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"Monstrous Regiment" ist - gemeinsam mit "Night Watch" und teilweise auch "The Wee Free Men" - der sicherlich ernsteste Scheibenwelt-Roman. Von den doch recht albernen Anfangsromanen wie "The Light Fantastic" ist er so meilenweit entfernt wie - um es mit Tolkien auszudrücken - Theodens Sterbeszene vom naiv-heiteren Aufbruch Bilbos mit den Zwergen. Das macht das Buch definitiv nicht schlechter, aber schwerfälliger. Der Hintergrund eines vor Generationen schon sinnlos gewordenen Krieges ist nun auch nicht gerade ein Schenkelklopfer; Pratchetts humorsprühender Aberwitz vermischt sich hier mit dem Lachen der Verzweiflung, das manchmal die einzig noch mögliche Reaktion auf die Verdrehtheit der Realität ist. Es ist demnach kein reiner Entspannungs- und Ablachroman, und einige der üblichen Pratchett'schen Zutaten (wie der Auftritt des photographierenden Vampirs, der natürlich jedesmal zu Staub zerfällt, wenn das Blitzlicht losgeht) wirken etwas deplaziert bzw. aufgesetzt. Der Witz mit den Socken wird etwas zu oft bemüht.
Dennoch ist es ein sehr gutes Buch - ich glaube, Pratchett kann gar nicht anders. Besonders gefiel mir die Hauptfigur Polly, irgendwie eine Geistesverwandte des Johnny aus Pratchetts Jugendbüchern. Noch nie zuvor hat Pratchett so zynisch geschrieben - und der dauernde Vergleich mit Swift auf Pratchetts Buchcovern ist hier mehr als gerechtfertigt.
Kurz und gut: auch "Monstrous Regiment" habe ich mit Begeisterung gelesen, und ich werde auch weiterhin jedes neue Pratchettbuch ungesehen kauufen. Ihm fehlt die virtuose Leichtigkeit meines (auch vom Hintergrund her sehr ernsten) Lieblings-Discworldromans "Small Gods", aber empfehlen kann ich es allemal guten Gewissens. Wer allerdings wirklich NUR abvlachen möchte, dem seien in der Tat ältere Discworld-Romane empfohlen.
Das Cover - wie schon bei Night Watch - eine Parodie eines bekannten Bildes, nämlich des Fotos "Raising the flag at Iwo Jima". Der Titel - ein schönes Wortspiel. Wenn man es erklärt, ist es nicht mehr witzig, aber ich versuche mein bestes:
1558 veröffentlichte der schottische Calvinist John Knox eine Kampfschrift mit dem Titel "The First Blast of the Trumpet Against the Monstrous Regiment of Women" (Erster Trompetenstoß wider das monströse Weiberregime), der sich gegen die katholischen Herrscherinnen der Zeit (Maria von Schottland und Mary Tudor von England) richtete.
Die Hauptaussage in dieser Schrift ist, daß die Ausübung von Autorität durch Frauen im Gegensatz zum Naturgesetz und zur Religion steht.
Im Buchtitel von Terry Pratchett wird also mit der Doppelbedeutung Regiment/Regime gespielt und weiterhin klingt an, dass nach "Monstrous Regiment" noch "of women" folgen müsste ... eine Tatsache, die einem beim Lesen des Buches schnell klar wird.
Die Story
In Borogravia (ein Staat in der Nähe von Überwald) ist immer Krieg. Das Land wird von einer uralten Herzogin regiert, die sich von den Untertanen gottgleich verehren lässt und von der keiner weiß, ob sie überhaupt noch lebt. Gleichzeitig macht die Staatsreligion (unter Gott Nuggan) den Menschen mit sinnlosen Verboten das Leben schwer. Zu essen gibt es auch nichts. Rekrutierungskommandos grasen das Land nach neuen Rekruten ab, aber jeder halbwegs waffenfähige Mann ist schon eingezogen, gefallen, verwundet oder verkrüppelt. Der Krieg läuft schlecht, das Nachbarland hat eine wichtige Festung eingenommen und droht mit Unterstützung aus Ankh Morpork mit der Übernahme. Der Herrscher des Nachbarlandes Zlobenien ist nämlich gleichzeitig der einzig legitime Erbe der Herzogin von Borogravia. Ankh-Morpork mischt sich deshalb ein, da Borogravia die dort aufgestellten Clackstürme (die spontan von Gott Nuggan zur Sünde erklärt wurden) abgerissen hat.
In dieser Situation verläßt die Wirtstochter Polly ihr Zuhause um nach ihrem Bruder Paul zu suchen. Als Junge verkleidet lässt sie sich mit einigen anderen von Seargant Jackrum anwerben. Der ist erfreut, an nur einem Tag mehrere Rekruten zu bekommen, die komischerweise auch noch fast alle schreiben können. Es sind ein Troll, ein kaffesüchtiger Vampir, ein Igor, Polly und noch einige "Jungs".
Auf dem Weg zum Ausbildungscamp stellt Polly (genannt Oliver) fest, dass es um die Armee, das Land und den Krieg schlecht steht. Außerdem bemerkt sie, dass sie nicht die einzige verkleidete Frau im Regiment ist.
Im weiteren Verlauf der Geschichte wird beschrieben, wie Polly/Oliver und ihre KameradInnen die erste Feindberührung haben und dann später versuchen, die wichtige Festung einzunehmen. Durch einen Bericht in der Ankh-Morpork-Times werden sie zu Anti-Helden und haben unerwarteten Einfluß auf den Ausgang des Krieges.
Witzig oder nicht?
Im Vergleich zu "Night Watch" ist "Monstrous Regiment" nicht ganz so düster. Es ist durchaus wieder Slapstick-Humor vorhanden. Die üblichen schon seit "Charley's Tante" bekannten Gags, die immer dann Anwendung finden, wenn "gecrossdessed" wird, sind natürlich im Überfluß vorhanden.
Personen
Ohne zu viele Pointen zu killen kann man sagen, dass in dem Buch ziemlich wenig Männer mitspielen. Zu den wenigen Ausnahmen gehören aber unter anderem Gaststars wie Duke Vimes (Mumm) und William de Worde mit seinem Fotografen Otto Chriek als Kriegsberichterstatter. Die neuen Charaktere sind durchaus liebenswürdig und gut gezeichnet.
Besonders nett ist mal wieder der Igor gelungen, man erfährt auch wieder etwas mehr über diesen seltsamen Clan.
Fazit
Gefiel mir besser als Nightwatch. Die Schrecken des Krieges werden nicht verschwiegen, und es wird gut dargestellt, wie man in solchen Extremsituationen in Galgenhumor verfallen MUSS, um zu überleben und nicht durchzudrehen. Im Gegensatz zu "Jingo", wo es um den Unsinn Krieg im allgemeinen geht (warum fange ich einen an?), dreht es sich hier um die Situation der Soldaten, also eher den Mikrokosmos. Das Thema "Homosexualität beim Militär" wird natürlich zwangsläufig auch angeschnitten, wenn auch - pratchett-typisch - aus überraschend anderer Richtung. Wie jeder Pratchett - unbedingt lesenswert.
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