu verfehlen ist der Ort kaum: Von New York aus fährt man zunächst auf dem Long Island Expressway bis zum „Exit 70“, dann die Route 27, den Sunrise Highway, immer geradeaus, auf einer großen vierspurigen Straße, die sich von einer Autobahn nur darin unterscheidet, daß gelegentlich Kreuzungen mit Ampelanlagen zum Halten zwingen. Die Indianer sind zuerst da gewesen: die Montauketts, nach denen der Ort seinen Namen hat. Schon vor mehr als 4000 Jahren sollen sie dort gelebt haben, ganz genau weiß das keiner. Es muss ein freundlicher Stamm gewesen sein, der den ersten weißen Mann, einen Holländer, gewähren ließ, der 1614 seinen Fuß an Land setzte. Erst Mitte des folgenden Jahrhunderts wurde hier ein Haus gebaut. Heute gehört Montauk zu East Hampton, einem jener schönen, etwas mondänen Orte längs des Weges, in denen viele Reiselustige aus New York schon hängen bleiben. Montauk als Stadt lohnt auch kaum den Besuch: eine amerikanische Kleinstadt wie viele andere, gut dreitausend Einwohner. In der Erzählung spielt der Ort eigentlich keine besondere Rolle. Ein zufälliger Ort: eine Empfehlung der jungen Frau, die den Autor im Auftrag seines amerikanischen Verlags während des Amerika¬besuchs zu begleiten hatte, und sein Vorschlag, dort mit ihm sein letztes Wochenende zu verbringen, am 11./12. Mai 1974. Da waren sie schon ein Paar.

Eine Liebesgeschichte? „Er ist noch immer überrascht, daß er diesen Körper kennt. Er hat es nicht erwartet. Wenn Lynn nicht ab und zu ein Zeichen geben würde, daß auch sie sich an die Nacht erinnert, seine Hände würden nicht wagen, ihren Kopf zu fassen.“ Die Geschichte eines Paares, das davon ausgeht, dass seine Begegnung befristet ist (später werden sie sich wiedersehen für längere Zeit, aber das steht nicht mehr in dieser Erzählung): Die beiden haben beruflich miteinander zu tun gehabt, sie haben eine Nacht zusammen verbracht, ein älterer Herr – am 11.Mai 1974 sind es noch vier Tage bis zu seinem 63.Geburtstag – und eine junge Frau von 31. „Wer die beiden sähe, würde nicht ohne weiteres wissen, was von ihnen zu halten ist: Tochter und Vater oder ein Paar?“

Der Gedanke, einfach die Wirklichkeit festzuhalten, die Wirklichkeit eines Wochenendes, kam Frisch schon auf Long Island: „12.5.1974: das Morgenmeer perlmuttergrau unter tiefem Gewölk, die Brandung flau, keine Sonne. Es ist besser, die Schuhe auszuziehen und barfuß im Sand zu gehen, die Schuhe in den Händen. […] Er fühlt sich wohl. Er stapft. Kurz nachdem er beinah gestolpert ist, weiß er, was er, die beiden Schuhe in den beiden Händen, gedacht hat: Ich möchte dieses Wochenende beschreiben können, ohne etwas zu erfinden, diese dünne Gegenwart.“ Und: „Ich möchte wissen, was ich, schreibend unter Kunstzwang, erfahre über mein Leben als Mann.“

„Jedes Erlebnis bleibt im Grunde unsäglich“, hatte Frisch 1949 in seinem „Tagebuch 1946–1949“ notiert, „solange wir hoffen, es ausdrücken zu können mit dem wirklichen Beispiel, das uns betroffen hat. Ausdrücken kann mich nur das Beispiel, das mir so ferne ist wie dem Zuhörer: nämlich das erfundene.“ Daran hat er sich lange gehalten: Die Romane und Theaterstücke geben wenig über die Person des Autors preis, selbst die beiden Tagebücher, 1950 und 1972 erschienen, sind keine intimen Journale. Alles könne man erzählen, ließ Frisch den Helden seines Romans „Stiller“ (1954) sagen, „nur nicht sein wirkliches Leben“. Diesmal wollte er es wissen. Trotzig setzte er „Montauk“ das Montaigne-Wort voran: „Dies ist ein aufrichtiges Buch, Leser.“

Die Prosa ist autobiografisch und dennoch keine reine Ich-Geschichte. Vielmehr treibt der Erzähler mit Er und Ich ein verzwicktes Spiel, schwankt zwischen der ersten und dritten Person, bisweilen in ein und demselben Satz. Er und Lynn, wie die Geliebte im Buch heißt, am Strand: „Dann wieder kommt es vor, daß sie plötzlich nicht wissen, was reden – dieses Beisammensein tagsüber: nicht langweilig, nur sehe ich dann beide von außen: sie werden einander nicht kennenlernen…“ Das ist mehr als ein formales Spiel: Die eigene Person wird zum Gegenstand der Betrachtung; sie ist kaum vertrauter als eine fremde oder erfundene Figur – und sie wird, egal ob in dritter oder erster Person, schließlich zu einer Art Fiktion. Das ist das Bestechende an „Montauk“: Wie einer über sich und von sich erzählt, ohne die Gewissheit zu verbreiten: So bin ich, so war ich, seht her – mein Leben! Und das Verwunderliche: Je mehr er über sich verrät, dieser Max Frisch, desto mehr wird er auch sich selber zu einer Romanfigur.

Das Erzählen in „Montauk“ ist sprunghaft; es ist nicht leicht, sich einzulesen. Das Wochenende von Montauk, „diese dünne Gegenwart“, ist nur der Rahmen für ganz andere Geschichten: der Liebe, des Abschieds, der Irrtümer, der Vergeblichkeiten. Die Erzählung lässt sich, je nach Kenntnis des Lebens von Max Frisch, unterschiedlich ausforschen. Vieles ist nur angedeutet, kaum ausgesprochen: Namen, Orte, Jahreszahlen, die nicht jedermann verständlich sein mögen. Das tut aber der Verständlichkeit der Geschichte insgesamt keinen Abbruch: Die Daten könnten genauso gut Erfindungen sein (wie schon Johnson feststellte). Wer Frisch kennt, kann bestätigen: Es sind Bruchstücke aus seinem Leben.

Es ist eine Art Interview mit sich selbst – egal ob die Fragen nun von Lynn oder einem Zeitungsreporter stammen, ob es sich um Zitate oder Straßennamen handelt. Es sind Stichworte und -wörter zu einer Selbstbefragung. „Money“: Was bedeutet ihm Geld? (Skurrile Begebenheiten: Einmal steht er in Zürich vor einer Bank und hat das Gefühl, vor Jahrzehnten in dieser Filiale ein Sparkonto angelegt zu haben; und er hat Recht.) Was ist Berühmtheit, was Rang? („Bei Leuten von Rang besteht die Erwartung von Rang nicht blindlings, aber unabhängig von Erfolg oder Nichterfolg; sie selbst setzen die Maßstäbe.“) Freundschaften: Die Geschichte über den Jugendfreund W. ist die längste Episode innerhalb der Erzählung und eine der bestechendsten. „Montauk“ ist ein fein verzweigtes Geflecht, eine sorgsame Komposition. Das Prinzip dieser Komposition: der freie Fluss der Assoziationen, der Erinnerung – Bahn frei den Erynnien. Doch kein innerer Monolog, kein künstlich nachgeahmter Bewusstseinsstrom, sondern ein Puzzle aus wohl formulierten Bekenntnissen und Erinnerungen.

Da sitzt einer am Strand, am Ende der Welt, mit einer Frau, die er nicht besonders gut kennt, er spricht mit ihr. Es kommen einfache Fragen, man spricht in einer Sprache, die der Mann zwar weitgehend beherrscht, aber die ihm doch ein ganz anderes, einerseits eingeschränktes, andererseits freieres Reden erlaubt als die Muttersprache. Manchmal antwortet er, bisweilen gibt er sich selbst stille Antworten, hin und wieder weiß er keine. Fragen von Lynn: „Max, are you jealous?“ Sie, die seine Bücher nicht kennt, fordert ihn heraus. Er habe reichlich über Eifersucht geschrieben, ist seine Antwort; offen bleibt, ob sie auch ausgesprochen wird. „Schon deswegen hat er sich in den letzten Jahren jede Eifersucht versagt. Es wäre keine neue Erfahrung für ihn, wenn er wieder in Eifersucht verfiele; es fiele ihm als Schriftsteller dazu nichts ein, nichts Neues. Es ödet ihn an, was er schon beschrieben hat, die Geschichte mit dem fleischfarbenen Kleiderstoff in Venedig etc.“ Der Frisch-Leser weiß: eine Episode aus dem Roman „Stiller“.
„Ich probiere Geschichten an wie Kleider“, heißt ein Stichwort, ein Selbstzitat aus dem Roman „Mein Name sei Gantenbein“ (1964).

Fast versteckt ist die zentrale Offenbarung, auch wenn sich bald erweist, dass fast alle Episoden einen geheimen Bezug zu dieser einen Geschichte haben, alles kreist im Grunde um jenes Ereignis, das in der Mitte des Buches wie nebenbei berichtet wird: eine Untreue der Ehefrau. Während eines Pingpong-Spiels mit Lynn, scheinbar leichthin, erinnert sich der Erzähler daran, wie er erfuhr, dass seine fast dreißig Jahre jüngere Frau ein Verhältnis mit einem anderen Schriftsteller gehabt hat: „Keine Beichte; ein Gespräch über die Selbstverwirklichung der Frau. Sie sagt es beiläufig. Er fällt nicht vom Roß wie der Reiter am Bodensee, sondern geht an die Arbeit; Korrespondenzen beruflicher Art. Eine natürliche Geschichte. Dazu gibt es nicht viel zu sagen. Sie hat ein volles Jahr gedauert; eine große Liebe; sie hätten miteinander leben mögen… Jetzt gilt's: Lynn hat den blauen Schläger in die Hand genommen, sie spielen weiter. Was soll man hier anderes tun. Es ist noch nicht zehn Uhr abends. Die Brandung unter Scheinwerfern. Morgen wird's regnen.“ Diese Offenbarung, die über Seiten geht, ist ein glanzvolles Stück Prosa, das in dieser Kunstfertigkeit nur ein Schriftsteller fertig bringt, der sich seiner Mittel völlig sicher ist. Wenn man das Buch liest, mehrmals liest, stellt man jedes Mal verblüfft fest, wie genau selbst die kleinsten, scheinbar nebensächlichen Beobachtungen zu der zentralen Geschichte gehören: Der Erzähler ist getroffen von dem, was man heutzutage kaum noch Ehebruch zu nennen wagt. Er lehnt sich zurück, schaut in die Wellen, eine Atempause, weit weg von allem, von Europa durch den Atlantik getrennt; ihm geht vieles durch den Kopf.

Da ist der liebevoll und dezent erzählte Bericht über die jahrelange Beziehung zur Dichterin Ingeborg Bachmann. Da ist die Erinnerung an die erste Ehe des damaligen Architekten, der glaubte, die Schriftstellerei endlich abgeschüttelt zu haben: Frisch als Familienvater mit drei Kindern. „Zwei Mal bin ich bei einer Geburt dabei gewesen; meine Frau hat es gewünscht. Darüber habe ich nie geschrieben. Meine Frau hat gewünscht, daß nicht darüber geschrieben werde. Auch habe ich nie davon gesprochen, glaube ich. Ich sehe es nur. Es ist lang her.“ Da ist die zweite Ehe, die zur Zeit der Erzählung noch besteht. Da sind die anderen Frauen, denen er begegnet ist: „Manchmal meine ich sie zu verstehen, die Frauen, und im Anfang gefällt ihnen meine Erfindung, mein Entwurf zu ihrem Wesen; zumindest verwundert es sie, wenn ich in ihnen sehe, was meine Vorgänger nicht gesehen haben…“

Ein Buch von verschwenderischer Fülle; ein anderer als Max Frisch hätte daraus einen umfangreichen Roman gemacht – oder ausgiebige Memoiren. Doch gerade so, bruchstückhaft, andeutend und skizzierend, fragend und einkreisend, ist „Montauk“ ein Schlüsselwerk der Epoche geworden: ein moderner Liebesroman. Frisch wollte nicht mehr die ausführliche Fiktion, die Verkleidungen in Geschichten – das hatte er gehabt: in den Romanen, die unausgesprochen präsent sind in der kleinen Erzählung, als Grundlage, über die nicht mehr viele Worte verloren werden müssen. Dieses Mal wollte er die Verknappung, die Aussparung (wie dann auch in den beiden Erzählungen danach: „Der Mensch erscheint im Holozän“ und „Blaubart“, 1979 und 1982 erschienen). Es ist ihm meisterhaft gelungen. „Montauk“ war ursprünglich als Abschluss des Werkes geplant, wie er mir 1982 in einem Gespräch erzählte: „Ich dachte, das sei das letzte Buch. Ich wollte alles noch einmal überschauen.“ Tatsächlich hat Max Frisch bis zu seinem Tod am 4. April 1991 in Zürich nur noch wenig geschrieben.

Nachwort von Volker Hage zu Montauk. SPIEGEL-Edition Band 18 -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

»Zu der Zeit der Erstveröffentlichung 1975 war sich die Kritik einig, dass das Verhältnis von Mann und Frau von keinem deutschsprachigen Schriftsteller mit diesem Maß an Offenheit beschrieben wurde. Doch warum soll man ›Montauk‹ heute wieder lesen? Es ist ein Schlüssel zu Frischs Werk - so einfach ist es mit diesem schmalen Band. ... Frisch wollte im Sinne eines gesellschaftlichen Fortschritts und im Sinne der Humanität wirken. Dazu gehört, über sich selbst und sein Leben und sein Lieben nachzudenken. In ›Montauk‹ können wir nachlesen, wie so etwas geht.«

(Wolfgang Schäuble Die Welt )

»Max Frisch übt offene Selbstkritik und schreibt sein persönlichstes, berührendstes Buch.«

(Die Welt )

»Ein egoistisches Buch? Gewiss. Aber auch eines, das den Mut aufbringt, grenzenlos persönlich zu werden. … Diesmal ist das Schreiben der Versuch, das Glück ewig zu erleben, das Glück der letzten, rauschhaften Liebe.«

(Lesen. Das Büchermagazin der Hannoverschen Allgemeinen )

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14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von kpoac TOP 500 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
"Dies ist ein aufrichtiges Buch, Leser,
es warnt dich schon beim Eintritt."
(Michel de Montaigne)

"So bin ich selbst der einzige Inhalt des Buches", führt Montaigne fort und Max Frisch (1911-1991) hat im Jahre 1975 erstmals diese Montaigne Zeilen vorangestellt seiner Ich-Erzählung, die aus dem Alltag des Lebens hinführt in eine Oase des Wochenendes, wie es die New Yorker tatsächlich tun, nämlich von Manhattan aus ins nördlichste Long Island zu fahren, nach Montauk. Auch dieses erzählerische Wochenende findet dort statt, am 11.und 12.5.1974, ein Wochenende der Erinnerung und der Erfahrungen. Ein Wochenende der Liebe und ihrer Vergänglichkeit, ein Wochenende des Todes und der Angst davor. Ein "Overlook", wie das Schild verhieß, an dem man stoppt für eine Aussicht über die Insel. Doch hier ein Re-View über das Leben in einer Offenheit, die fast 40 Jahre später normal erscheint, doch am Ende der siebziger eine neue Moral offenbarte, die in einen Veränderungswillen ohne Predigt mündete. Zeitkritik aus dem persönlichsten Inneren, Frisch Liebe zu Ingeborg Bachmann in einem Wochenend-Rahmen mit Lynn auf Long Island, wo dem 63jährigen die Erinnerungen eines Männerlebens, "schreibend unter Kunstzwang", zur Liebesbilanz werden. Frisch sagte über sich, er schreibe, um die Welt zu ertragen. Hier stellt er sich nahezu bloß, als ob er schreibe, um sich zu ertragen. Nämlich als Dichter, der die Verantwortung zur Welt in sich trägt, der den Mut zeigt, zu zweifeln und auf der Suche nach einem persönlichen Urteil eine lange Wegstrecke zu gehen hatte. Montauk ist Beispiel einer Reflektion über sich und über ein Leben als Mann zum vermeintlich offensichtlichen Wohle aller. Frisch sah dieses Ansinnen für sich möglich als Schriftsteller; wie es geht, liest man also hier. Daher ist heute vielleicht gerade dieses Werk eine persönliche Annäherung an sein literarisches Werk.

"... alles, was ich einsehe, erscheint auch durchführbar, ich muss es nur nicht aussprechen, sondern tun." So einfach, wie es anmutet, war Frischs Leben nicht. Vielmehr verharrte er in der Unentschlossenheit, ein Pendel zwischen Licht und Schatten. "Wenn Leute in den Schatten gingen, so verschwanden sie". So auch Lynn, "Bye, kußlos, dann ein zweites Mal mit erhobener Hand".

"Dies ist ein aufrichtiges Buch, Leser" wiederholt Frisch in grossen Lettern und fragt: "was verschweigt es und warum? In den Tagebüchern, drei Jahre zuvor in 1971, schrieb er über Berzona (Tessin). Alles, was er in New York u.a. Städten noch zu tun hatte, war in Berzona geschehen, schreibt Frisch dort im Rückblick und spricht hier von der "Umweltverschmutzung durch Gefühle, die nicht mehr zu brauchen sind". So vollzieht sich das wunderlichste Leben oder verfehlt sich am einzelnen Ich, nirgends sonst. Das ist die Zeit für brillante Ich-Geschichten, wie es diese eine ist.
~~
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20 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Vor "Montauk" habe ich schon einige Frisch Bücher gelesen - darunter "Homo Faber", sowie "Stiller" - und als frisch gebackener "Fan" machte ich mich sofort daran, diese Geschichte zu lesen. Laut Marcel Reich-Ranicki handelt es sich bei "Montauk" um "Frischs intimstes und zartestes" Buch, und ich war gespannt, was ich über den eigentlichen Max Frisch erfahren konnte, der doch - wie sich in seinen Romanen zeigt - mit dem Leben auskennt und scheinbar schon sehr viel erlebt hat...
Einmal mit dem Buch angefangen, konnte ich es nicht mehr weglegen und war begeistert von Frischs "Leben", seinen eigenen Erinnerungen. In seinem typischen Stil schreibt er über Beziehung, Träume und über sein "Life as a man". Leser, die "Homo Faber", besonders den Protagonisten Walter Faber mochten, werden auch dieses Buch lieben!
Ich selbst habe mir nach "Homo Faber" gedacht: wie lebt ein Mann, der solch ein Buch schreibt und die Antwort auf meine Frage bekam ich in "Montauk".

Mein Ratschlag: Für Frisch "Fans" Pflicht, Einsteiger sollten zuerst "Homo Faber" lesen.

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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
" Dies ist ein aufrichtiges Buch, Leser, es warnt dich schon beim Eintritt, dass ich mir darin kein anderes Ende vorgesetzt habe als ein haeusliches und privates... Ich habe es dem persoenlichen Gebrauch meiner Freunde und Angehoerigen gewidmet, auf dass sie, wenn sie mich verloren haben, darin einige Zuege meiner Lebensart und meiner Gemuetsverfassung wiederfinden... Denn ich bin es, den ich darstelle. Meine Fehler wird man hier finden, so wie sie sind und mein unbefangenes Wesen, soweit es nur die oeffentliche Schicklichkeit erlaubt... So bin ich selber, Leser, der einzige Inhalt meines Buches. es ist nicht billig, dass du meine Musse auf einen so eitlen und geringfuegigen Gegenstand verwendest...."

...beginnt Max Frisch seine Erzaehlung "Montauk". Montauk ist die noerdliche Spitze von Long Island, ueber hundert Meilen von Manhatten entfernt. Hier verbringt der Erzaehler mit der Journalistin Lynn ein Wochenende, wohnt mit ihr in einem Hotel und geht am Strand spazieren.

Max Frisch ist hier Erzaehler, der aus seinem Leben erzaehlt und dabei intim und zart sein Innenleben offenbart. Montauk ist die Geschichte eines Wochenendes, dass ein alter Mann mit einer jungen Frau in Amerika verbringt und dennoch ist es mehr.

Es erscheinen Rueckblicke, Einschnitte, Visionen aus Frischs Leben, die Geburt seiner Kinder, seine Rastlosigkeit und Reiselust, seine Beziehungen zu Frauen. Die weniger glueckliche Beziehung mit Ingeborg Bachmann wird angeschnitten, auch andere Freunde (dem Leser mehr oder weniger bekannte) tauchen auf.

Der Erzaehler ist dabei Beobachter, einfacher Beaobachter, der sie jung, mit langem, offenem Haar und sich alt, verfallen sieht. Der ihr Leben bluehen und seines vergehen weiss.

Montauk ist ein Buch, in das man sich hineinlesen muss, es ist wie ein einziger langer Gedankengang, das Wochenende vergeht nicht nur, es erscheint die Reflexion eines Lebens zu sein und ist dennoch so fluechtig. Ein Buch, dem jedes Spektakulaere fehlt und das dennoch so originell ist, das zerrissen scheint und dennoch eine Einehit bildet, dass der Autor ueber sich erzaehlt und dennoch fuer so viele etwas bedeutet.

1975, als Montauk erschien, war Max Frisch 63 Jahre alt. Wer 'Homo Faber', 'Stiller', 'Mein Name sei Gantenbein' oder 'Andorra' gelesen hat, wird ueber 'Montauk' nachdenklich staunen.

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Veröffentlicht am 10. April 2010 von Bücherkeule
Dies ist ein aufrichtiges Buch, Leser, ....
"Dies ist ein aufrichtiges Buch, Leser,
es warnt dich schon beim Eintritt."
(Michel de Montaigne)

"So bin ich selbst der einzige Inhalt des Buches", führt... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 6. Oktober 2009 von kpoac
Dies ist ein aufrichtiges Buch, Leser, ....
"Dies ist ein aufrichtiges Buch, Leser,
es warnt dich schon beim Eintritt."
(Michel de Montaigne)

"So bin selbst der einzige Inhalt des Buches", so führt... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 27. September 2009 von kpoac
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