Ich kenne die alte Ausgabe des Buches und rezensiere diese, da die neue ja noch nicht erschienen ist. Das Languedoc-Roussillion, im Südwesten Frankreichs gelegen, war im Mittelalter Schauplatz eines schlimmen und grausamen Kreuzzuges der Kirche gegen "Ketzer", die Albigenser. Exemplarisch am Dorf Montaillou, wo die Akten eines 1320 begonnenen Inquisitionsprozesses, um die Rechtgläubigkeit der Bewohner des Dorfes zu untersuchen, noch erhalten sind, entwickelt Emmanuel LeRoy Ladurie das Schicksal einer ganzen Region. Die Akten enthalten viele interessante Aspekte des damaligen Lebens in "Okzitanien", wo sogar noch eine eigene Sprache gesprochen wurde. Ladurie sammelt diese Aspekte und stellt sie hier vor. Sie reichen vom täglichen Leben über das Bindungs- und Sexualverhalten bis hin zu Fragen der Moral und Theologie. Dabei verliert er aber nie das grausame Schicksal aus den Augen, das den Ketzern blühte. Verschiedene Interessen standen hinter diesem Kreuzzug: die Kirche fürchtete um ihren Allmachtanspruch, dem noch recht machtlosen König von Frankreich gelüstete nach dem fruchtbaren Gebiet. Ladurie versteht es, die Lebenswelten der Bevölkerung zu schildern und gleichzeitig in den großen Rahmen der Geschichte zu stellen. Er versetzt den Leser in eine heute kaum noch vorstellbare Welt und tut dies auf ganz interessante Weise. Das Buch ist wirklich zu empfehlen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)